Hallo!
Oppenheimer ist bekannt als "Vater" der Atombombe, war ein hervorragender Physiker und hat sich in einer berühmt gewordenen Anhörung mit dem Vorwurf des "Heimatverrats" konfrontiert gesehen (ein Vorwurf, der sich als haltlos herausstellte, aber erst mehr als ein Jahrzehnt später zu seiner vollkommenen Rehabilitierung führte). Dieses Buch nun beschäftigt sich vor allem mit quantentheoretischen Problemen, mit der Geschichte (und dem Erfolg) von Wissenschaften als auch mit deren Bedeutung für den einzelnen bzw. die Gemeinschaft.
Allerdings ist die Lektüre ein wenig ermüdend: Das zur Quantenphysik Vorgetragene findet man in vielen (allerdings später erschienenen) Büchern wesentlich besser und eindringlicher vorgestellt, seinen allgemeinen methodologischen Überlegungen mangelt es an Präzision (so zweifelt er - im Sinne des Aristoteles - am reduktionistischen Vorgehen, er versucht sich wie dieser am Verständnis des "Ganzen", aber er belegt und differenziert diese Dinge kaum). Einzig sein Bekenntnis zur freien Wissenschaft, zu einer sich ergänzenden Gemeinschaft des wissenschaftlichen Denkens ist von einer spürbaren Überzeugung getragen. Und er weiß in Ansätzen das Faszinierende von Wissenschaft (für ihn vor allem die Physik) zu beschreiben, ihren Reichtum, die erforderliche Kreativität (die von manch metaphysisch-künstlerisch angehauchtem Geiste zumeist vollkommen übersehen wird), das Schöne an dieser Arbeit, am Finden von Problemen und deren Lösungen. Insgesamt aber ein Buch, das man nicht unbedingt gelesen haben muss: Dazu bleibt es viel zu sehr im Allgemeinen und Unverbindlichen - sowohl was methodologisch-wissenschaftliche aber auch persönlich-ethische Fragen betrifft.
lg
orzifar