Hallo!
Sandhofer bezeichnete sie als
"grossartige Schriftstellerin" und auch die Zuständigen des Nobelpreiskommitees sind nicht generell unfähig, über gute oder schlechte Literatur zu befinden. Vielleicht waren aus diesen Gründen meine Erwartungen zu hoch gesteckt: Aber nach den ersten drei Erzählungen war ich in jeder Hinsicht enttäuscht und vermochte weder die "großartige Schriftstellerin" zu erkennen noch irgendeine Art von Preiswürdigkeit zu entdecken. Das habe ich in weiterer Folge zwar relativiert (der Band umfasst insgesamt 8 Geschichten), von einem enthusiastischen Urteil bin ich aber immer noch weit entfernt.
Dafür sind diese Geschichten zu bieder (so nebenbei scheint mir die Übersetzung auch verbesserungswürdig, ich sollte Munro vielleicht im Original lesen), zu durchschaubar, zu konventionell. Originelle Ideen versanden, ein anfangs erzeugtes Interesse, Spannungen vermögen nicht eingelöst zu werden. So bleiben einige wunderbare Charaktere, gelungene Beschreibungen von Alltagsszenen, die Erzeugung unaufgeregter Melancholie. Aber nichts, was zu einem überschwänglichen Urteil berechtigen würde. Bei fast allen Erzählungen hatte ich den Eindruck, dass sie noch einer Überarbeitung bedurft oder aber überhaupt umgeschrieben hätten werden sollen, nicht jeder Einfall reicht für 50 Seiten in einem Buch. Vielleicht habe ich aber auch - was die Qualität betrifft - einen zufällig schlechten Griff getan: Ich werde höchstwahrscheinlich noch weitere Bücher von ihr lesen, um diese Vermutung - hoffentlich - zu bestätigen.
lg
orzifar