Author Topic: N. Oellers, R. Steegers: Weimar. Literatur und Leben zur Zeit Goethes  (Read 7058 times)

Offline Gontscharow

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Seltsam! Entweder hast du meine postings nicht gelesen, oder du hast sie gründlich missverstanden.

Quote from: orzifar
Keinesfalls aber darf Goethe sie wirklich gemocht haben…
.

Hä? Aus welcher meiner Äußerungen entnimmst du bitte, dass ich eine solche Meinung vertrete? In meinem vorletzten posting sage ich genau das Gegenteil, nämlich dass sie sich liebten, es Goethe mit Christiane gut ging etc. Lies bitte mal!

Quote from:  orzifar
Nur sexuelle Gespielin...
Hab ich nie behauptet, ich sprach (positiv gefärbt )von Erotik.

Und wie kommst du auf die Idee:

Quote from:
Und fast unanständig, dass sich ein 39jähriger von einer hübschen 23jährigen erotisch angezogen fühlt…
Auch das gibt überhaupt nicht meine Meinung wider.

Eine Auflistung und „Widerlegung“ weiterer, z.T. noch dämlicherer Behauptungen erspare ich mir. Du scheinst massiv zu projizieren.Was du schreibst, hat mit mir nichts zu tun. Mittlerweile glaub ich wirklich, dass du mein vorletztes posting nicht gelesen hast.
Ich hab eigentlich in jedem dasselbe vertreten, Goethe in seiner Beziehung  lediglich eine gewisse Halbherzigkeit vorgeworfen. Das ist nun wahrlich weit entfernt von der mir unterstellten Meinung, er habe sich  so versündigt gegen die holde Weiblichkeit…
Die süffisante Ironie deiner Ausführungen, lieber orzifar, mag ich übrigens auch nicht.

Quote from: orzifar
Ich kritisiere den Geheimrat gerne, seine antidemokratische, die Zensur unterstützende Haltung ist mir suspekt (wie so vieles gerade in politischen Dingen) …

Genau, das dachte ich auch, während wir uns  Gedanken über sein Liebesleben machten.

Offline orzifar

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Hallo!

Dass da einer den anderen möglicherweise nicht liest (noch mehr nicht versteht) - kann durchaus sein. Oder sich jemand nicht mehr an das eigene Geschreibsel erinnern kann: "Aber dass er es unterlässt, sich komplett wie ein Arschloch zu benehmen, ist ja noch nicht unbedingt etwas, was (Zitat orzifar) ihm vom menschlichen Standpunkt sehr hoch angerechnet werden muss...!" Nur wie ein Arschloch und nicht "komplett wie ein Arschloch" - diese beiden Alternativen!? Tatsächlich ist mein Standpunkt ein gänzlich anderer (und ich habe auch nicht vor, den des lieben Friedens willen - nebst Eierkuchen - usf. zu relativieren und zu bemänteln): Ich finde eben nicht, dass er sich wie ein Arschloch (oder wie dessen Totalität) verhalten hat, sondern - Christiane gegenüber - trotz des gesellschaftlichen Druckes (denn alle haben sich gegen diese Beziehung gewandt) moralisch höchst anständig und anerkennenswert. Er hat vor der Ehe zu ihr gehalten, er hätte sie bzw. den Sohn (wie andere in solchen Beziehungen) auch ohne Heirat finanziell absichern können (was denn wohl auch das Maximum war, das man von ihm erwartet hat) - es aber eben nicht getan, sondern sie ganz offiziell anerkannt. Ich sehe einfach nicht, warum ich dem Geheimrat genau dieses Verhalten (das eben entgegen aller Erwartungen und Konventionen war) nicht hoch anrechnen sollte, sondern ihm einzig nach der Verehelichung konzedieren soll, dass "er sich nicht wie ein komplettes Arschloch verhalten hat" - und dabei bestenfalls das "komplett" streichen darf.

Mein "dämlicher" Satz "dass sich ein 39jähriger von einer hübschen 23jährigen erotisch angezogen fühlt" war als Erwiderung auf "Zumindest zu Anfang war ganz sicher die Erotik der Kitt der Beziehung" gedacht, wobei das wiederum die Antwort auf die vorher unterstellte, von mir bezweifelte reine Bettbeziehung war. Wenn diese deine Feststellung nicht als Erwiderung auf dieses mein Bezweifeln gedacht war, dann ist sie nichts als eine Trivialität. Denn das mit der Erotik pflegt zu Beginn einer Beziehung wohl seit 100000 Jahren so zu sein.

In nuce: Goethe hat sich Christiane entgegen aller Erwartungen und Gepflogenheiten als ein zuverlässiger Gefährte erwiesen, sie nirgendwo im Stich gelassen, schließlich geheiratet (was noch weniger jemand erwartete oder gar forderte) und hat bis zum Schluss zu ihr gestanden. Das finde ich angesichts der Zeitumstände höchst anständig und ist ihm (nach meinem Dafürhalten) hoch anzurechnen (weil es eben nicht nur das "Normale", sondern ein weit über diese Norm hinausgehendes Verhalten war). Und das ist eben etwas völlig anderes als "gerade nicht wie ein komplettes Arschloch" sich verhalten.

Aber ich habe jetzt eigentlich keine Lust mehr, mich über die Verstehens- oder Gedächtnisprobleme der Diskutanten zu unterhalten.

lg

orzifar
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Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
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Offline sandhofer

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Hallo zusammen!

Sodele - Buch abgeholt. Kurz hineingeblättert. Kein Literaturverzeichnis, schade. Selbst wenn sich das Buch gemäss den ersten paar Sätzen des Vorworts nicht an Spezialisten richtet - so was wäre schon State of the Art gewesen ...  :(

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

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Sodele - Buch abgeholt. Kurz hineingeblättert. Kein Literaturverzeichnis, schade. Selbst wenn sich das Buch gemäss den ersten paar Sätzen des Vorworts nicht an Spezialisten richtet - so was wäre schon State of the Art gewesen ...  :(

Ja, das ist eine schreckliche Unart von Autoren/Verlegern/Werauchimmerdafürzuständigist. Und kann mir so manches Buch total vermiesen: P. Bieris Buch "Handwerk der Freiheit" ist auch so etwas: Weil man "nicht ausschließlich fürs Fachpublikum" zu schreiben vorgibt (gute Bücher müssen von den einen wie den anderen gelesen werden können), verzichtet man auf Index und/oder Quellenangabe. Vielleicht hat man Angst, dass der Apparat die Durchschnittsleser abschrecken könnte (was ich mir aber kaum vorstellen kann, hier ist wohl eher der Spargedanke ausschlaggebend). Beim vorliegenden Buch werden wenigstens die Quellen penibel angegeben.

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Hallo!

Unterdessen am Lesen.

Die Autoren skizzieren kenntnisreich, mit dem Sinn für das Wesentliche die Beziehungen zwischen den Geistesgrößen, Animositäten, wie sie zwischen Herder, Wieland, Goethe und Schiller (denn - dies ist der einzige Punkt - an dem Weimar gelegentlich verlassen wird: Die Universität zu Jena) häufig auftraten, sie beschreiben die Salons und Abendgesellschaften, die Zeitschriftenprojekte, das Eingebundensein des Hofes, die kleinen und großen Eitelkeiten all jener, die man später unter den Begriff "Weimarer Klassik" subsummierte.

Dem kann ich bis jetzt (= Schillers Tod) nur zustimmen. Erwähnenswert finde ich auch die die Autoren nie verlassende Ironie und gesunde Distanz zum Objekt ihrer Beschreibungen. Soweit also eine angenehme Lektüre.

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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Hallo!

Ich habe mal meine Impressionen "vorne" im Blog notiert - mit bestem Dank an den Threadstarter für die vergnügliche Lektüre!  :yodel:

Grüsse

sandhofer
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