Hallo!
Habe nun doch die Neuromancer-Trilogie begonnen (den Asimov hoffe ich mir nächste Woche besorgen zu können) - und bin überrascht. Positiv überrascht. Ein Zukunftsszenario, das an Plausibilität und Intelligenz sehr viele utopische Entwürfe übertrifft, das ein wenig an "Brave New World" erinnert, aber technischer und spannender ist. Spannend aber nicht in dem üblichen SF-Sinn, als dass da irrwitzige Tötungsszenarie en masse präsentiert werden (gut, das auch teilweise), sondern in dem Sinn, dass da jemand eine gut ausgedachte Geschichte gut zu erzählen in der Lage ist. Und das alles weitab von den typischen Klischees der phantasielosen Sternenkriege, sondern - wie erwähnt - vielmehr als beängstigende Zukunftsvision einer futuristischen Gesellschaft.
Auch die beiden Protagonisten sind ansprechend gezeichnet: Case, ein "Konsolencowboy" (Hacker oder Nerd würde man heute sagen), Molly, eine japanische Leibwächterin mit allerhand implantierten Silicium, das ihre Fähigkeiten nicht unerheblich von normal menschlichen scheidet, werden von einer KI-Existenz namens Wintermute zu undurchsichtigen Zwecken verwendet; und während sie sich ihrer Aufgaben mit mehr oder weniger Bravour entledigen, suchen sie andererseits nach dem wahren Grund für diese ihre Aufträge. Besonders gelungen in diesem Zusammenhang sind die sozialen und gesellschaftlichen Beschreibungen, eine hochtechnisierte Welt, teilweise durchorganisiert, zum anderen Teil anarchisch. Diese Schilderungen sind beklemmend realistisch, moralische Gleichgültigkeit und Ignoranz, sterile Technologie, irgendwo dazwischen ganz ohne Pathos spezifisch menschliche Züge.
In jedem Fall ein bisher äußerst originelles, witziges, gut erzähltes Stück Zukunft.
lg
orzifar