Author Topic: Gilles Dowek: Logik  (Read 1953 times)

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Gilles Dowek: Logik
« on: 19. März 2012, 23.35 Uhr »
Hallo!

Ein Büchlein so für zwischendurch - dachte ich. Was da so ganz bescheiden beginnt, wächst sich zu einem durchaus interessanten, teilweise schwierigen und komplexen Exkurs über Kalküle, Schlussverfahren und den damit verbundenen Schwierigkeiten aus. Und genau darin liegt auch das Problem: Hier wird auf wenigen Seiten zu viel gewollt, die Materie ist zu vielfältig und zu anspruchsvoll, um in dieser Kürze abgehandelt zu werden.

Dowek vermeidet Formeln weitgehend und nur in der ersten Hälfte des Buches versucht er anhand von Beispielen seine Überlegungen darzustellen. Dann aber verliert der Autor (und der Leser) zusehends den Überblick, manches wiederholt sich, anderes bleibt (obschon wichtig) unerklärt. Denn natürlich lassen sich die Gödelschen Unvollständigkeitssätze nicht einfach in wenigen Absätzen erklären, hier müsste ausgeholt und vor allem besser strukturiert werden. Dadurch sind die Erklärungen häufig zwischen Redundanz und Schwerverständlichkeit angesiedelt, trotz versuchter Gliederung in kurze Kapitel besteht der Haupteindruck in Unübersichtlichkeit.

Die Ursache dürfte in der Seitenbeschränkung (seitens des Verlages?) liegen (bzw. in einer bemühten Allgemeinverständlichkeit, die aber bei dem in Frage stehenden Thema ein zweifelhaftes Unterfangen ist): Und so wird zwar vieles erwähnt, auf Interessantes hingewiesen, neue Perspektiven aufgezeigt - man bleibt aber doch einigermaßen unbefriedigt zurück. Weil der Anspruch, eine derart komplizierte Thematik auf diese (verkürzte und verständliche) Weise abzuhandeln, einfach nicht einzulösen ist.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re: Gilles Dowek: Logik
« Reply #1 on: 20. März 2012, 12.47 Uhr »
Hallo!

Ich bewundere die Hartnäckigkeit, mit der Du solche Werke liest, selbst wenn sie irgendwann nicht mehr Deinen Qualitätsansprüchen genügen. Ich bringe das allenfalls bei sogenannten "Klassikern" wie Rudolf Steiner zu Stande, weil es mich Wunder nimmt, wie so etwas zum Klassiker-Status gelangen kann.

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Re: Gilles Dowek: Logik
« Reply #2 on: 20. März 2012, 17.43 Uhr »
Hallo,

der Grund liegt wohl darin, dass ich aus solchen Büchern wie dem vorliegenden einen, wenn auch manchmal geringen, Erkenntnisgewinn ziehe. Während ich das bei Steiner keineswegs erwarte. Das "warum" (also warum Steiner einen solchen Erfolg hatte) ist mir weniger ein Rätsel: Angesichts des offenkundigen, mythologisch-kaminwarmen Bedürnisses der meisten Menschen, die problemlos auf den Gebrauch der Vernunft auch einmal verzichten können, bieten solche Schwarmgeister jenes kuschelige Esoterikbett an, nach dem sich aus Gründen der Bequemlichkeit so viele sehnen.

Bei belletristischer Literatur ist es ähnlich: Nach 100 Seiten sprachlicher und inhaltlicher Bescheidenheit ist vernünftigerweise nicht mehr anzunehmen, dass sich daran noch viel ändert. Wenn ich ein Buch zusätzlich auch als literarhistorisch belanglos ansehe, dann fällt mir das Weglegen leicht, ansonsten (wie bei Mercier) ist es das philosophisch-geschichtliche Umfeld, das mich bei der Stange hält.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re: Gilles Dowek: Logik
« Reply #3 on: 21. März 2012, 08.05 Uhr »
Hallo

Ja, unsere Grenzen der Toleranz sind ein bisschen verscheiden gezogen. Was Du von Mercier sagst, mache ich eben sinngemäss auch für Steiner geltend.  ;)

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus