Hallo!
Es stellt sich unter anderem auch die Frage, inwieweit eine solche Darstellung in der Ich-Form möglich, plausibel ist - woraus sich vielleicht ein Grund konstruieren lässt, warum sie so selten vorkommt.
Es ist zwar eine Tatsache, dass es nicht wenige, moralisch mediokre Menschen gibt, andererseits aber kaum jemand, der mit mit Stolz von sich selbst als einem Arschloch spricht. (Wenn denn doch, so hat dies häufig mit Renommieren und nicht mit einem wirklichen Stolz zu tun.) Im Gegenteil: Fast jeder Massenmörder, Diktator und Verbrecher findet eine Unzahl von Gründen, weshalb das im angelastete Verhalten nicht eigentlich böse, sondern in einem höheren Sinne gut oder zumindest als eine notwendige Reaktion verständlich ist. (Assad würde sich wahrscheinlich kaum als Mörder, vielmehr als Verteidiger der Ordnung oder ähnlich bezeichnen.) Deshalb also ist die Welt voller Menschen, deren sittliche Ausstattung als bescheiden bezeichnet werden kann, selten aber findet sich jemand, der in diesem seinem Tun "ich" sagt. Weshalb dies auch in der Literatur äußerst unglaubwürdig wirken würde, dieser Ich-Erzähler könnte zwar ein Verbrecher sein, er würde aber (der Glaubwürdigkeit wegen) sich selbst kaum als solchen bezeichnen können, sondern entweder als verrückt erscheinen oder aber als Heuchler und Sophist Assadscher Prägung.
lg
orzifar