Author Topic: Alice Munro: Offene Geheimnisse  (Read 2138 times)

Offline orzifar

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Alice Munro: Offene Geheimnisse
« on: 01. Mai 2014, 04.27 Uhr »
Hallo!

Sandhofer bezeichnete sie als  "grossartige Schriftstellerin" und auch die Zuständigen des Nobelpreiskommitees sind nicht generell unfähig, über gute oder schlechte Literatur zu befinden. Vielleicht waren aus diesen Gründen meine Erwartungen zu hoch gesteckt: Aber nach den ersten drei Erzählungen war ich in jeder Hinsicht enttäuscht und vermochte weder die "großartige Schriftstellerin" zu erkennen noch irgendeine Art von Preiswürdigkeit zu entdecken. Das habe ich in weiterer Folge zwar relativiert (der Band umfasst insgesamt 8 Geschichten), von einem enthusiastischen Urteil bin ich aber immer noch weit entfernt.

Dafür sind diese Geschichten zu bieder (so nebenbei scheint mir die Übersetzung auch verbesserungswürdig, ich sollte Munro vielleicht im Original lesen), zu durchschaubar, zu konventionell. Originelle Ideen versanden, ein anfangs erzeugtes Interesse, Spannungen vermögen nicht eingelöst zu werden. So bleiben einige wunderbare Charaktere, gelungene Beschreibungen von Alltagsszenen, die Erzeugung unaufgeregter Melancholie. Aber nichts, was zu einem überschwänglichen Urteil berechtigen würde. Bei fast allen Erzählungen hatte ich den Eindruck, dass sie noch einer Überarbeitung bedurft oder aber überhaupt umgeschrieben hätten werden sollen, nicht jeder Einfall reicht für 50 Seiten in einem Buch. Vielleicht habe ich aber auch - was die Qualität betrifft - einen zufällig schlechten Griff getan: Ich werde höchstwahrscheinlich noch weitere Bücher von ihr lesen, um diese Vermutung - hoffentlich - zu bestätigen.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
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Offline sandhofer

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Re: Alice Munro: Offene Geheimnisse
« Reply #1 on: 01. Mai 2014, 07.33 Uhr »
Hallo!

Es täte mir leid, wenn ich Dich zu etwas verführt hätte, das Dir dann nicht gefallen hat. Ich weiss, dass Kollege Köllerer über (ich glaube: noch eine andere) Sammlung ähnlich geurteilt hat wie Du. Vielleicht ist es so, dass Munros Erstling ihr Bestes war; vielleicht hat mich auch einfach die nostalgische Erinnerung an meine 'frühen Iren' zu einem allzu enthusiastischen Urteil verleitet. (Ich hatte allerdings - trotz meines Enthusiasmus - nie im Sinn, Weiteres von ihr zu lesen, muss ich gestehen.)

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

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Re: Alice Munro: Offene Geheimnisse
« Reply #2 on: 01. Mai 2014, 19.17 Uhr »
Hallo!

Wenn's nichts Schlimmeres gäbe als eine solche "Verführung" :). Wie gesagt - ich werde dem mit weiterer Lektüre noch auf den Grund zu gehen versuchen: Denn war es nun auch nichts, was mich zu Begeisterungsstürmen hingerissen hätte, so gab es doch einige sehr gut gemacht Erzählungen. Mal sehen.

lg

orzifar
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