Hallo!
Eine Art Wissenschaftsgeschichte in Einzelporträts, von Aristoteles bis Darwin (Teil I). Das könnte interessant sein, wäre da nicht der Autor selbst, das selbstgefällige, leicht arrogante Ego, das einem das Lesen immer wieder vermiest. So wird man fast in jedem Teilabschnitt mit der Feststellung konfrontiert, dass irgendwelche, nie genannte, rezente Forscher die Epoche oder aber den in Frage stehenden Philosoph/Wissenschaftler nicht wirklich einzuschätzen vermögen - womit implizit ausgedrückt wird, dass er, der Autor, dies natürlich könne und man daher dankbar sein müsse für seine Darstellung. Das, was er da kritisiert (zumeist hat es damit zu tun, dass man die Leistungen der Wissenschaftler auf dem Hintergrund der historischen Gegebenheiten beurteilen möge) ist aber in der Wissenschaftsgeschichtsschreibung durchaus gang und gäbe und seine eigene Haltung daher keineswegs bemerkenswert, sondern einer allgemeinen Auffassung entsprechend. Ein bisschen erinnerte mich diese Herangehensweise an H. P. Dürr, der sich ebenfalls (in "Traumzeit") darin gefiel, möglichst dämliche Elaborate zu zitieren, um seine eigene "Leistung" besser zur Geltung zu bringen. Nur dass Fischer völlig im allgemeinen verbleibt, diese ach so verwerflichen Autoren namentlich nie erwähnt, sondern einzig ständig auf ihr Vorhandensein hinweist.
Wenn man nun schon eine derart abgehobene Attitüde an den Tag legt, wirken die Missgriffe (bzw. sein philosophisches Unverständnis) doppelt peinlich. (Wobei - wer eine solche Schreibweise für nötig befindet, hat selbstredend etwas zu verbergen - und nicht selten ist dies Unwissenheit.) So wird man mit falschen Jahreszahlen zu Kants Kritik der reinen Vernunft konfrontiert oder mit einem oft anzutreffenden Vulgärpopperianismus, der da nicht verstanden hat, dass die Falsifikation ein Abgrenzungskriterium darstellt (und nicht, wie hier suggeriert, eine Art induktiver Ersatz zur Wahrheitsfindung, um die Verifikation zu ersetzen). Gerade in solchen Passagen spürt man die Oberflächlichkeit im Denken des Autors: Es hat, gerade was auch manche holistischen Einlassungen betrifft, etwas pseudoelitär Stammtischhaftes. Dabei sind einzelne Passagen durchaus lesenswert, wenn da nicht immer wieder der Autor durchscheinen würde in seiner Präpotenz, auch Beschränktheit, der sich weniger um die Sache selbst, denn um eine Selbstdarstellung bemüht.
lg
orzifar
der den zweiten Teil vorerst hintanstellen wird.