Author Topic: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction  (Read 8856 times)

Offline sandhofer

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H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« on: 25. März 2012, 20.21 Uhr »
Hallo zusammen!

Nun lese ich also diese Gesamtausgabe "The Complete Fiction", erschienen bei Barnes & Noble im Jahr 2011. Jede Geschichte mit einer kurzen Einführung des Herausgebers. Ich bin froh, mir diese Ausgabe gegönnt zu haben, zeigt sich doch, dass Lovecraft mehr konnte als Cthulhu. (Und schon das war beeindruckend.) Er kann auch Lord Dunsany oder Samuel Johnson. Ich bin fasziniert.

Grüsse

sandhofer
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Offline Sir Thomas

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #1 on: 26. März 2012, 10.10 Uhr »
Ich bin fasziniert.

Das war ich auch vor langer Zeit ... Für mich war Lovecraft immer etwas abwegig und abstrus, ein Autor mit Sonderlingstatus. Zählst Du ihn zur Literatur? Oder doch eher zur gut gemachten Unterhaltung? In meiner Erinnerung gehört er eher in die letztgenannte Kategorie.

LG

Tom   

Offline sandhofer

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #2 on: 26. März 2012, 12.53 Uhr »
. Zählst Du ihn zur Literatur? Oder doch eher zur gut gemachten Unterhaltung?

Ein Grenzgänger. Ich bin ja immer noch in seiner frühen Produktion, so bis 1920. Da hat es ein paar sehr gelungene Sachen dabei, aber auch viel - sagen wir - weniger Gelungenes. (Aber, um mal wieder sinngemäss Arno Schmidt zu zitieren: Welcher Autor hat nicht mindestens 90% Schrott verfasst? Und nur wenn's gut geht, 10% Überleben- und Lesenswertes?) Vor allem auch sprachlich hat Lovecraft so einiges drauf. Wenn ich mich recht erinnere, hat man Lovecraft auch einen gewissen Rassismus vorgeworfen. So weit ich im Moment sagen kann: zu Recht.
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Offline mombour

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #3 on: 26. März 2012, 16.04 Uhr »
Das war ich auch vor langer Zeit ... Für mich war Lovecraft immer etwas abwegig und abstrus, ein Autor mit Sonderlingstatus. Zählst Du ihn zur Literatur? Oder doch eher zur gut gemachten Unterhaltung? In meiner Erinnerung gehört er eher in die letztgenannte Kategorie.

Selbstverständlich ist Lovecraft Literatur, sonst wäre es nicht veröffentlicht. Gute Literatur unterhält immer (so etwas ist natürlich dann auch gut gemacht). Ich kenne von Lovecraft einige hervorragende Köstlichkeiten. In gewisser Weise  hat Horror immer was absrtruses, bewegt es sich doch jenseits üblich wahrgenommener Realitätswelten. Das muss so sein. Ha! Lovecraft dürfte Weltliteratur sein.

Liebe Grüße
mombour
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Offline sandhofer

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #4 on: 26. März 2012, 20.10 Uhr »
Lovecrafts "Meister" sind Lord Dunsany und E.A. Poe. Und er in gewissem Sinn ihr "Meisterschüler". Weltliteratur? Was ist das? Lovecraft ist sicher, dort, wo er am besten ist, grosse Literatur. Wie gesagt, die 90%-Klausel von Arno Schmidt immer im Hinterkopf behalten  ;) .
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Offline Regina

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #5 on: 26. März 2012, 21.06 Uhr »
(Aber, um mal wieder sinngemäss Arno Schmidt zu zitieren: Welcher Autor hat nicht mindestens 90% Schrott verfasst? Und nur wenn's gut geht, 10% Überleben- und Lesenswertes?)

Das kenne ich als Sturgeon's Law: 90% of everything is crap.
Er soll es 1951 gesagt haben, 1958 findet es sich in einem Zeitungsartikel (jedenfalls laut der vertrauenswürdigsten Quelle im Internet  ;D).
Kannst du sagen, wann und wo Schmidt sich so geäußert hat?
Haben sich die beiden gegenseitig befruchtet oder sind sie unabhängig voneinander zur gleichen Erkenntnis gekommen?
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Offline sandhofer

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #6 on: 27. März 2012, 17.21 Uhr »
Das kenne ich als Sturgeon's Law: 90% of everything is crap.
Er soll es 1951 gesagt haben, 1958 findet es sich in einem Zeitungsartikel (jedenfalls laut der vertrauenswürdigsten Quelle im Internet  ;D).

Ich meinte, das müsse in einem seiner Essays über Karl May gewesen sein, finde aber auf die Schnelle nichts. War vielleicht auch in einem andern Essay. Müsste aber wohl nach Sturgeon gewesen sein; ob er ihn kannte, kann ich nicht sagen.
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Offline sandhofer

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #7 on: 28. März 2012, 19.40 Uhr »
Lovecraft, um zum Thema zurückzukommen, überrascht mich immer noch. Da ist wirklich mehr als Trash und Pulp Fiction. Der Kerl konnte schreiben ...
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Offline sandhofer

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #8 on: 30. März 2012, 20.26 Uhr »
Lovecrafts "Meister" sind Lord Dunsany und E.A. Poe.

Was mich dazu verführt hat, Dunsanys Geschichten aus dem Lande Yann, Phantastische Bibliothek hg. von Borges, bei der Büchergilde zu ordern ...
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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #9 on: 01. April 2012, 15.59 Uhr »
Die Stories sind zeitlich in der Reihenfolge ihres Erscheinens aufgeführt. Ich bin jetzt in der zweiten Dekade von Lovecrafts Schaffen. Der Autor wird, nach viel versprechendem Debut, nun konventioneller. Sicher, er hat mit dem Thema "Horror" nun sein Spezialgebiet gefunden, aber trotz seiner Lehrer Poe und Machen, hat er den Dreh noch nicht heraus. Er erzählt zu langsam, hängt zu sehr am Detail. Wäre er zu diesem Zeitpunkt gestorben, die Welt würde sich bestenfalls an einen der vielen minderrangigen Beiträger zum Pulp-Magazin "Weird Tales" erinnern.
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Offline sandhofer

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #10 on: 06. April 2012, 11.27 Uhr »
So, die erste Geschichte zum Cthulhu-Mythos habe ich nun auch gelesen. Lovecraft ist hier wirlklich originell - wenigstens, was die Erfindung angeht. Die Erzählung ist sprachlich und technisch eher medioker, aber Lovecraft entpuppt sich nun als einer der grossen Horror-Autoren. Noch bin ich nicht bei den ganz grossen seiner Geschichten angekommen.
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Offline sandhofer

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #11 on: 12. April 2012, 11.01 Uhr »
Die Farbe aus dem All: Ein Meteorit schlägt im Garten eines Bauern in New England ein. Darin merkwürdige farbige Kugeln. Diese Farbe vergiftet im Laufe eines Jahres den ganzen Hof und die Tiere und Menschen. Science Fiction meets Horror. Wie überhaupt Lovecraft, schon lange vor Lem, die Inkompatibilität und Unverständlichkeit exoterristrischen Lebens mit dem unsern postuliert hat. Ich muss gestehen, dass er m.M.n. hierin auch den viel berühmteren H.G. Wells (Der Krieg der Welten) übertrifft. Bei Lovecraft wissen wir nicht einmal, ob diese Kugeln intelligent handeln oder einfach vegetativ Besitz ergreifen von ihrer Umgebung.
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Offline mombour

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #12 on: 13. April 2012, 15.51 Uhr »
"Die Farbe aus dem All" hat mir auch sehr zugesagt. Das schöne ist ja, dass man nie genau weiß, worher dieses Unheimliche wirklich kommt, weil es für dem Leser im verborgenem bleibt.

Ein sehr schöner Band ist "Cthulhu" - Geistergeschichten, übersetzt von H.C. Artmann, Suhrkamp. Horror vom Piekfeinsten. Das ist wirklich gute Literatur (war nur eine Bemerkung für Horrorabstinenzler ;D ).
Inhalt:
Pickmans Modell
Die Ratten im Gemäuer
Die Musik des Erich Zann
Das Grauen von Dunwich
Der leuchtende Trapezoeder
Cthulhus Ruf

Ganz nebenbei würde mich interessieren, ob es heute auch so gute Horrorgeschichten gibt. Manche Stories von Stephen King sollen sehr gut sein.

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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #13 on: 13. April 2012, 16.54 Uhr »
Das schöne ist ja, dass man nie genau weiß, worher dieses Unheimliche wirklich kommt, weil es für dem Leser im verborgenem bleibt.

Ja, Lovecraft wusste noch, dass das Grauen im Kopf des Lesers stattfinden soll, nicht in dem des Schreibers.

Ein sehr schöner Band ist "Cthulhu" - Geistergeschichten, übersetzt von H.C. Artmann, Suhrkamp.

Mit diesem Band hat Artmann Lovecraft im Deutschen bekannt gemacht, und das ist ihm zu Gute zu halten. Aber ich möchte doch festhalten, dass bei Lovecraft keine Geister vorkommen. Sein Horror ist real, und im Grunde genommen sogar wissenschaftlich. ("Wissenschaftlich" in dem Sinn, wie "Science = Wissenschaft" in "Science Fiction" verwendet wird. Ein bisschen werden die Naturgesetze schon verdreht. Aber übernatürliche Geister fehlen.)

Ganz nebenbei würde mich interessieren, ob es heute auch so gute Horrorgeschichten gibt. Manche Stories von Stephen King sollen sehr gut sein.

Ich weiss nicht. Borges war wohl der letzte. King kenne ich nicht. Paul Auster ist Borges-und Kafka-Schüler. Seine "New-York-Trilogy" zeigt Ansätze, aber an Borges kommt er nicht heran.
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Re: H. P. Lovecraft: The Complete Fiction
« Reply #14 on: 14. April 2012, 15.37 Uhr »
The Wisperer in Darkness [Der Flüsterer im Dunkeln]

Eine weitere Horror-Geschichte, wo die Angst und Schrecken verbreitenden Wesen keine Geister sind, sondern Aliens. Zum ersten Mal, so weit ich sehe, wird auch die Idee verwendet, dass das Gehirn eines Wesens vom Rest des Körpers getrennt und separat aufbewahrt werden könnte. Hier als Möglichkeit, interplanetarisches bzw. intergalaktisches Reisen zu ermöglichen. Und wieder ein typischer Lovecraft-Erzähler: Der zwar bezüglich des sich Ereignenen vorgebildetet Skeptiker, der dann durch die Tatsachen definitiv zum Glauben an die exoterristrischen Wesen gezwungen wird.
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