Hallo!
Ein sehr umfangreiches Buch über das Problem der Theodizee, das dieses Problem einer akribischen Analyse unterzieht und ihre Unmöglichkeit aufzeigt. Andererseits liegt gerade im Thema selbst das Problem: Keine Theodizee ohne einen gütigen, allmächtigen Demiurgen - und auch wenn Streminger penibel nachweist, dass ein solcher per definitionem nicht existieren kann, hat man doch das schale Gefühl, sich ständig mit einem nicht gerade weltbewegenden Thema zu beschäftigen. Weshalb mir die historisch-philosophischen Exkurse in diesem Buch sehr viel besser gefallen denn der logische Nachweis, dass das Problem (nicht nur, aber auch im Sinne Leibniz') natürlich nicht lösbar ist.
Irgendwie bewundere ich aber immer wieder Menschen, die diesen (und verwandten) Themen ihre Aufmerksamkeit widmen, die sich penibel mit der "Gottesproblematik" beschäftigen und die entsprechende Literatur produzieren. Denn wenn auch einerseits mir dies als eine langweilige und auch überflüssige Arbeit erscheint, der A-Theismus mir so selbstverständlich wie der A-Feeismus oder A-Koboldismus ist, ist andererseits die religiöse Idiotie so weit verbreitet, das derlei dann doch wieder notwendig erscheint. (Selbst in Wissenschaftszeitungen - Spektrum 2012/1 - entblödet man sich nicht, den Antagonismus Vernunft - Glaube zu thematisieren (vermutlich wirkt so etwas verkaufsfördernd). Dort wird man dann seitenlang mit dem Gestammel eines Herrn Trapp konfrontiert, der zum xten Male die Quadratur des Kreises versucht oder mit einem "Streitgespräch" zwischen Wissenschaftler und Theologe. Die Argumentation ist (wie immer bei aufgeschlossenen Theologen) hermeneutisch verbrämt und endet irgendwann beim unbewegten Beweger des Stagiriten, einem Beweger, der mit der dümmlichen Trinität oder der Jungfrauengeburt christlicher Provenienz ohnehin nichts zu tun hat und einzig eine Unkenntnis personifiziert. Oder aber der Wissenschaftler wird mit dessen "metaphysischen Realismus" konfrontiert, der aber auch etwas gänzlich anderes ist als ein Offenbarungswissen. Im übrigen ist es schon amüsant, dass von seiten der Theologen etwa Kuhn und Habermas vor den Karren gespannt werden: Letzterer als ein Gesprächspartner der germanischen Papstinkarnation. Die Tatsache dieses Austausches, die immer
für Herrn Ratzinger ins Feld geführt wurde, spricht bestenfalls
gegen Herrn Habermas. Relativismus, "erkenntnisleitende Interessen", hermeneutische Versatzstücke angereichert mit solcher der Psychoanalyse - das sind die Ingredienzien eines Gerichts, bei dem auch der Theologe mit der Zunge schnalzt.)
Trotzdem ich Herrn Streminger hochschätze (seine Humebiographie, die ausführliche, nicht jene bei Rowohlt erschiene ist m. E. unerreicht), zweifle ich, ob ich ihm noch weitere 300 Seiten in der Widerlegung des Allgütigen, Allmächtigen und Allwissenden folgen werde. Braucht man derlei als Vorbereitung für ein zu haltendes Seminar über Gott

*), mag es noch hingehen. Ist man von solchen Verpflichtungen entbunden (wie der Schreiber dieser Zeilen), kann man seine Zeit wahrscheinlich besser nutzen.
lg
orzifar
*) Das versteht, der/die es verstehen soll!