Hallo,
ein recht eigenwilliges Buch mit einer ebensolchen Geschichte. Die "Abenteuer des jungen Brideron" sind eine Satire auf Homer und im besonderen auf Fenelons "Die Abenteuer des Telemach". Homer war einer der Säulenheiligen, an den zu rühren ein Skandalon war. Und so hat Marivaux dieses Werk als junger, der Gruppe der "Modernes" (im Gegensatz zu den "Anciens") zuzurechnender Autor geschrieben, sich aber später als arrivierter Schriftsteller (und sich um einen Sitz in der Academie bewerbend) von diesem Buch distanziert. Es erschien nur in Holland, galt lange als Fragment (etwa ein Viertel des Romans war zugängig), bis in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine vollständige Ausgabe auftauchte, die erstmals 1956 veröffentlicht wurde.
Die Geschichte um Telemach wird ins Frankreich des 17. Jahrhunderts transponiert und spielt im bäurischen Milieu. Hauptsächlich war es Marivaux darum zu tun, den schon lächerliche Züge annehmenden Homer-Kult zu persiflieren, wobei Fenelons Buch nur zufällig zur Hauptzielscheibe wurde (Marivaux hat immer mit Hochachtung von Fenelon gesprochen). Dieser hat im übrigen in seinem Telemach erst jene Figur geschaffen, die uns heute als "Mentor" ein Begriff ist, während dieser Erzieher und Begleiter (Athene nimmt seine Gestalt an) bei Homer keine besondere Rolle einnimmt.
Bislang liest sich das Buch sehr gut, die "kräftige, derbe" Sprache, die allenthalben Erwähnung findet, verdient diese Bezeichnung (glücklicherweise) nicht, von derartigen Exzessen (a la Rabelais) bin ich zumeist wenig begeistert. Allerdings habe ich erst wenige Seiten gelesen.
lg
orzifar