Author Topic: Jürgen August Alt: Das Abenteuer der Erkenntnis  (Read 1459 times)

Offline orzifar

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Jürgen August Alt: Das Abenteuer der Erkenntnis
« on: 01. Februar 2012, 17.11 Uhr »
Hallo!

Ich mag solche leicht zu lesende philosophische Lektüre, in der man - zwischen viel Bekanntem - dann doch auch wieder Neues findet, geistreiche Überlegungen, witzige Gedanken. Und zu einem großen Teil erfüllt auch das vorliegende Buch diese Ansprüche.

Es ist eine Art Wissenschaftsgeschichte bzw. - wie der Titel verrät - eine des Erkenntnisvermögens. Alt schlägt den Bogen von den allerersten Lebewesen (die, um überleben zu können, bereits in irgendeiner Form Sinneseindrücke verarbeiten mussten) über die Anfänge wissenschaftlichen Denkens in Babylonien und Griechenland bis zur Jetztzeit. Aufgrund dieses sehr umfänglichen Programmes liegt es auf der Hand, dass so manches ein wenig zu kurz kommt und dass der Leser einige Male enttäuscht zurückbleibt, wenn er in Erwartung des Kommenden mit dem etwas plötzlichen Ende eines Kapitels konfrontiert wird. Allerdings kann man dem Autor nicht etwas vorwerfen (mangelnde Ausführlichkeit), das nicht in seiner Absicht lag.

Und so erfährt man auf verständliche (manchmal zu verständliche) Art und Weise einiges über diese Historie des wissenschaftlichen Menschen, Anekdotisches über das Schicksal der Vorkämpfer für die Vernunft, wird - wie in meinem Fall - an längst Vergessenes erinnert (konkret die Schwänzeltänze der Bienen betreffend). Ein wenig unangenehm berühren hingegen die Schlusskapitel, wenn Alt auf die Grundhaltungen des Menschen gegenüber dem Wissen wie auch auf die Schwierigkeiten des in unserer Gesellschaft institutionalisierten Lernens eingeht. Das wirkt allzu schulmeisterlich und in der Art einer Sonntagspredigt, wobei er selbstverständlich Recht hat mit seinen Ausführungen. Aber nicht alles, was richtig ist, muss ausführlich dargestellt werden und in Merksätzchen gegliedert.

Trotzdem ein durchaus lesenswertes, kurzweiliges Buch, unterhaltend, manchmal witzig - und nur selten ein wenig platt.

lg

orzifar
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