Hallo!
Im deutschen Fernsehen gab es eine Spielshow namens "Geh aufs Ganze", deren Aufbau jener, das "Ziegenproblem" konstuierenden Show glich. Eine sehr umfassende Darstellung hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ziegenproblem, man muss dabei nicht alle Varianten durchackern und lesen, sondern sich einfach die Grundkonstellation ansehen (und dann kurz innehalten und nachdenken, um die erste, offensichtliche Lösungsvariante wieder zu verwerfen

).
Dieses Buch nun nimmt dieses durchaus faszinierenden Problem zum Anlass für sein Geschriebenwerden: Aber nach gutem, witzigen Beginn häufen sich Ärgernisse (wenigstens solche, die ich in diesen Büchern so gar nicht aushalte): Fehler in den Formeln (bisher 4 an der Zahl) und ein Beispiel, das auch dem Autor nicht geheuer zu sein scheint und er ein wenig nebulös abbricht (es geht von falschen Voraussetzungen aus). Schließlich wird die Beweisführung für manche Wahrscheinlichkeitsberechnungen kompliziert und unübersichtlich und erinnert fatal an den formelhaft orientierten Mathematikunterricht an Oberstufen, die da nichts erklären, sondern Verfahren einfach auswendig lernen lassen. (Ich bilde mir schlicht ein, vieles aus diesem Buch einleuchtender darstellen zu können.)
Die Tippfehler in den Formeln sind fast so unverständlich wie jene in Programmierbüchern, wenn fehlerhafter Quellcode abgedruckt wird: Kann ich normale Tippfehler noch verstehen (denn das Verständnis leidet nicht unter einem kurzen oder langen i), so ist das in den anderen Fällen ein Hinweis darauf, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, das Beispiel durchzurechnen (oder den Quellcode nur ein einziges Mal zu kompilieren und auf Fehler zu überprüfen). Solche Dinge verleiden die Lektüre enorm, man sollte - wenn einem die Mühe des Rechnens schon so schwer fällt - dann auch auf alle Formeln verzichten. (Ich gehöre zu den Leuten, die auch in Romanen etwaige Rechnungen sofort im Kopf überprüfen.)
Und so habe ich dieses Buch schon ein paar Mal weggelegt, verärgert, um es nach einiger Zeit des Interesses an der Wahrscheinlichkeitsrechnung wegen wieder zur Hand zu nehmen. Dadurch wird es (da das Buch je länger je mehr mit Fehlern und Mühseligkeiten behaftet ist) zu einer fast unendlichen Lektüre. Dennoch: Die Beschäftigung mit dem Ziegenproblem ist in jedem Fall die Zeit wert und kann nur empfohlen werden.
lg
orzifar