Die Zahl der Landminen in Angolas Erde – rund zehn Millionen – übersteigt die Zahl seiner Einwohner.
1975 wird die Caetano-Diktatur in Portugal durch die Nelkenrevolutuion gestürzt. Die Kolonialherrschaft in Angola ist beendet. Seitdem herrscht dort aber
„ein korruptes marxistisches Regime." Von einer Katastrophe in die nächste. Savimbi, der sich als Freund von Franz Josef Strauß bezeichnete, verlor die ersten freien Präsidentschaftswahlen in Angola, sprach von Wahlbetrug und zettelte einen Bürgerkrieg an. Er selbst wurde mit Kugeln durchsiebt. Dr. Johann Savimbi war einer der grausamsten postkolonialen Rebellenführer. 30 Jahre wütete er mit Gewalt durch das Land. „Afrika, der blutige Erdteil“, sagt Grill,
„seit 1945 wurden im Süden der Sahara 54 Kriege und Bürgerkriege geführt.“Im Grills Buch schimmern ja immer wieder die Reaktionen des Westens durch. Afrika gilt als ein verlorener Kontinent, den man abgeschrieben hat. Auf dem Friedensgipfel für den Kongo 1999 in Lusaka (Sambia) stattfand, erschienen nur zwei europäische Journalisten, keiner aus den USA. Aldo Ajello, Sondergesandte der Europäischen Union sagte: „Es ist leider wahr, das auswärtige Interesse ist extrem begrenzt.“ Die Kongolesen sind auch nicht ernsthaft an einem Waffenstillstand interessiert. Und so läuft alles den Bach hinunter. Laurent Kabila wid umbebracht, Joseph Kabila übenimmt die Macht. Das Blutvergießen geht weiter. Fachgelehrte sprechen über eine „Somalisierung“ (Anarchie) Zentralafrikas. Die Weltgemeinde schickt zwar ein paar Sondergesandte in den Kongo, die nichts ausrichten können. Es herrscht die Resignation. Man könne sowieso nichts machen, den Krieg müsse man ausbluten lassen. So wie grill das beschreibt, ist von den Industrieländern keine Hilfe zu erwarten. Das ist das schockierende. Und so geht das Dilemma weiter: Völkermord in Ruanda, 15. April 1994: Die Grausamkeiten und Hintergründe möge man im Buch lesen, ich wiederhole sie nicht und möchte nur das Verhalten des Westens, insbesondere der UNO, erwähnen. In den USA bemühte man sich, das Wort Genozid nicht in den Mund zu nehmen, denn bei einem Genozid, wären sie verpflichtet gewesen, einzugreifen. Bill Clinton sprach vom „Stammesgroll“ und Mitterand: „ Ein Genozid ist in Afrika nicht so schlimm wie anderswo.“ (Seite 279). Wer mag schon gerne glauben, dass ruandische Militärs von Französen ausgebildet wurden, zwischen 1990 und 1996 hat es 36 Waffenlieferungen nach Ruanda gegeben. Dieser Völkermord wäre zu verhindern gewesen. Grill erzählt vom Kommandeur der Friedensrtruppen in Ruanda, Roméo Dallaire, der schon am 11. Januar 1994 ein verschlüsseltes Telegramm nach New York gesandt hat, „das detaillierte Informationen zum geplanten Genozid“ enthielten.“ Leider wurde die Gefahr nicht als ernst genug eingestuft. Stattdessen, der Genozid war längst im Gange, reagierte die UNO auf Empfehlung von Kofi Annan und ließ 270 Blauhelme abziehen. Der Abzug der Blauhelme ist filmisch dokumentiert.
>„Lasst uns wenigstens die Waffen da, damit wir uns verteidigen können,“ betteln die Schutzlosen.<
Kofi Annan entschuldigt sich später für diese Fehlentscheidung.
AIDS
In Afrika wird über AIDS nicht geredet. Ein Tabuthema wie Sexualität. Im Parlament von Südafrika war im Oktober 2001 das Thema AIDS/HIV angesetzt, auf der der Präsident die Infektionsrate bezweifelte, obwohl damals 4,7 Millionen Menschen infiziert waren. Gerne werden andere Gründe als Krankheitsursache vorgeschoben, als Sexualität. Man versteht niht, warum nach der Apartheid die Befreiten sterben und hängt sich an abstruse Theorien wie die von zwei Amerikanern, die von einer „Viruslüge“ sprechen, die Ursache für das Massensterben in der Armut zu finden glauben. Für die südafrikanische eine willkommene Irrlehre, „denn durch sie lässt sich die Pandemie auf die elenden Lebensbedingungen zurückführen, welche die Apartheid hinterlassen hat.“. Und solange geglaubt wird, dass Anti- Aids -Medikamente Gift sind, die zum Genozid führen können, und die Schwarzen nur als Versuchskaninchen behandelt werden, sind natürlich die Hilfen aus dem Westen nur eingeschränkt möglich. Ein anderes Problem noch, viele Afrikaner sehen nicht ein, Präservative zu benutzen. Grill begegnet einen Jäger aus Tansania, der ihm sagt, Präservative eigenen sich besonders gut zum Abdichten des Gewehrlaufs, wenn man duch einen Fluss watet. Die Ursachen von Aids in Afrika sind eben auch sehr vielschichtet. Ich vermute mal, dass das Kondomverbot der Kirche gar nicht mal so einen großen Einfluss hat. So erzählt Grill, dass es in Afrika fortschrittliche Kirchenleute gibt, die den Unsinn des Vatikans ignorieren. Wie hirnverbrannt rückständig die Behauptung ist, Aids sein eine von Gott auf die Erde gebrachte Lustseuche, betont Grill mit einer Behauptung von Paracelsus, der im 16. Jahrhundert lehrte,
„der Allmächtige habe die Syphillis auf die geile Menschheit herniedergeschleudet.“ Detailliertere Informationen über Kirche und AIDS in Afrika wird in Grills Buch: "Gott Aids Afrika: Das tödliche Schweigen der katholischen Kirche" zu lesen sein.
Und ob das Überleben ursprünglicher Strukturen etwas Wünschenswertes ist sei auch dahingestellt. Grill beschreibt denn auch die irrwitzigen Initiationsrituale des Voodoo-Kultes oder die noch immer so weit verbreitete Beschneidung von Frauen (Dinge, die niemals nur metaphysischer Natur sind, sondern stets auch ein Instrument der (männlichen) Macht).
Ja, sicher. Weil Afrika übermäßig abergläubisch ist, frage ich mich natürlich auch, ob Afrika in dieser Sache im Mittelalter hängengeblieben ist. Im europäischen Mittelalter waren die Menschen auch noch viel abergläubischer, als es heute noch manche sind. Lesen konnten sehr viele auch damals nicht. Auch die Sache, dass manche glauben, wir wollen sie mit Aids-Medikamenten vergiften, scheint doch ein wenig rückständdig zu sein, zumindest großes Misstrauen gegenüber den Idustriestaaten, weil das sind ja die bösen Kolonialstaaten. Mir kommt es schon so vor, dass Afrika in dieser Beziehung rückständig ist. Es würde heute ja auch keiner sagen, Deutschland möchte die Welterobern, nur weil Hitler diesen Wahn hatte. Interesssant wäre es doch zu wissen, inwieweit medizinische Universitäten in Kontakt mit westlichen Forschungseinrichtungen stehen. In Afrika gibt es sicher aufgeklärte intelligente Leute, die Mehrheit vielleicht doch aber in verkrustete Denkstrukturen verharrt.
Liebe Grüße
mombour