Hallo!
Kennt jemand dieses Buch? (Insbesonder du Sandhofer, der du dich mit dem Philosophen als auch dem "Jungen Wien" schon eingehender beschäftigt hast?) Ich habe bisher mit großem Vergnügen darin gelesen, es unterscheidet sich wohltuend von Elaboraten Glucksmannscher Provenienz, wenngleich es ebenfalls gewagte Thesen formuliert (etwa Wittgenstein im Tractatus als Ethiker). Im Unterschied zu Glucksmann wird dies aber umfangreich zu begründen versucht (wenn man auch nicht immer zuzustimmen geneigt ist), wie man überhaupt den Eindruck hat, dass die Autoren sich intensiv und genau mit ihrem Thema auseinandergesetzt haben. Sie sehen Wittgenstein als Produkt der historisch-kulturellen Umstände Wiens (bzw. Kakaniens), dessen Anliegen nicht so sehr in sprachanalytischen Untersuchungen lag, sondern - auch - eine moralische Dimension hat, deren Herkunft ganz spezifisch auf das Wien des fin de siecle hinweist. Kraus, Schönberg oder Loos als Reaktion auf die kitschig-ästhetisierende Kunstsammlerei der Gründerzeit, puristische Kunst, aller dekorativen Arabesken entkleidet. Mittendrin Wittgenstein, der im Tractatus das Denken dieser Zeit in nuce zusammenfasst.
lg
orzifar
Nachsatz: Und wenn ich schon beim Fragen bin: Wie steht es mit der Kenntnis von Charles Brockden Brown (Wieland oder Die Verwandlung)? Schauerroman amerikanischen Ursprungs, noch bevor E. A. Poe die Bühne betrat. Liegt hier und will gelesen werden ...