Sehr schön, deine
Leonce und Lena-Besprechung, man bekommt sofort Lust, das Stück noch mal zu lesen.
Bei Lena muss ich dir widersprechen. Sie ist nicht "
nur ein verträumtes Mädchen, …das romantisch…an die große Liebe glaubt". Büchner gesteht ihr auch melancholisches und spleeniges Potential zu. Ich muss es wissen, ich habe sie mal gespielt

. Und sie schreckt nicht nur vor der arrangierten „dynastischen Heirat“ zurück, sondern vor der „weiblichen Rolle" allgemein, die von ihr verlangt, passiv und uneigenständig zu sein und als Projektionsfläche zu fungieren ( vgl. 5.Szene und mein Zitat von der
Quelle in meinem letzten Posting)!
Deine Zitate sind gut gewählt! Ja, und ich gebe dir recht, die eigentliche zweite Hauptperson ist Valerio, der die Gesellschaftskritik satirisch auf den Punkt bringt.
Etwas vermisst habe ich die Erwähnung der satirischen Seitenhiebe auf die (idealistische?) Philosophie in Form des philosophierenden Souveräns. Es sei für unser philosophielastiges Forum hier nachgetragen:
Zweite Scene
Ein Zimmer
(König Peter wird von zwei Kammerdienern angekleidet.)
Peter (während er angekleidet wird):
Der Mensch muß denken und ich muß für meine Unterthanen denken, denn sie denken nicht, sie denken nicht. – Die Substanz ist das 'an sich', das bin ich. (Er läuft fast nackt im Zimmer herum.) Begriffen? An sich ist an sich, versteht ihr? jetzt kommen meine Attribute, Modificationen, Affectionen und Accidenzien, wo ist mein Hemd, meine Hose? – Halt, pfui! der freie Wille steht davorn ganz offen. Wo ist die Moral, wo sind die Manschetten? Die Kategorien sind in der schändlichsten Verwirrung, es sind zwei Knöpfe zuviel zugeknöpft, die Dose steckt in der rechten Tasche. Mein ganzes System ist ruinirt…