Hallo!
John D. Barrow gehört zu den besten populärwissenschaftlichen Autoren (obschon ihm in philosophischer Hinsicht so mancher Fehler unterläuft). So auch hier: Eine kluge, konzentrierte Darstellung dessen, was im Jahre 1995 bezüglich der Entstehung des Kosmos anerkannter Forschungsstand war. Klar, aber doch nicht simplifizierend (wie dies andere Autoren seit einigen Jahren zu tun pflegen: So werden nicht nur Einführungen in die Quantenphysik oder in die Relativitätstheorie besonders "lustig" geschrieben, sondern auch diverse, sich meist schon im Titel reimende Büchlein über Philosophen. Da wird man mit Comics konfrontiert, dem - meist unsäglichen - Humor des Schreibers, und Darstellungen, die zwischen kindisch und dämlich sich bewegen und zumeist auch elementare Fehler aufweisen.) Barrow findet (besser noch in seiner Geschichte der Mathematik) einen angenehmen Zwischenweg: Immer im Bemühen, die Erkenntnisse möglichst seriös darzustellen.
In einer Hinsicht scheint er aber dem anthropozentrischen Denken verfallen zu sein: So stellt er fest, dass die Naturkonstanten bei nur minimaler Abweichung Leben nicht ermöglichen würden. Mir scheint dieser Gedankengang einem teleologischen Prinzip geschuldet: Unser Leben wäre nicht möglich. Aber ob es tatsächlich den Kohlenstoff für jedwedes Leben braucht, ob nicht in einem anderen Universum mit anderen Konstanten völlig andere Kräfte ein anderes Leben ermöglichen würde, scheint schon aufgrund unserer immer noch weitgehenden Unkenntnisse des Funktionierens des eigenens Kosmos' eine gewagte These. Das erinnert in vielem an die Argumentationsweise gegen die Evolution: Ausgehend vom Menschen ist dieser tatsächlich eine wahrscheinlichkeitstheoretische Unmöglichkeit. Aber nur bei teleologischer Betrachtungsweise.
lg
orzifar