Hallo!
Danke. Man hat mir gestern in einem Vortrag gerade Rüdiger Safranski zitiert, der behauptet haben soll, das Internet sei nicht etwas, worüber wir verfügen, sondern es verfüge über uns. Irgendwie scheint es keine Mitte zu geben zwischen Glorifizierung und Verteufelung ... *seufz*
Auf die Gefahr hin, wieder eines Safranski-Bashings geziehen zu werden: Das ist diese typisch wichtigtuerische Art und Weise ein Bonmot über etwas zu kreieren (um des Ausdrucks willen), wovon man nicht die geringste Ahnung hat. Bloß um etwas zu sagen, Sentenz für den Jahreskalender der Fleischer-Innung.
Im de Sauvages Machwerk wird auch durchgehend in dieser Form "argumentiert": Sie bezieht sich auf Günter Anders, der den Niedergang der geistigen Welt schon mit dem Fernsehen gekommen sah und diagnostiziert nun dasselbe bzw. noch Ärgeres für das Internetzeitalter, in dem "alles ständig verfügbar ist", aber niemand mehr des Denkens fähig sei. Überhaupt implizieren sowohl die Ansicht von Anders als auch die von de Sauvage eine ganz grundsätzliche Dummheit, wenn sie die "Zeitverschwendung oder Verdummung" durch die entsprechenden Medien beklagen: Sie suggerieren damit, dass all jene, die heute Talkshows konsumieren, Hartz IV-Empfängern beim Leben zusehen bzw. sich aus dem Internet Filmchen schlüpfrigen Inhalts herunterladen, früher ihre Freizeit mit der Interpretation platonischer Dialoge oder den philosophischen Implikationen von Heisenbergs Unschärferelation verbracht haben.
Es ist so trivial wie einfach: Neue Entwicklungen können immer auf verschiedene Art genutzt werden, bergen neue Gefahren, neue Möglichkeiten. Während das Fernsehen mich weitgehend unberührt lässt (und ließ) bin ich über das Internet froh: Nie zuvor war der Zugang zu Informationen aller Art so leicht, nie zuvor war der Kauf von Büchern so problemlos, günstig - und neben all diesen pragmatischen Dingen gibt es noch die Freude am Technischen an sich, am Programmieren, Gestalten.
lg
orzifar