Author Topic: Albert, Mittelstraß, Schmidtchen: Pragmatismus versus Fundamentalismus  (Read 1312 times)

Offline orzifar

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Hallo!

In drei Arbeiten nehmen die Autoren zum Problem des Fundamentalismus (bzw. alternativer Strategien) Stellung, wobei Albert die bekannten Positionen des Kritischen Rationalismus vertritt, Mittelstraß jene des Konstruktivismus der Erlanger Schule, die aus einer Lebenswelt in operativer Weise erste Begriffe zu konstruieren versucht. (Bemerkenswert im Beitrag von Mittelstraß ist sein häufiger Hinweis darauf, dass die "Unhintergehbarkeit" der Lebenswelt keinen Letztbegründungsanspruch erhebe und damit auch einer fundamentalistischen bzw. dogmatischen Fundierung eine Absage erteile. Dass solche konstruktiven Ansätze auch falsch sein können liegt damit auf der Hand: Nun stellt sich aber die Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher Konstruktionsversuche, die ja vor allem in Bezug auf hochtheoretische Konstrukte wie etwa der Quantenphysik allesamt gescheitert sind.) Trotzdem sind diese beiden Beiträge als Einführung in die Gedankenwelt dieser beiden Richtungen durchaus geeignet.

Schmidtchen versucht hingegen eine weitgehend theoriefreie Analyse des Begriffes Fundamentalismus (in politischer als auch religiöser Hinsicht). Seine Zusammenfassung der spezifisch fundamentalistischen Strukturen fällt konzis und übersichtlich aus, wobei er sowohl gesellschaftliche als auch individuelle Implikationen in sehr gut nachvollziehbarer Weise analysiert. Allerdings ist es eine Bestandsaufnahme dieser Strukturen, es gibt - außer einem Bekenntnis zur "freien Rechtsstaatlichkeit" - keine Vorschläge, wie mit solchen Phänomenen umzugehen sei. Das mag an der relativen Kürze der Beiträge liegen, war aber offenbar auch genau so intendiert. Trotzdem (oder deshalb) ist dieser letzte Beitrag eine sehr klare und übersichtliche Darstellung, die - in Kurzform - die meisten sozialpsychologischen Ursachen für die Attraktivität solcher Strömungen benennt.

lg

orzifar
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