Die "Strudelhofstiege" kommt schon noch. Es ist mir schon klar, dass auch der "Grenzwald" in ihren Dunstkreis gehört. Und es ist mir klar, dass letzterer ein Fragment geblieben ist. Was Doderer noch geändert hätte, wie er ihn beendet hätte, können wir ja nur ahnen. Denn seine Tagebuchnotizen, die in meiner Ausgabe zum Schluss angefügt worden sind, geben zwar Hinweise - aber, ob er sich daran gehalten hätte?
Was mich am "Grenzwald" irritiert, ist, dass es Doderer nicht gelingt, die disparaten Teile "Wien" und "Sibirien" zusammenzuheften. In den "Dämonen" bildet Wien - quasi als stumme Hauptfigur - die Klammer der v.a. zu Beginn ja auch disparaten Handlungsteile, zusammen vielleicht noch mit dem anfänglich als Ich-Erzähler auftretenden Sektionsrat von Geyrenhoff. Im "Grenzwald" fehlt die geografische Klammer ebenso wie die eines Ich-Erzählers, das Zusammenführen der Handlungsstränge aber konnte Doderer nicht mehr ausführen. Mir persönlich will der "Grenzwald" viel fragmentarischer und unvollendeter vorkommen, als es die Herausgeber meiner Ausgabe wahrhaben möchten; das ist es wohl, was meine Irritation begründet. Ich habe eigentlich mehr, Vollendeteres erwartet, als ich dann vorgefunden habe.