Author Topic: John D. Barrow: Ein Himmel voller Zahlen  (Read 1200 times)

Offline orzifar

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John D. Barrow: Ein Himmel voller Zahlen
« on: 22. April 2012, 00.46 Uhr »
Hallo!

Ein Buch, dem ich mit zunehmender Seitenzahl unrecht getan habe: Denn es hätte sich mehr Aufmerksamkeit verdient, intensiveres Nachdenken, genauere Analyse. Eine Aufmerksamkeit, die ich umständehalber nicht aufzubringen vermochte.

Barrow gibt einen faszinierenden Überblick über die Welt der Zahlen - vom Anbeginn des Zählens bis hin zu den konstruktivistischen, platonischen, intuitionistischen Entwürfen der Mathematik. Den Anfang des Buches kann man auch in diversen anderen Werken nachlesen, jener Teil über die Mathematik des 19. und 20. Jahrhunderts (z. B. über Cantors Mengenlehre) sucht in seiner Klarheit seinesgleichen. Barrow weiß wovon er schreibt, nirgendwo hat man den Eindruck, dass hier ein Wissenschaftsjournalist mal schnell ein populärwissenschaftliches Werk schreibt - im Gegenteil: Hier ist ganz offenbar ein Fachmann am Werk, der weit über den Text hinaus fundiertes Wissen mitbringt.

Dass auch in diesem Buch wieder einmal auf alle Formeln verzichtet wird, ist zweifelhaft wie in fast allen derartigen Werken. Natürlich: Man will den Laien nicht verschrecken, denn das Mathematiktrauma aus der Schulzeit ist meist zeitlebens wirksam. Allerdings behandelt Barrow z. T. hochkomplizierte Bereiche, deren Komplexität und Schwierigkeitsgrad ungleich größer ist als es die einiger erklärender Formeln wäre. Eigentlich prolongiert man durch diese Unart nur den schwachsinnigen Mathematikunterricht: Denn nicht die Formeln sind das Problem, sondern deren fehlende Herleitung bzw. die ausführliche Erklärung. Erst das monotone Memorieren von Regeln und Vorschriften macht diese unverständlich.

Ungeachtet dessen ist das Buch eine wundervolle Lektüre, für jeden Freund einer philosophischen Betrachtung der Mathematik unbedingt zu empfehlen.

lg

orzifar
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