Ich habe es geschafft. Ich habe Don Quijote durchgelesen. Hätte ich es abgebrochen, wenn es nicht diesen Ruf hätte? Vermutlich.
Der zweite Teil ist keine Prügelorgie mehr. Auch die eingeschobenen Romanzen sind eingeschrumpft. Die beiden Helden sind nicht mehr nur närrisch und bauernschlau, sondern nebenher weise und gewitzt.
Nun scheitert Don Quijote nicht mehr an der Wirklichkeit, sondern wird von Personen von Stand vorgeführt, die ihm die Abenteuer inszenieren, um sich damit zu unterhalten. Da waren mir die Prügeleien tatsächlich lieber.
Der Autor gebärdet sich witzisch und spielt mir zu sehr mit der Illusion der Erzählung. Im zweiten Band spielt der erste eine Rolle, wurde von einigen Figuren gelesen und begründet den Ruhm des sinnreichen Junkers. Im Grunde ein nettes Vexierspiel, aber ich habe immer das Gefühl, der Autor habe keine Spiellust, sondern Darstellungsbedürfnis. Unterstützt wird das von den Seitenhieben auf jenen Autoren, der sich erdreistete, eine eigene Fortsetzung des Quijote zu schreiben. Souveränität in solchen Fällen findet meine Bewunderung eher als diese zänkischen Beschwerden. Sind sie der Eigenliebe geschuldet oder dem spanischen Stolz?
Insgesamt bin ich enttäuscht, kann aber nicht sagen, dass ich mich durch die Seiten prügeln musste. Aber um des Ruhmes gerecht zu werden, den dieses Buch hat, da hatte ich mir einfach mehr versprochen.
Und die Ausgabe von dtv klassik hat eines der furchtbarsten Nachwörter, die ich je gelesen habe. Schwulst und Wortgeklingel. Wer ist Fritz Martini?