Author Topic: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy  (Read 14546 times)

Offline sandhofer

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #15 on: 05. März 2013, 09.40 Uhr »
Hallo!

Ganz Galaxien sind schon in einem Reich zusammengeschlossen

Nur eine, wenn ich mich recht erinnere ...Im allerletzten Teil der Foundation-Saga, so Band 7 oder 8, wird doch angedeutet, dass fremde Wesen aus einer andern Galaxie diese hier bedrohen können, oder?

der Chefmathematiker zückt noch den den Rechenstab :). Ich nehme einmal an, dass die jüngeren aus dem Forum dieses Wunderwerkzeug weder kennen, geschweige denn bedienen können.

Immer schön, aber nur ganz leicht, mit Vaseline eingeschmiert, damit das Ding ruckfrei läuft ... Oh, ja!

Der Psychohistoriker Hari Seldon als Wechselbalg von Nostradamus, Hegel, Spengler und Toynbee - von Fama ausgetragen und unter Schmerzen zur Welt gebracht.

Nur, dass Hari Seldon nicht ex cathedra und nach Gutdünken prophezeit, sondern aufgrund mathematischer Formeln. Sehr unwahrscheinlich trotzdem, aber gewissen Teile der modernen Wirtschaftswissenschaften versuchen meines Wissens etwas Ähnliches, wenn auch nicht auf Jahrtausende angelegt.

Zum anderen fehlt's dann aber wieder an Originalität: Man haut sich zukünftig am Rande der Galaxis ebenso auf den Kopf wie weiland Cherusker und Römer.

Ja. Und was diese Angst vor einem Barbarentum soll, ist mir immer noch nicht klar ...

Grüsse

sandhofer
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Offline orzifar

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #16 on: 05. März 2013, 17.10 Uhr »
Hallo!

Ganze Galaxien sind schon in einem Reich zusammengeschlossen
Nur eine, wenn ich mich recht erinnere ...Im allerletzten Teil der Foundation-Saga, so Band 7 oder 8, wird doch angedeutet, dass fremde Wesen aus einer andern Galaxie diese hier bedrohen können, oder?

Leicht möglich. Da ist mir wohl der Vergleich aus dem Ruder gelaufen. Aber es ist schon eine nette Leistung, innerhalb einer Galaxie mit dem Rechenschieber so viel Mathematisches bewerkstelligen zu können ;.

Der Psychohistoriker Hari Seldon als Wechselbalg von Nostradamus, Hegel, Spengler und Toynbee - von Fama ausgetragen und unter Schmerzen zur Welt gebracht.

Nur, dass Hari Seldon nicht ex cathedra und nach Gutdünken prophezeit, sondern aufgrund mathematischer Formeln. Sehr unwahrscheinlich trotzdem, aber gewissen Teile der modernen Wirtschaftswissenschaften versuchen meines Wissens etwas Ähnliches, wenn auch nicht auf Jahrtausende angelegt.

Ja, nur scheitern erfahrungsgemäß alle diese Prognosen. Kann man ja bei den Sozialwissenschaften auch logisch zeigen, dass das nicht funktionieren kann. Seldon träumt den Toynbee- und Spengler-Traum - ob mit mathematischen Formeln oder ganz ohne. Aber wie erwähnt: Das spielt für die Qualität des Romans keine Rolle, wenn Asimov nicht den Anspruch erhebt, dass das tatsächlich möglich ist. (Und auch dann wär's eigentlich egal: Auch wenn das dann einen seltsamen Geruch erhalten würde. So wie angeblich Dan Brown auch seine Romaninhalte für historisch richtig halten soll. )

Zum anderen fehlt's dann aber wieder an Originalität: Man haut sich zukünftig am Rande der Galaxis ebenso auf den Kopf wie weiland Cherusker und Römer.

Ja. Und was diese Angst vor einem Barbarentum soll, ist mir immer noch nicht klar ...

Ich vermute, dass das gar nichts Besonderes bedeuten soll, vielleicht nur die Angst vor dem menschlichen Destruktionstrieb (das Buch erschien 1951, da war die große Schlächterei noch nicht so lange her). Ich bin jetzt mit dem ersten Roman durch und durchaus angetan, spannend, die Lösungen der Krisen originell, die Idee mit den "metaphysischen" Kernreaktoren, die nur durch Priester bedienbar sind, ganz ausgezeichnet. Macht Spaß!

lg

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Offline sandhofer

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #17 on: 06. März 2013, 09.43 Uhr »
Hallo!

Ja, nur scheitern erfahrungsgemäß alle diese Prognosen. Kann man ja bei den Sozialwissenschaften auch logisch zeigen, dass das nicht funktionieren kann.

Ich weiss nicht; dafür verstehe ich zu wenig von mathematischer Modellbildung. Aber irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass bei Asimov hier Modelle Pate standen ähnlich denen der Meteorologie. Und da werden die Vorhersagen ja auch immer besser. Auch wenn noch keine Jahrtausende inbegriffen sind. Gab's mathematische Modelle für die Meteorologie schon in den 50er Jahren?

Ich vermute, dass das gar nichts Besonderes bedeuten soll, vielleicht nur die Angst vor dem menschlichen Destruktionstrieb (das Buch erschien 1951, da war die große Schlächterei noch nicht so lange her).

Hm, ja. Mag sein. Ich bin ja an und für sich nicht vom Barbarentum der Barbaren überzeugt. War es Göring oder Himmler, die die deutschen Klassiker verehrten?

Ich bin jetzt mit dem ersten Roman durch und durchaus angetan, spannend, die Lösungen der Krisen originell, die Idee mit den "metaphysischen" Kernreaktoren, die nur durch Priester bedienbar sind, ganz ausgezeichnet. Macht Spaß!

Ja. Auch wenn's etwas simpel gezeichnet ist.  :)

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Offline orzifar

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #18 on: 06. März 2013, 18.52 Uhr »
Hallo!

Ich weiss nicht; dafür verstehe ich zu wenig von mathematischer Modellbildung. Aber irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass bei Asimov hier Modelle Pate standen ähnlich denen der Meteorologie. Und da werden die Vorhersagen ja auch immer besser. Auch wenn noch keine Jahrtausende inbegriffen sind. Gab's mathematische Modelle für die Meteorologie schon in den 50er Jahren?

Solche Voraussagen kranken an zwei Dingen: Zum einen am berühmten "Schmetterlingseffekt", also an kleinen Unterschiedlichkeiten in den Ausgangsbedingungen (das kann man auch an den biologischen Beispielen von Populationsentwicklungen zeigen), zum anderen - und wesentlich wichtiger - ist der Faktor Mensch in diesem Fall zu berücksichtigen. Wenn ich etwa für einen Tag x ein Kurshoch voraussage, so wird dieses Kurshoch (wahrscheinlich) am Tag x-1 eintreten, ganz sicher nicht am Tag x (wenn für den folgenden Tag ein Fallen prognostiziert wird). Durch die Kenntnis des Ergebnisses erfolgt eine Art Rückkoppelung, die so etwas völlig unmöglich macht (zeigt meiner Erinnerung nach auch Popper im "Elend des Historizismus"). Die Konstruktion von Asimov hat zumindest einen Vorteil: Er weist ja darauf hin, dass die math. Psychohistorie praktisch ausgestorben ist, sodass niemand mehr die Berechnungen Seldons (und damit seine Prognosen) kennt. Das wäre zumindest eine der Voraussetzungen, dass so etwas funktionieren könnte. Allerdings sind alle sozialen Systeme in einem Maße komplex und ihre Anfangsbedingungen so gut wie nicht feststellbar - im Gegensatz zu meteorologischen Systemen. Ergo: Es wird nix mit Spengler und Toynbee.

Hm, ja. Mag sein. Ich bin ja an und für sich nicht vom Barbarentum der Barbaren überzeugt. War es Göring oder Himmler, die die deutschen Klassiker verehrten?

Das versteh ich nicht ganz. Hat das eine mit dem anderen zu tun?

Ich bin jetzt mit dem ersten Roman durch und durchaus angetan, spannend, die Lösungen der Krisen originell, die Idee mit den "metaphysischen" Kernreaktoren, die nur durch Priester bedienbar sind, ganz ausgezeichnet. Macht Spaß!

Ja. Auch wenn's etwas simpel gezeichnet ist.  :)

Also für dieses Genre sind die Lösungen schon ausgezeichnet. Asimovs Ansätze sind ungleich besser als die allermeisten in der SF - und nicht nur dort. Ich habe zumindest das bei weitem nicht erwartet.

Bin übrigens im zweiten Teil.

lg

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #19 on: 06. März 2013, 20.13 Uhr »
Hallo!

Ja. Seldons Mathematik funktioniert nur, so lange keiner um ihre Resultate weiss. Oder keiner daran glaubt, dass sie die vorhergesagten Resultate haben wird. Irgendwo im ersten oder zweiten Band sagt Asimov das, iirc, auch.

Hm, ja. Mag sein. Ich bin ja an und für sich nicht vom Barbarentum der Barbaren überzeugt. War es Göring oder Himmler, die die deutschen Klassiker verehrten?

Eigentlich nur als Hinweis darauf gedacht, dass auch das Gegenteil nicht stimmt. Liebe zur Kunst in irgendeiner Form, oder zur Technik oder zu ich weiss nicht was man als Merkmal der Zivilisation ansehen will, macht auch nicht per se den zivilisierten Nicht-Barbaren aus.

Grüsse

sandhofer
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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #20 on: 10. März 2013, 07.47 Uhr »
Zum dritten Teil:

Was sich spätestens im zweiten Band der Foundation-Trilogie ankündigte, steht im dritten nun prominent im Vordergrund: Die Geschichte funktioniert nur, weil Asimov gewisse unhinterfragte und unhinterfragbare Grundsätze aufgestellt hat, nach denen sich die Geschichte zu richten hat - Axiome sozusagen.

Die wichtigsten davon scheinen sogar ausserhalb der Geschichte als solcher zu stehen, weil weder Autor noch dessen Figuren sie auch nur ansatzweise problematisieren:

   Es gibt nur zwei Zustände: Barbarei oder Zivilisation.
   Barbarei ist von Übel.
   Zivilisation gibt es nur unter einem zentralistisch regierten Einheitsstaat.
   Wenn dieser zerfällt, ist die darauf folgende Periode der Barbarei so kurz zu halten, wie möglich.

Dieser Einheitsstaat scheint in zyklischen Perioden zu zerfallen; aber da bin ich nicht zu 100% sicher und möchte das deshalb nicht als Axiom formulieren. Diese vier sozusagen exo-narrativen Axiome muss der Leser akzeptieren, sonst ergibt die Trilogie keinen Sinn für ihn. Warum ein System von konkurrierenden Staaten weniger Zivilisation bergen soll, als ein verknöcherter Gross-Staat, der seine Energie in seiner eigenen Verwaltung erschöpfen wird, ist anhand der Geschichte nicht einzusehen. (Asimov, der ja durch Gibbons The History of the Decline and Fall of the Roman Empire angeregt worden sein soll, hätte sich m.M.n. diese Frage stellen müssen. Er tut es nicht.) Spätestens im dritten Buch werden dann die aus den Axiomen fliessenden Korrelare relevant:

   Der Seldon-Plan erlaubt es, die Periode der Barbarei so kurz zu halten wie möglich.
   Nur der Seldon-Plan erlaubt das.
   Ergo: Abweichungen vom Plan sind unverzüglich zu korrigieren.

Genau diese drei Korrelare werden im dritten Band nun angewendet. Dass das Maultier am Ende des zweiten denkt, es hätte den Seldon-Plan quasi vorzeitig und bedeutend eleganter zu Ende geführt, ist selbstverständlich ein Irrtum. Statt in aller Ruhe und Gemützlichkeit den Rest der Galaxis zu erobern, fokussiert das Maultier auf den "Erzfeind" Zweite Foundation. Und so kehren wir zurück zu den Erzählmustern des ersten Bandes: Wir haben die physisch übermächtige Bedrohung des Plans und seine zwar physisch-militärisch machtlosen aber bedeutend gerisseren Verteidiger. Letztere sind ihrerseits daran interessiert, das Maultier auszuschalten, weil es den Seldon-Plan (zer-)stört. Es kommt keinem Vertreter der Second Foundation auch nur einen Moment lang in den Sinn, auf den Errungenschaften des Maultiers aufbauen zu wollen. Immerhin hat dieser Mutant schon einen schönen Teil der Galaxis wieder unter einer gemeinsamen Herrschaft vereinigt. Vielleicht liesse sich so die von Seldon errechnete Periode von 1'000 Jahren Barbarei ja noch mehr verkürzen? - Es wird nicht einmal in Betracht gezogen.

Gut, das Maultier wird ausgeschaltet. (Wir haben auch im dritten Band übrigens wieder, wie im zweiten, zwei von einander de facto unabhängige Erzählungen vor uns.) Nun kommen wir quasi zum Bruderkrieg. Die erste Foundation - in ihrer Ecke der Galaxis nach dem Tod des Maultiers wieder fest im Sattel - fühlt sich von der zweiten bevormundet, gegängelt. Durchaus nachvollziehbar, würde ich behaupten, wenn auch sehr undankbar, weil die zweite Foundation gerade noch der ersten die Haut gerettet hat. Also unternimmt die erste Foundation alles, um die Leute der zweiten ausfindig zu machen und eliminieren zu können. Dass es ihnen scheinbar gelingt, zeigt die Überlegenheit der zweiten, die die erste durch die ganze Erzählung hindurch am Gängelband geführt hat.

Es ist, wie wenn der Vater eines pubertierenden Sohnes dessen Aufbegehren so zu lenken weiss, dass einerseits der Sohn das Gefühl eines Sieges davonträgt, was sein Ego stärken und für seine Zukunft gut sein wird, dass andererseits aber dieser Sieg letzten Endes die Pläne des Vaters - nämlich dass sein Sohn eines Tages seine Firma übernehme wird - nur stärkt.

Es ist sicher kein böser Vater, der hier die Geschicke der Menschen lenkt, und sicher kein metaphysisch-übermächtiger. Aber das Gros der Menschen wird halt doch als unmündige Kinder hingestellt. Ein Menschenbild, wie es in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gerade noch so eben existieren konnte. Heute wirkt das verstaubt. Das ist mir bei meiner ersten Lektüre - vor Jahrzehnten - nicht bewusst geworden. Nun stört es mich doch sehr.
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Offline orzifar

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #21 on: 12. März 2013, 03.12 Uhr »
Hallo!

Habe die Trilogie nun auch abgeschlossen. Einige Anmerkungen:

Was sich spätestens im zweiten Band der Foundation-Trilogie ankündigte, steht im dritten nun prominent im Vordergrund: Die Geschichte funktioniert nur, weil Asimov gewisse unhinterfragte und unhinterfragbare Grundsätze aufgestellt hat, nach denen sich die Geschichte zu richten hat - Axiome sozusagen.

Ist das nicht in aller Literatur so? Ich muss ja das Konzept jedes Romans erst einmal annehmen - und kann erst dann beurteilen, inwiefern es tragfähig ist bzw. was der Autor überhaupt draus macht. Wie kreativ er damit umgeht, wie sprachlich genau er es umsetzt. Was ich aber nicht unbedingt mache (und was du mit der Axiomatik suggerierst) ist, dass ich einen Roman auf das logische Funktionieren der vorausgesetzten Begrifflichkeit überprüfe. Im konkreten Fall: Wenn mir Spengler oder Toynbee in ihren Geschichtskonzeptionen so etwas präsentieren, leg ich das Ganze relativ schnell weg. Das hält einer logischen Prüfung ganz offenkundig nicht stand und entspricht einer - mittlerweile überholten - Geschichtskonzeption, die aus prinzipiellen Gründen zum Scheitern verurteilt ist.

Bei Asimov ist das für mich völlig anders: Natürlich ist die Psychohistorie Seldonscher Prägung ein Ding der Unmöglichkeit (wobei man Asimov zugute halten muss, dass er sehr wohl darauf achtet, das Konzept zu relativieren: Im Grunde besteht genau darin das ganze Buch). Aber dies ist ebensowenig für mich ein Kritikpunkt wie die Reisen durch den Hyperraum, das "fress" ich einfach im Wissen darum, dass es sich hier um einen Roman handelt (und nicht um ein philosophisches oder wissenschaftliches System). Den Roman auf diese Weise zu kritisieren scheint mir die Anwendung eines falschen Instrumentariums zu sein. (Das alles natürlich mit Einschränkungen: Wenn denn die Konzepte allzu undurchdacht sind, dann leidet natürlich auch der Roman - insbesondere in der SF ist das oft der Fall.)

Schon eher zur Kritik Anlass gibt die etwas simple Gegenüberstellung von Zivilisation - Barbarei. Hier unterschreibe ich das von dir Geäußerte: Es ist überhaupt nicht klar, warum nur diese beiden Zustände möglich sein sollten, warum alle positiven, negativen Aspekte von Staaten auf dem Hintergrund eines so simplen Gerüstes dargestellt werden müssen. Hier hätte ich mir wesentlich mehr Kreativität erwartet (die aber in anderen Fällen durchaus vorhanden ist). Und ich gebe dir auch Recht, dass er zumindest wusste, wann er aufhören soll: Denn diese letzte Episode kann nur die letzte sein. Durch das dritte Buch zieht sich der Gedanke "ich weiß, dass du weißt, dass ich weiß, dass du weißt" - ad infinitum. Das kann man nur einmal als eine Art deus ex machina verwenden, beim nächsten Mal wäre es abgedroschen oder aber man würde sich diese Frage selbst stellen. Durch dieses Konzept wird das Ende eigentlich herbeigezwungen.

Der "moralische" Schluss (wie du ihn in dem Vater-Sohn-Vergleich treffend dargestellt hast) ist auch ein bisschen fragwürdig. Das ist aber Geschmackssache: Mir wäre eine zweite Foundation, die die Unsinnigkeit ihres Bemühens einsehen muss, lieber gewesen. (So nebenher: Die Übersetzungen scheinen sich zu unterscheiden, wusste ich doch zuerst nicht, was du mit "Maultier" meinst, bis offenkundig wurde, dass dein "Maultier" mein "Fuchs" ist :)). Insgesamt aber habe ich mich sehr gut unterhalten, die Geschichte ist spannend und gut erzählt (nebenher: Dass Frauen irgendwann irgendwas zu sagen haben könnten, ist Asimov auch nicht eingefallen, einzig zum Schluss lässt er zwei nicht ganz dumme Exemplare auftreten), sie ist kreativ, witzig. Ich habe mich jedenfalls mit so mancher Hochliteratur sehr viel weniger gut unterhalten.

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #22 on: 12. März 2013, 08.14 Uhr »
Hallo!

Wenn denn die Konzepte allzu undurchdacht sind, dann leidet natürlich auch der Roman - insbesondere in der SF ist das oft der Fall.

Wahrscheinlich liegt hier der Hase im Pfeffer. Vor allem im dritten Teil - in den beiden ersten war das weniger prominent - wirkt das Konzept auf mich papiern, ohne Leben. Und doch regiert es. Die Story wird durch ihre Voraussetzungen kastriert.

Die Übersetzungen scheinen sich zu unterscheiden, wusste ich doch zuerst nicht, was du mit "Maultier" meinst, bis offenkundig wurde, dass dein "Maultier" mein "Fuchs" ist :)

Die Übersetzung ist meine - ich habe auf Englisch gelesen. Dort ist es "the Mule". Das ist nun mal ein Maultier. Ich gebe zu, dass "Maultier" als Übersetzung problematisch wird, weil wir uns darauf mit einem Pronomen im Neutrum beziehen müssen - ich bin ein paar Mal darüber gestolpert und nicht sicher, ob ich die "er"s und "es"es immer richtig gesetzt habe. Mit "Fuchs" haben wir das Problem nicht. Aber zum Ende des zweiten Bandes gibt es die Stelle, wo Bayta Darell mit Entsetzen realisiert, dass "the Mule" den Wunsch haben könnte, eine Dynastie zu gründen, und sie zur Mutter seiner Kinder zu erwählen. "The Mule" winkt ab: "I sense your revulsion, but that's silly. If things were otherwise, I could make you happy very easily. It would be an artificial ecstasy, but there would be no difference between it and the genuine emotion. But things are not otherwise. I call myself the Mule - but not because of my strength - obviously - "

Wie kriegt denn das Deine Überstzung mit "Fuchs" hin?

Insgesamt aber habe ich mich sehr gut unterhalten, die Geschichte ist spannend und gut erzählt (nebenher: Dass Frauen irgendwann irgendwas zu sagen haben könnten, ist Asimov auch nicht eingefallen, einzig zum Schluss lässt er zwei nicht ganz dumme Exemplare auftreten), sie ist kreativ, witzig. Ich habe mich jedenfalls mit so mancher Hochliteratur sehr viel weniger gut unterhalten.

Dem kann ich mich durchaus anschliessen. Vor allem der sehr sparsame Einsatz von physischer Gewalt, von Raumschlachten und militärischem Gedöns, die völlige Absenz von Aliens und Sex machen die Foundation-Trilogie zu einer immer erfrischenden Lektüre.

Grüsse

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« Last Edit: 12. März 2013, 08.44 Uhr by sandhofer »
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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #23 on: 12. März 2013, 17.39 Uhr »
Die Übersetzung ist meine - ich habe auf Englisch gelesen. Dort ist es "the Mule". Das ist nun mal ein Maultier. Ich gebe zu, dass "Maultier" als Übersetzung problematisch wird, weil wir uns darauf mit einem Pronomen im Neutrum beziehen müssen - ich bin ein paar Mal darüber gestolpert und nicht sicher, ob ich die "er"s und "es"es immer richtig gesetzt habe. Mit "Fuchs" haben wir das Problem nicht. Aber zum Ende des zweiten Bandes gibt es die Stelle, wo Bayta Darell mit Entsetzen realisiert, dass "the Mule" den Wunsch haben könnte, eine Dynastie zu gründen, und sie zur Mutter seiner Kinder zu erwählen. "The Mule" winkt ab: "I sense your revulsion, but that's silly. If things were otherwise, I could make you happy very easily. It would be an artificial ecstasy, but there would be no difference between it and the genuine emotion. But things are not otherwise. I call myself the Mule - but not because of my strength - obviously - "

Wie kriegt denn das Deine Überstzung mit "Fuchs" hin?

Gar nicht - offenbar. Geht ja auch nicht. Denn ich habe eine solche Stelle nicht gefunden. Und ärger mich also noch nachträglich ein wenig über die Übersetzung.

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #24 on: 12. März 2013, 22.05 Uhr »
Hallo!

Ich habe den letzten Band seinerzeit auch auf Deutsch gelesen. Jetzt, wo Du's sagst - ja, ich glaube die alte Heyne-Übersetzung sprach auch vom "Fuchs".

Nebenbei: Kennst Du A. E. van Vogts "Null-A"? Da wäre mal eine logisch-semantische Begründung einer Welt. (Die, wenn ich mich recht erinnere, allerdings ziemlich in die Hosen geht. Die Begründung. Nicht die Welt.)

Grüsse

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #25 on: 13. März 2013, 01.48 Uhr »
Hallo!

Nebenbei: Kennst Du A. E. van Vogts "Null-A"? Da wäre mal eine logisch-semantische Begründung einer Welt. (Die, wenn ich mich recht erinnere, allerdings ziemlich in die Hosen geht. Die Begründung. Nicht die Welt.)

Nein, kenne ich nicht. Mal sehen, ob ich das günstig auftreiben kann. Möglichst englisch :). Um biologisch-taxonomischen Verwirrungen zu entgehen.

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #26 on: 13. März 2013, 06.51 Uhr »
Auch eine Trilogie, wenn ich es recht im Kopf habe. Und ich frage mich gerade, ob ich Dir jetzt schon sagen soll, dass van Vogt Dianetiker war. (Der sich dann allerdings von der Scientology distanziert hat!)
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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #27 on: 13. März 2013, 19.27 Uhr »
Auch eine Trilogie, wenn ich es recht im Kopf habe. Und ich frage mich gerade, ob ich Dir jetzt schon sagen soll, dass van Vogt Dianetiker war. (Der sich dann allerdings von der Scientology distanziert hat!)

Das mit der Dianetik wusste ich. Er scheint aber zumindest kein Scientologe gewesen zu sein. Und muss ja nicht unbedingt etwas Negatives für ein Buch bedeuten, außer er will mir seine Einstellungen aufoktroyieren. Na, mal sehen.

lg

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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #28 on: 13. Februar 2022, 00.27 Uhr »
Hallo,

derzeit gerade die Foundation und das ganze Drumherum in Arbeit. Asimov hat nach über 30 Jahren die Trilogie um zwei einleitende Bände ergänzt (Die Rettung des Imperiums, Das Foundation-Projekt, sie sind chronologisch vor der Trilogie angesiedelt und sollen den "Seldon-Plan" plausibler machen - ob da allerdings allzu viel zu retten ist darf bezweifelt werden, obschon ich empfehlen kann, diese beiden Bände tatsächlich vorher zu lesen), außerdem die nach der Trilogie angesiedelten Bände "Die Suche nach der Erde" und "Die Rückkehr zur Erde" (die vor den einleitenden Bänden entstanden sind). Wohl knapp 3000 Seiten und so faszinierend nicht, dass ich die Roboter-Romane auf später verschieben werde (der erste Band der Foundation-Trilogie kann als Teil der Roboter-Romane verstanden werden). Und auch die Imperiums-Romane (die Zeit vor der Trilogie betreffend - und so gesehen hätte ich sie auch vorher lesen sollen) werden noch ein wenig auf sich warten müssen (ohne mein Erinnerungsvermögen allzu sehr zu strapazieren: Ich vermute, dass ich sie vor einigen Jahrzehnten schon gelesen habe, die letzte Lektüre der Trilogie liegt erst 10 Jahre zurück, wurde ja auch hier im Forum besprochen). Aber mir war danach, den Seldon-Plan (an Toynbee und Spengler erinnernd) und seine Grundlagen genauer kennen zu lernen.

Vielleicht wird noch ein Blog-Eintrag draus. Aber nachdem ich zur Erde zurückgekehrt sein werde, brauch ich eine Asimov-Pause.

lg

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Ich häng das mal an den alten Thread an ...
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Re: Isaac Asimov: Foundation-Trilogy
« Reply #29 on: 14. Februar 2022, 06.39 Uhr »
Ich habe vor Zeiten einmal den Schlussband gelesen, und war nicht sehr begeistert. Auf den Rest habe ich daher verzichtet. Der Seldon-Plan ist etwas Seltsames, aber die Fortsetzung ist noch seltsamer.
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