Author Topic: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction  (Read 8857 times)

Offline orzifar

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #30 on: 29. Mai 2012, 20.31 Uhr »
Hallo!

Ich häng mich mal an diesen Thread an. "Der Flüsterer im Dunkeln" ist ein typischer Lovecraft, wenngleich manche Merkmale fehlen: Verborgene Manuskripte, altertümliche Städte mit verruchten Vierteln - überhaupt das ganze historische Brimborium. Hingegen wird mit SF-Anklängen gespielt (wie schon ich Cthulhu), Außerirdische mit ebensolchen Fähigkeiten erscheinen (wobei es dann doch ein wenig seltsam ist, dass die Überwinder des Zeit-Raum-Kontinuums sich von ein paar Schäferhunden lange in Schach halten lassen - aber das sind so die Fallstricke derartiger Literatur).

Was mir an Lovecraft gefällt ist sein Relativismus, seine zurückhaltenden, auf mögliche Einwände bedachten Ich-Erzähler, die durch ihre zumeist rationale Grundhaltung dem Übersinnlichen eine zusätzliche Plausibilität verleihen (sollen). Das ist klug gemacht und sehr viel angenehmer, als eine im bloßen Indikativ erzählte Schauergeschichte, deren Märchenhaftigkeit evident ist. (Im übrigen glaube ich, dass einiges des Erfolges von Harry Potter auch dieser Verquickung von "normaler" Realität und Zauberwelt geschuldet ist: Das erlaubt andere Identifikationsmöglichkeiten.)

Natürlich: Die Motive wiederholen sich bei Lovecraft, aber sie unterhalten trotzdem aufgrund der genauen Beschreibungen, der zumeist ansprechenden Sprache. (Der Vergleich zu King drängt sich auf und muss sofort abgewiesen werden: Selbst die schlechteste Erzählung Lovecrafts ist besser als die beste Kings (in "Nightmares and Dreamscapes")).

lg

orzifar
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Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
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Offline orzifar

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #31 on: 09. Juni 2012, 15.59 Uhr »
Hallo!

Mein vorerst letzter Lovecraft ("In der Gruft", wobei ich vermute, dass ich noch nicht alles gelesen habe): Diesmal durchwegs kurze Geschichte von durchwegs mediokrer Qualität. Einzig die letzte, längere Sci-Fi-Geschichte "In den Mauern von Eryx" lesenswert und originell. Sonst hatte das etwas von Resteverwertung und man tut einem Verstorbenen nicht immer etwas Gutes, wenn man jedes kleine Manuskript posthum veröffentlicht, kafkaeske Perlen sind selten. Die vorliegenden Erzählungen sind offenkundig teilweise Entwürfe, Ideensammlungen, kaum aber ausgearbeitete Kurzgeschichten.

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Offline sandhofer

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #32 on: 09. Juni 2012, 19.00 Uhr »
Hallo!

Mein vorerst letzter Lovecraft ("In der Gruft", wobei ich vermute, dass ich noch nicht alles gelesen habe): Diesmal durchwegs kurze Geschichte von durchwegs mediokrer Qualität. Einzig die letzte, längere Sci-Fi-Geschichte "In den Mauern von Eryx" lesenswert und originell. Sonst hatte das etwas von Resteverwertung und man tut einem Verstorbenen nicht immer etwas Gutes, wenn man jedes kleine Manuskript posthum veröffentlicht, kafkaeske Perlen sind selten. Die vorliegenden Erzählungen sind offenkundig teilweise Entwürfe, Ideensammlungen, kaum aber ausgearbeitete Kurzgeschichten.

Wenn ich mit meinem "The Complete Fiction" vergleiche, sagen mir die beiden Titel auch nichts. In meiner Ausgabe war allerdings auch nichts Postumes. M.W. hat sich da ein selbsternannter Max Brod ziemlich zu schaffen gemacht - sprich: selber Fragmente zu Ende geschrieben u.ä.

 :hi:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus