Author Topic: Nie war es herrlicher zu leben: Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ  (Read 1519 times)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 766
Hallo zusammen!

So zwischendurch hervorgeholt:

Nie war es herrlicher zu leben: Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ 1718 - 1784

Interessante Insider-Geschichten eines deutsch-französischen Adligen, der am französischen Hof kurz vor der Revolution Karriere macht / machen will / machen muss. Croÿ ist kein Kirchenlicht, sein Stil ist auch eher schlicht. Gerade das macht allerdings dieses Tagebuch interessant, auch wenn - zumindest in der von mir gelesenen Auswahl im Beck-Verlag - Croÿ sicher kein Pepys ist.

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 766
Natürlich lachen wir heute, wenn wir lesen, dass der französische Finanzminister der Epoche, Abbé Terray, ihm nach den Hochzeitsfeierlichkeiten für den Dauphin und die österreichische Prinzessin allen Ernstes versichert, dass der die Ausgaben des Hofs durchgesehen und keine Sparmöglichkeiten gefunden habe. Doch der Abbé wusste ebenso, dass von den vielen "unnötigen" Ausgaben auch viele Jobs abhängen, wie wir es heute ausdrücken würden, und dass solche Sparmassnahmen deshalb sehr unpopulär wären. Was den französischen Staat nicht daran hinderte, in einer ähnlichen Bredouille zu stecken wie aktuell der griechische: zu wenig Flüssiges, keine Kreditwürdigkeit mehr, zu hohe Zinsen auf dem Geldmarkt, Schuldenmacherei um alte Schulden tilgen zu können. (Der Abbé Terray war es übrigens, der m.W. als erster die These aufbrachte, dass ein Staat so alle 100 Jahre einmal Bankrott machen müsse, um seine Bilanz bereinigen zu können. Ein hochaktuelles Buch also!)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 766
Fertig. Durchaus zu empfehlen. Gut, Croÿ ist kein Pepys. Wohl schon von der Veranlagung her, aber auch von der gesellschaftlichen Situation her. Dann sind diese Tagebücher nur bedingt "geheim", im Gegensatz zu jenen Pepys', weil Croÿ sie von Anfang an für seine Nachkommen zur Erbauung und Belehrung geschrieben hat. Das Amüsante fehlt folglich so ziemlich. Da wird man wohl kaum notieren, dass man soeben der Magd ins Mieder gegriffen habe. Selbst wenn, was ich sogar bezweifle, Croÿ unter solchen Anfällen von Sinnlichkeit gelitten haben sollte.  :angel:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus