Hallo zusammen!
Ich suche gerade nach dem Fachbegriff (oder nach einem intelligenten Begriff - intelligenter als der, den ich im Titel verwendet habe) für folgendes Phänomen:
Arthur Conan Doyle: Die meisten seiner Geschichten um Sherlock Holmes spielen so in den 1870er Jahren in einem London der Pferdekutschen und der sechsmal täglichen Postzustellung. Geschrieben bzw. veröffentlicht wurden sie 20, ja bis zu 50 Jahre später, als dieses viktorianische London schon lange passé war.
P. G. Wodehouse: Seine Geschichten um Jeeves und Wooster spielen in einem England bzw. London kurz vor und/oder kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Geschrieben wurden sie so zwischen 1930 und 1970, als das England Edwards VII. schon lange passé war. Und: Die meisten Geschichten schrieb Wodehouse schon gar nicht in England, sondern in den USA bzw. in Frankreich.
Dennoch sagt man diesen Stories nach, ihre jeweilige Handlungszeit typisch zu erfassen. Wie soll ich diese Art nennen, über eine Zeit zu schreiben, die man zwar noch selber erlebt hat (historische Romane à la Walter Scott interessieren mich hier nicht), die aber schon lange im Orkus versunken ist; und so zu schreiben, dass man fast das Gefühl hat, Doyle sitze zu Hause in London am Fenster und schaue den Droschken zu, Wodehouse sitze irgendwo auf einem englischen Landsitz beim Tee und unterhalte sich mit Wooster über dessen Tennis?
Ich weiss auch nicht, ob das nun ein Phänomen der trivialeren Literatur ist; ausser Doyle und Wodehouse fallen mir gerade keine Beispiele ein. (Ausser vielleicht noch Doderers Romane aus dem verklingenden Kakanien.)
Grüsse
sandhofer