Valentino Achak Denk wird in den USA in seinem Hause überfallen und ausgeraubt, liegt gefesselt am Boden und erinnert sich dabei an seine Flucht aus dem Sudan. Das Wechselspiel von der rauhen Gegenwart und den Kriegserinnerungen ist herrlich verflochten. Zeitenwechsel vollziehen sich immer sanft und ist. Niemals gibt es einen krassen Übergang. Gegenwart und Vergangenheit sind ein Strom. Im Gegensatz zu manch anderen Schriftstellern der Gegenwart sind die Zeitsprünge immer leicht zu erkennen und bereiten keine Probleme.
Zwei Beispiele wie Eggers breschen in die Vergangenheit schlägt:
Achak wird in seiner Wohnung in Atlanta von einem Jungen bewacht:
Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Junge, der jetzt mit einer Fanta in der Hand wieder vor dem Fernseher sitzt, keine Ahnnung davon hat, was ich in Afrika erlebt habe.
(Seite 51). An anderer Stelle wird erzählt, wie Achak auf die Couch blickt, auf der er mit Tabhita einmal zusammen saß. Er lernte sie in dem Flüchlingslager von Kakuma (Kenia) kennen.
Von der Lesbarkeit ist der Roman leicht zu verdauen, inhaltlich brutal und sehr tragisch, doch wird die Brutalität nicht ausgeweidet.
Ich sah zu, wie er eine Frau niederitt, die zum Wald laufen wollte, und dann sein Schwert die Höhe hob. Ich blickte weg. Ich presste den Kopf auf den Boden und zählte bis zehn, und als ich wieder aufschaute, sah ich nur noch ihr blassblaues Kleid ausgebreitet auf der Erde. (Seite 143)
In Khartum sitzt eine islamistische Regierung, die die Scharia einführen wollen. Diese Araber befinden sich seit 1983 mit den Rebellen, der SPLA, aus dem Südsudan, in einem brutalen Bürgerkrieg. Die Murahilin, Reiter, die von der Regierung eingesetzt werden, fallen über die Ortschaft Marial Bai her, Dengs Geburtsort, töten diejenigen, die gekämpft haben, andere werden nach Kartum abgeschleppt, auch Amath, die erste Frau in seinem Leben, von der der Junge Achak Deng sehr beindruckt war. Auch sie wurde wie ein Stück Teppich auf den Sattel eines Pferdes gebunden und verschleppt. Das Dorf abgebrannt, der Junge auf der Flucht. Ein Zug von dreihundert Jungen durch den Südsudan Richtung Äthiöpien mit allmöglichen Gefahren und immer mehr schließen sich an. Jungen werden von Löwen gerissen, oder sterben, weil sie verhungern, austrocknen. Dengs Freunde sterben alle. Jeder auf andere grausame Weise.
Er hatte nur aufgehört zu gehen sich unter einen Baum gesetzt, die Augen geschlossen und war gestorben. Ich war mit einem fingergroßen Stück Fleisch zurückgekommen, um es mit ihm zu teilen, und sein Körper war schon erkaltet. (Seite 318).
Sehr bewegend, wie er seinen Freund notdürftig beerdigt, damit nicht die Geier sofort über ihn herfallen.
Achak Denk träumt aber vom Reichtum Äthopiens. Dort würde er wie in Marial Bai in einem Bett schlafen. Der Anblick eines toten Soldaten, brachte seinen Glauben daran aber ins wanken. Noch langsamer und schleppender wurden seine Schritte.
Liebe Grüße
mombour