Hallo!
Ein "typischer" Albert insofern, als dass die meisten der Beiträge als Antwort auf andere Theorien oder Vorschläge zu lesen sind. Und genau das ist auch das Problem: Man müsste eben alle diese behandelten Schriften kennen, wobei ich mich weigere, die religionsphilosophischen Schriften eines Küng oder Ebeling (bzw. des Herrn Hempelmann - naja, für den Namen kann er nichts, auch wenn er ihm alle Ehre macht) mir zu Gemüte zu führen. Albert hingegen scheint an solchen Fehden seine helle Freude zu haben, aber es bleibt ein sonderbarer Eindruck zurück: Als ob sich da ein Preisboxer einen Fünfjährigen suchte, um seine Fähigkeiten sich bestätigen zu lassen. Andererseits zolle ich dem Bemühen auch eine gewisse Bewunderung: Denn irgendjemand muss sich auch mit diesem metaphysisch-theologischen Schmarrn auseinandersetzen, so lange diesem ein relativ großer Einfluss zueigen ist.
Andere Auseinandersetzungen ficht Albert mit dem Transdentalpragmatismus aus (der auch eine sehr obskure Letztbegründung sich ausgeklügelt hat, eine Letztbegründung, die ebenso wenig wie alle anderen standhält). Aber auch hier dasselbe: Ich mag weder den inkriminierten Artikel von Herrn Kuhlmann ("Reflexive Letztbegründung") noch mich mit den weitschweifigen Wortkaskaden eines Apel oder Habermas auseinandersetzen. Daher bleibt eigentlich nur ein einziger Artikel, der - von der Einleitung abgesehen - lesenswert ist: Der über "Transzendentalen Realismus und rationale Heuristik". Hier wird der berühmte "Papussche Zirkel" als Ausgangspunkt genommen und angesichts der dort entstehenden Probleme der Lösungsversuch Kants über die Verlagerung des Erkenntnisproblems in das Subjekt diskutiert, eine Verlagerung, die zum einen zu Auswüchsen bekannter Art im deutschen Idealismus geführt hat, zum anderen seit der naturwissenschaftlichen Revolution des 20. Jahrhunderts auch seine praktische Widerlegung erfahren hat. Albert nun will aus den im Ich liegenden Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis eine hypothetische Annahme machen, um zum einen den kritischen Realismus zu retten, zum anderen mit dem absoluten Gewissheitsanspruch aufzuräumen. Ob das wirklich geglückt ist - ich weiß nicht. Gerade im Hinblick auf Kant erscheinen mir diese Lösungen etwas sehr konstruiert - und die Frage drängt sich auf, wozu dieser ganze Aufwand betrieben wird. Denn wenn auch die Erkenntnismöglichkeiten im Subjekt selbst gesucht werden müssen (wo sonst), so sind andererseits der Ballast der reinen Anschauungen und Kategorien etwas, das eine Rettung nicht unbedingt verdient oder erfordert.
Ein Buch also, das mit großen Einschränkungen zu versehen ist. (Im übrigen wiederholen sich die Auseinandersetzungen: Jene mit Küng kann man sehr viel ausführlicher im "Elend der Theologie" nachlesen. Aber dort stellen sich ähnliche Fragen: Lohnt es tatsächlich, über Küngs Konzeption der "Wirklichkeit des Vertrauens" ein ganzes Buch zu schreiben, zu lesen?)
lg
orzifar