Hallo!
Philosophie und Tod: Beim Lesen des
Choron habe ich doch glatt auf einen anderen Klassiker vergessen, "Das Problem des Todes in der Philosophie" von Georg Scherer. (Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch ganz gelesen habe, mit Sicherheit in Auszügen, aber meine Erinnerung daran verliert sich im Nebel der Zeit.) Im vorliegenden Buch von B. Schumacher wird das Problem, das mit diesem Thema verknüpft ist, evident: Es sind zumeist die Existentialisten (oder Hermeneutiker), die sich mit damit beschäftigen.
Nach einem sehr lesbaren ersten Teil über die Definition des Todesbegriffes wird man im zweiten Teil mit genau jenen Philosophen konfrontiert, die man ansonsten zu meiden Anlass hat. Der erste der behandelten Philosophen ist Max Scheler, seines Zeichens Lebensphilosoph und einer der Ideengeber für Martin Heidegger, der den Tod ebenfalls als einen zentralen Punkt seiner Philosophie betrachtet hat. Scheler geht von einer Art "intuitivem Todesbewusstsein" aus bzw. von einem "Gesamtumfang" des Lebens, der sich aus Erinnern (Vergangenheit), Wahrnehmen (Gegenwart) und Erwarten (Zukunft) zusammensetzt und der eine geschlossen Totalität darstellt (der Umfang bleibt stets gleich), sodass der Mensch mit zunehmenden Alter spürt, dass der Anteil des Erwartens am Gesamtumfang immer geringer und er daher sterben wird. Das Ganze lohnt natürlich die Analyse nicht (Schumacher weist nach, dass diese Annahmen unbegründet sind - aber eines solchen Beweises bedarf es hier kaum, ist doch das Künstliche dieser Konzeption allzu offenkundig), es ist aber wohl für die weiteren Ausführungen (die Heidegger und Sartre betreffen) von Wichtigkeit (Heidegger hat ja manches von Scheler abgekupfert, ohne diese Quellen bekannt zu machen). Scheler findet außerdem, dass er kein Argument gegen eine Unsterblichkeit finden könne (tja, da kann man nix machen ...), er hat aber sein personales Weiterleben gegen eine eher pantheistische ewige Existenz im Alter getauscht: Das ihn prägende Christentum hat offenbar auf Dauer seinen Einfluss eingebüßt.
Mir stellt sich nun die Frage des Weiterlesens (nicht -lebens): Allerdings scheint die Behandlung der vorgenannten Existentialisten nicht allzu umfangreich zu sein. Auf 100 Seiten Heidegger-Analyse verspüre ich nämlich wenig Lust.
lg
orzifar