Hallo!
"Beiträge zu einem naturalistischen Welt- und Menschenbild" lautet der Untertitel dieses Buches und umschreibt damit recht treffend die verschiedenen, hier versammelten Artikel. Das, was diese Beiträge auszeichnet, ist die klare und verständliche Formulierung, der strukturierte Aufbau, das Bemühen, die gestellten Fragen zu analysieren und Antworten zu finden. Vollmer unterscheidet sich wohltuend von anderen Philosophen, bei denen man oft nach hunderten von Seiten noch immer nicht weiß, welches Problem sie zu behandeln sich vorgenommen haben bzw. welchen Lösungsansatz sie verfolgen. Das kann man natürlich auch negativ sehen: Ein Wittgensteinianer, der alle philosophischen Probleme für Sprachprobleme hält und von einer Klärung der Sprache sich Antworten verspricht, wird mit dieser sehr pragmatischen Herangehensweise wenig Freude haben.
Von allgemeinen Fragen ("Bin ich ein Atheist?") über erkenntnistheoretische Arbeiten ("Ordnung und Chaos", "Was ist Naturalismus?", "Die vierte bis siebte Kränkung des Menschen" oder "Die Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung") bis zur Kritik des Holismus oder der Auseinandersetzung mit Algorithmen und KI reicht das Spektrum. Allen gemeinsam ist eine naturalistische Grundhaltung, ein hypothetischer Realismus und auch ein konsequenter Fallibilismus. Diese Einstellungen bedingen eine Grundhaltung, die nicht vorgibt, endgültige Wahrheiten erkennen zu können und die daher auf dogmatische Verdikte vollkommen verzichtet. Vollmer zu lesen ist ein Genuss, weil er trotz seines Bemühens um schwierige, philosophische Problemstellungen auf Verständlichkeit wert legt, immer auf Argumente bedacht ist und nirgendwo endgültige Wahrheiten präsentiert.
lg
orzifar