Hallo!
Eine konzise, fundamentale Analyse des Theismus, die ihresgleichen sucht, allerdings philosophisch sehr anspruchsvoll ist. Es ist dies keines der in diesen Zusammenhang häufig schnell fabrizierten Elaborate, die mit "Gott" oder "Atheismus" auf dem Buchtitel hohe Verkaufszahlen zu erzielen hoffen. Mackie verlangt vom Leser (teilweise, wie beim oben zitierten "modallogischen" Beweisgang) philosophisches Vorwissen, in jedem Fall aber die Bereitschaft, sich auf längere Argumentationsketten einzulassen und penibel durchzudenken. Unter dieser Voraussetzung erwartet den Leser eine brilliante Darstellung aller Gottesbeweise (und deren Widerlegung). Dadurch wird das Buch zu einem historischen Abriss dieses Fragenkomplexes, der philosophiegeschichtlich Interessantes birgt. Und es werden auch Versuche theistischer Konzeptionen neueren Datums präsentiert, etwa Küngs Rekurrieren auf ein Vertrauen in die Wirklichkeit, dass seine Berechtigung (angeblich) nur durch Gott erlangen kann.
Küng ist - so nebenbei - auch der Inbegriff des metaphysischen Schwaflers, seine Charakteristik Gottes ist typisch für das entrückte Wortgeklingel, mit dem - angesichts der Unmöglichkeit, den wundertätigen Wolkengott des Alten Testamentes weiterhin zu vertreten - versucht wird, aus einem blutrünstigen Stammesgott einen metaphysischen Begriff zu erzeugen: "Gott ist nicht nur als Teil der Wirklichkeit ein (höchstes) Endliches neben Endlichem, die Transzendenz in der Immanenz, das Absolute im Relativen. Gerade als der Absolute kann Gott zu Welt und Mensch in Beziehung treten. [...] So ist Gott der Absolute, der die Relativität einschließt und schafft, der gerade als der Freie Beziehung ermöglicht und Beziehung verwirklicht: Gott als die absolut-relative, diesseitig-jenseitige, transzendent-immanente, allesumgreifend-allesdurchwaltende wirklichste Wirklichkeit im Herzen der Dinge, im Menschen, in der Menschheitsgeschichte, in der Welt. [...] Für Sein und Handeln des Menschen bedeutet dies: Gott ist der nah-ferne, weltlich-unweltliche Gott, der gerade als Tragende, Haltende, Geleitende uns in allem Leben und Bewegen, Scheitern und Fallen schon immer gegenwärtig ist und uns umfängt." Usw. Wollte man derartige Umschreibungen parodieren, man müsste angesichts dessen, was Küng hier produziert, einsehen, dass ein solches Unternehmen zum Scheitern verurteilt ist. Es ist - für mich - nur immer wieder erstaunlich, dass man dergleichen tatsächlich ernsthaft vertreten kann.
Einzelne Kapitel in Mackies Buch verdienen besonderes Lob (ihrer Klarheit wegen): Der Teil über Kierkegaard, die Analyse der Determination bzw. Willensfreiheit oder die abschließende Zusammenfassung über die moralischen Implikationen des Gottesglaubens. Wobei Mackie in jeder Hinsicht sich um Objektivität bemüht und nirgendwo in Polemik verfällt, wodurch aber das Lesen manchmal ein wenig mühsam und trocken sich gestaltet. Aber für jemanden, der sich mit diesem Thema philosophisch auseinandersetzen will, gibt es wohl kaum besseres als dieses Buch.
lg
orzifar