Author Topic: John Steinbeck: Früchte des Zorns  (Read 5239 times)

Offline orzifar

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John Steinbeck: Früchte des Zorns
« on: 06. Januar 2012, 16.26 Uhr »
Hallo,

habe die ersten vier Kapitel mit Vergnügen gelesen. Sehr genaue, unprätentiöse Beschreibungen, ein einprägsam gezeichnetes Bild des us-amerikanischen Lebens auf dem Land, ohne Sentimentalität, ohne Klischees. Ich hatte das anders befürchtet, bisher aber erinnert das Buch an die guten Seiten von "Tortilla Flat", dessen lakonschen Stil, unaufgeregt, und doch (oder deshalb) eindrucksvoll.

Das Thema ist offenkundig: Die Industrialisierung Amerikas (des Mittelwestens, hier Oklahomas), der Verlust der Bindung an Höfe, das Land, anonyme Industriekonzerne und Konsortien als profitorientierte, unmenschliche Organisationen, die ohne Rücksicht auf den Einzelnen Profitmaximierung betreiben. Hier ist es vor allem die Einführung der Traktoren, die die Landwirtschaft wieder profitabel macht, sie aber zu einem industrialisierten Erwerbszweig verkommen lässt und auf sentimentale Beziehungen des Bauern zu seinem Land keine Rücksicht nimmt.

Seit Kapitel 5 werden die Hauptcharaktere des Buches sichtbar, ein ehemaliger Prediger, Joads Familie, die von ihrem Hof vertrieben wurde und ihr Glück im Westen sucht. Die Gefahr einer melodramatischen Darstellung steigt, wird aber bislang einigermaßen geschickt umgangen. Es sind gerade die kleinen Episoden, die das Buch lesenswert machen, Figuren wie der alternde Muley, der sich weigert, das Land zu verlassen und als Landstreicher zwischen den Baumwollfeldern lebt.

Die Sozialkritik Steinbecks ist offenkundig, was aber bei aller berechtigten Kritik bisher völlig fehlt, ist die Darstellung von Alternativen. Eine unrentable, anachronistische Landwirtschaft stirbt, Familien verelenden, Konzerne profitieren, können ohne alle Moral ihre Interessen vertreten, da sie gesichtslos agieren. Hier besteht die Gefahr einer Romantisierung der alten Erwerbsstrukturen, die diese nicht verdienen. Ich könnte mir vorstellen, dass der ehemalige Prediger eine Art Kollektiv organisiert und so gestalterisch auf die Zukunft einzuwirken versucht.

Die Moderne spricht auch im Buch eine andere Sprache: Immer wieder sind Kapitel in einer verkürzten, rationalisierten Sprache gehalten, jene Kapitel, die diesen Einbruch des New Deal repräsentieren. Kurze Sätze, Floskeln, die wie Sprache gewordene Gewinnmaximierung wirken.

lg

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Re: John Steinbeck: Früchte des Zorns
« Reply #1 on: 07. Januar 2012, 17.40 Uhr »
Hallo,

Steinbeck hat so einen natürlichen Stil. Man hat den Eindruck, ihm fliegen die Sätze einfach so heraus. Er beschreibt die Landschaft, und zeichnet die Dialoge, so wie es ist, ohne eine besondere Kunstsprache sich auszudenken.  Thomas Mann ist das krase Gegenteil. Die Sprache fließt einfach so herrlich dahin wie ein Fluss. Eins der Hauptthemen zu Beginn: Der Staub, die Dürre. Vom Staub leitet er ganz sacht über in die Welt der Menschen, die ja in diesem Lande in der Dürre leben. Der Staub hing in der Luft, die Menschen mussten ihre Fenster schließen. Das ist der Übergang zur Zivilisation. Solche sanften Übergänge mag ich. Tom Jaud kommt nach vier Jahren aus dem Gefängnis. Auch hier ist der Staub ein Thema, das getrocknete  Gras. Und dann hält sich Steinbeck mit einer Schildkröte auf, die Tom auf der Straße findet. Steinbeck schreibt so natürlich und ungekünstelt wie Mark Twain. Bei Twain war es der Kojote, hier die Schildkröte, deren sich Steinbeck erzählerisch detailliert widmet.Beim Gehen wirbelt Tom ein wenig Staub auf. Diese Kleinigkeiten, diese Beobachtungen, machen den Reiz des Lesens aus. Auch die Begegnung mit dem Prediger, der inzwischen kein Prediger mehr ist, ein einfacher natürlicher Mensch, der seine eigenen Gedanken zum Heiligen Geist entwickelt hat, ist eine sympathische Figur. Die Menschenleben so dahin und machen sich ihre eigenen Gedankenb über Gott und die Welt. Bezeichnend ist doch auch, dass Tom Jauds Beschreibung seiner Mordtat beim Prediger ziemlich gelassen ankommt. In diesem Land scheint man sich mehr über die Dürre sorgen zu machen, als über einen Mord, der eben auch mal leider passiert. Diese Art der Mentalität hat schon was.

Morgen lese ich einen größeren Schwung bis Kapitel zehn. Nach dem, was ich von Steinbeck gelesen habe, war er für mich immer ein angenehmer Autor, der so wunderbar dahin erzählen kann. In diesem Roman verhält es sich auch so.

Liebe Grüße
mombour
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Offline orzifar

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Re: John Steinbeck: Früchte des Zorns
« Reply #2 on: 11. Januar 2012, 19.24 Uhr »

Hallo,

ich habe mittlerweile etwa die Hälfte des Buches gelesen (Kapitel 18), die Joads haben eben Kalifornien erreicht, müssen aber noch die Wüste durchqueren. Ihre Träume haben sich ein wenig verflüchtigt, immer wieder mussten sie Erzählungen hören, die von den ungeheuren Schwierigkeiten des Auswanderer in diesem "goldenen Land" berichteten, keine Arbeit oder nur sehr schlecht bezahlt, gesellschaftlich ausgestoßen, verachtet. Hingegen bildet sich unter den vielen Auswanderern eine Art Solidarität, ein Gemeinschaftsgefühl (das, auf diese Weise beschrieben, Steinbeck in die Nähe kommunistischer Untriebe rückte, denn nichts ist den USA mehr verdächtig als Arbeiter, Gruppen, die auf Grundrechte pochen und nicht dem sozialdarwinistischen Tüchtigkeitsideal gehorchen), eine Zusammengehörigkeit, die für manche Unbillen und Schicksalsschläge entschuldigt.

Mehrmals habe ich gelesen (u. a. bei einem Schweizer Literaturkritiker), dass Steinbecks Schilderung melodramatisch oder sentimental sein würde, ein Vorwurf, den ich so bislang nicht bestätigen kann. Schicksale dieser Art "rühren" immer ein wenig, aber sie sind bedingt rührselig, wenn sie der Realität entsprechen (die denn da manchmal solche Eigenschaften hat). Die resignierte Verzweiflung, auch Hoffnung der Auswanderer erinnert mich an Gespräche mit afrikanischen Flüchtlingen, deren Schicksal vergleichbar (und ebenso real) ist; die ebenfalls unter kaum vorstellbaren Bedingungen, nach dem Tod von Angehörigen endlich irgendwo angekommen sind und nun von jeder Tätigkeit abgeschnitten und schon aufgrund ihres Äußeren mit Widerwillen betrachtet werden. Würde man deren Geschichte erzählen, so liefe man auch Gefahr, sich dem Verdacht der Melodramatik auszuliefern - aber dann ist dieser Vorwurf an die Wirklichkeit und nicht an den Geschichtenerzähler zu richten. Steinbeck jedenfalls übertreibt nach meinem Dafürhalten nicht, ich kann keinen bewussten Einsatz tränenfördernder Stilmittel feststellen, weder beim Tod des Großvaters noch bei der Trennung von den Wilsons. Mir scheint das eher die genaue Beschreibung eines solchen Auswandererschicksals zu sein.

lg

orzifar
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Re: John Steinbeck: Früchte des Zorns
« Reply #3 on: 14. Januar 2012, 19.21 Uhr »
Hallo,

habe das Buch letzte Nacht ausgelesen und nun eine Vermutung, warum dem Autor der Vorwurf der Melodramatik gemacht wurde. Die allerletzte Szene auf der allerletzten Seite lässt einen schalen Nachgeschmack zurück, hier hätte der Lektor eingreifen und dieses seltsame Schauspiel ersatzlos streichen müssen. Und überhaupt: Auch wenn ich keineswegs ein Freund von in sich geschlossenen Romanen bin und offene Enden schätze, so macht der vorliegende Schluss den Eindruck, als ob der Autor einfach nur zum Ende kommen wollte.

Davon abgesehen war ich positiv überrascht, es ist ein über weite Strecken sehr eindrucksvoller Bericht über die Verelendung des Bauernstandes in den USA aufgrund der Industrialisierung, aufgrund von Macht- und Kapitalkonzentration - eine Thematik, die - leider - immer noch Aktualität beansprucht, wenn sich auch der Ort des Geschehens in andere Länder verlegt hat. (Ich war oft an eine Dokumentation über Bauern in Westafrika erinnert, die aufgrund der EU-gestützten Gemüseexporte ihre Waren nicht mehr verkaufen konnten, sich auf abenteuerliche Wanderschaft in Richtung des gesegneten Europas begaben und genau dort, etwa in den Tomatenfabriken des südlichen Spaniens, unter grauenhaften Bedingungen jene Arbeit verrichteten, die sie um ihre Existenz gebracht hat.)

Dass Steinbeck wegen dieses Romans linksradikale Tendenzen nachgesagt wurden ist angesichts der im Buch geschilderten Problematik einer Definition der "Roten" eine Art Treppenwitz: Denn dort kommen die Personen zum Schluss, dass genau jener als "Roter" bezeichnet wird, der von seiner Arbeit zu leben wünscht. Diese vollkommen irrationalen Ängste der US-Amerikaner vor "linken" Tendenzen wurden vor und nach dem zweiten Weltkrieg von den Herrschenden instrumentalisiert, um der arbeitenden Bevölkerung jegliche Rechte vorzuenthalten, vor allem um einen Zusammenschluss zu Gewerkschaften zu verhindern. Dies ist das eigentliche Thema des Buches, die Erkenntnis, die der ehemalige Prediger Casy gewinnt: Nur gemeinsam sind wir stark, so lange man sich nicht solidarisiert, ist man den kaum greifbaren Mächten (dem Kapital) ausgeliefert. Denn dieses ist es, das die Preise diktiert, nicht die Farmer, die selbst unter dem Zwang stehen, bestimmte Löhne zu zahlen bzw. die Vorgaben der Konzerne zu akzeptieren, um ihre Waren noch absetzen zu können.

Manchmal werden allerdings auch sozialromantische Tendenzen sichtbar, vor allem dort, wo von der "tiefen Bindung" des Bauern zu seinem Land gesprochen wird. Diese Bindung ist (und war) fast immer rein ökonomischer Natur, die Rücksichtnahme auf die Natur nicht von einem tatsächlichen Respekt gegenüber der Umwelt getragen, sondern vom Nutzen, den man aus dieser Umwelt ziehen wollte. Paradigmatisch die Haltung gegenüber den Nutztieren: Hier stand - von wenigen Ausnahmen abgesehen - immer der Nutzen im Vordergrund; ich habe selbst kaum eine Berufsgruppe erlebt, die weniger Achtung vor dem Leiden einer Kreatur hatte, sondern dieses Leiden immer nur unter ökonomischen Aspekt betrachtet hat. Wie gesagt - mit Ausnahmen: Allerdings wurden solche Bauern, die im Vieh nicht ausschließlich den pekuniären Wert sahen, von den anderen zumeist belächelt oder einfach als geschäftsuntüchtig betrachtet.

Insgesamt ein sehr lesbarer Roman mit Schwächen (vor allem gegen das Ende zu), obschon ich die vielerorts erhobene Kritik der Melodramatik (oder gar des politischen Radikalismus) nicht teile.

lg

orzifar
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Re: John Steinbeck: Früchte des Zorns
« Reply #4 on: 27. Januar 2012, 16.59 Uhr »
Hallo mombour,

hast du fertiggelesen? bzw. wie ist's dir mit dem Buch ergangen?

lg

orzifar
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Re: John Steinbeck: Früchte des Zorns
« Reply #5 on: 27. Januar 2012, 18.02 Uhr »
Hallo

ich war und bin noch ziemlich trottelig langsam in meiner Geschwindigkeit, nein Schneckentempo. Wenn die Joads  nach Kalifornien ziehen, wird der Roman wie ein Roadmovie, der Roman zieht sich dann irgendwie so dahin, aber es ist doch nichts besonderes, was auf der Route 66 passiert. Jetzt wo sie kurz vor Kalifornien sind, wird es interessanter, denn jetzt geht es wirklich darum, warum John Steinbeck den Roman überhaupt geschrieben hat. Die Joads sind davon überzeugt, dass sie in Kalifornien sozusagen in ein Paradies treten, gute Arbeit, gutes Geld, begegnen aber unterwegs einen Mann, der dort eben restlos ausgebeutet worden ist zum Hungerlohn, seine große Enttäuschung schon hinter sich hat. Joad aber noch an seinem Ttaum vom Glück hängenzubleiben scheint. Dort bin ich gerade. Wenn ich jetzt zurückschaue, fällt mir auf, schon zwei Mal vorher ist im Roman angezweifwelt worden, dass man in Kalifornien besser leben kann als in Oklahoma. Die Joads scheinen nur einem Phantom hinterherzujagen, was sich dann in Luft auflösen wird.

Wenn wir mal nach Mark Twain schauen, der an einer Stelle geschildert hat, wie Menschen im Goldbergbau ausgebeutet wurden, so hat sich die  Masche, dass also die Großgrundbesitzer die sog niederen Arbeiter ausbeuten, in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts nicht geändert. Auch heute nicht. Schauen wir doch nach Deutschland: Dumpinglöhne gibt es immer noch, das Menschen, die für eine Zeitarbeitsfirma arbeiten, für die gleiche Arbeit weniger verdienen, als die Angestellten des Betribes, ist gang und gebe. Das in Deutschland auch noch von Leiharbeitern geredet wird, was ein anderes Wort für Slavenarbeiter ist, finde ich dann auch noch unverschämt. Zu allen Zeiten, seit es Zivilation gibt, gab es eben diese sozialen Unterschiede. Die einen haben was zu sagen, sahnen das Geld ab, die anderen haben ein schmales Portemonnaie. Solche Ungerechtigkeiten gab es schon immer, darauf Steinbeck wohl hinauis will. Der Kontrast zwischen arm und reich.

Ich gehe davon aus, dass  jetzt  in der zweiten Hälfte des Romans die  Spannung erst richtig losgeht.

Dass  der Großvater unterwegs stibt, ist an sich klar. Er wollte von Beginn ab nicht mitziehen, und war zu alt, um noch einmal von vorne zu beginnen. Darum ließ Steinbeck ihn sterben.

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 16. Februar 2012, 14.35 Uhr by mombour »
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Re: John Steinbeck: Früchte des Zorns
« Reply #6 on: 16. Februar 2012, 15.07 Uhr »
Hallo orzifar,

obschon ich die vielerorts erhobene Kritik der Melodramatik (oder gar des politischen Radikalismus) nicht teile.
lg
orzifar

Medodramatik ist das wahrlich nicht. Steinbeck hat sich geäußert, in den Camps von den Einwanderern habe sich noch viel schlimmeres ereignet, als es im Roman zu lesen ist. Steinbeck hat selbst so einen Treck nach Kalifornien begleite, um authentisch zu sein. Ein Vorwurf des politischen Radikalismus kann doch wohl nur aus der Industrie kommen, oder von der Seite der reichen Großgrundbesitzer. Radikal ist der Kapitalismus selbst, wie Steinbeck ihn in diesem Roman zeigt. Ein Trecker und ein Mann ersetzt zwölf oder vierzehn Familien. Also müssen diese Bauern weg, sie haben sowie so Schulden und können Schuldzins nicht bezahlen. Darum gehört der Bank das Geld und nicht den Landwirten, die ihr Leben lang auf den Feldern geschuftet haben. Steinbeck sagt, "Die Bank - das Ungeheuer." Die Bank sei viel mehr als der Mensch, weil die Bank sogar ein Ungeheuer ist, welches Profit braucht, um Leben zu können. Das deswegen viele Bauern in den Ruin und in die Demütigung gertrieben werden, indem sie ihre Heimat verlassen müssen, in Kalifornien nicht das Gelobte Land finden, sondern von Großgrundbesitzern ausgebeutet und gehasst werden, ist der Bank dann egal. Das erinnert an das heutige Griechenland. Die gruiechischen Banken bekommen Milliardengelder von der EU, das Volk bleibt arm und hat nichts davon. Daran muss doch etwas faul sein.

Für mich war die Lektüre anstrengend, wohl deshalb, weil der Roman sehr bitter ist ohne eine Spur von Humor. Humor, so sehe ich das jetzt, in diesem Roman auch nicht angebracht ist, weil es um den Raubkapitalismus geht. Das Ende ist rührselig, ja. Dieses Ende ohne Hoffnung soll auch zeigen, dass Steinbeck den Kapitalismus für gescheitert erklärt,viele Menschen auch heute in Armut und Abhängigkeit getrieben hat (Man denke, an die Landwirte besonders in ärmeren Ländern, die jedes Jahr neue Saat kaufen müssen, da das gentechnische Zeug nach einer Fruchtfolge kaputt geht, die Züchter teuer Lizenzgebühren an millionenschwere Agrarkonzerne zahlen müssen, weil das Saatgut patentiert ist). Der Roman wäre gute Lektüre für das EU-Parlament.

Die Brüchigkeit alter Traditionen ist auch das Thema des Romans. Der Prediger glaubt nicht mehr an die traditionellen christlichen Vorstellungen, sondern erfindet selber nach eigenem Geschmack. Der älteren Generation wird kein christliches Grab mehr gewährt, weil kein Geld da ist. Ein Grabhügel am Straßenrand, ein Armengrab.

Wie in "Tortilla Flat" vetritt Steinbeck wie auch Henry Miller in seinem Werk die wunderbare  Philosophie, dass der Mensch nicht vom materiellen Reichtum abhängig ist, um glücklich zu sein.

Quote from: Steinbeck
Wenn er 'ne Million Hektar braucht, um sich reich zu fühlen, so scheint's mir, er braucht sie, weil er in seinem Innern schrecklich arm ist.... (Kap. 18)

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 17. Februar 2012, 01.50 Uhr by mombour »
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