Noch jemand, der kein Pepys ist. Aber immerhin hat er ihn gekannt.

John Evelyn lebte zwischen 1620 und 1705. John Evelyn, Gentleman. Das beschreibt ihn schon gut. Finanziell unabhängig dank Vater und Großvater beschäftigt er sich mit Kunst, den Naturwissenschaften und Gartenbau. Wie dilettantisch oder professionell kann ich nicht beurteilen. Meine Vermutung neigt zum ersten, denn die Anzahl seiner Interessen war hoch.
Ein Leben lang führte er Buch über sein Leben. Über lange strecken sind das Aufzählungen all dessen, was er gesehen hat. Als 1641 der Bürgerkrieg losbrodelt, setzt sich Evelyn auf den Kontinent ab. Er hatte ja auch das richtige Alter für die obligatorische Kavaliersreise.
An seinen Aufzeichnungen in Italien fand ich vor allem interessant, was es zu seiner Zeit zu sehen gab und wie sich das mit meinen Italieneindrücken verglich.
Eindrücke schildert Evelyn nun nicht gerade. Er benennt die Gebäude und Kunstwerke und belegt sie mit den üblichen Ausdrücken der Bewunderung. Das liest sich wenig mehr mitreissend als ein Katalog. Aber er kann auch anders, leider lässt er das selten zu. Wenn er etwa eine jüdische Hochzeit oder Beschneidung berichtet, da zeigt sich doch, dass er nicht schlecht beobachtet und erzählt.
Seine Reisebegleiter werden kaum erwähnt. Da muss schon ein toller (Im Sinne von toller Hund) Captain Wray für Abenteuer sorgen, um aufgezeichnet zu werden.
Für Mitglieder dieses Forums ist vielleicht der Abstecher in die Schweiz unterhaltsam, inklusive Überquerung Simplonpass, Angst vor den kropfigen Bergbewohnern, die die Reisegesellschaft kurzerhand einsperren (dahinter steckt wieder eine Tollität Wrays) und Erleichterung im gesitteten Genf trotz Krankheit.
Ich bin jetzt im Jahre 1649. Evelyn war nach England zurückgekehrt, verschwindet aber nachdem Charles I geköpft wurde mit seiner jungen Frau nach Frankreich.