Hallo!
Ein dünnes, leicht lesbares Buch, das zwischen nine eleven (nein, nicht der 11. September 1973, als die Amerikaner den Putsch gegen Allende unterstützten, in dessen Gefolge ein paar Tote mehr zu beklagen waren als 2001 - wenngleich: Tote sollte man nicht aufrechnen) und dem noch nicht begonnenen Irakkrieg geschrieben wurde. Eine Zeit, in der Prophet zu sein ein Leichtes war, weshalb auch alle von Bastian als wahrscheinlich erachteten Szenarien bald Realität wurden.
Der Buchtitel rekurriert auf eine Rede des damaligen Verteidigungsministers Struck, der den unzähligen kruden Formulierungen jener Zeit die der bedingungslosen Solidarität hinzufügte. Gegenüber einem solchen Nonsens 55 Gründe anzuführen (v. a. in Anbetracht der Politik eines George W. Bush) ist ein Leichtes: Man hätte ihnen noch einige mehr hinzufügen können. Bzw. es auch bei der Feststellung belassen können, dass eine solche Bedingungslosigkeit per se abzulehnen ist, weil Nibelungentreue jegliche intellektuelle Auseinandersetzung mit dem in Frage stehenden Problem verbietet.
Eine Paraphrasierung slso der Dummheit politischer Sprache - und wohl auch der Dummheit der Politiker selbst, wenngleich mir diese oft unglaubwürdig erscheint. Vielleicht aber mein persönliches Problem: Ich unterstelle weniger geistigen denn moralischen Kretinismus, es übersteigt meine Vorstellungskraft, dass man an Sätze und Überzeugungen von oft abgrundtiefer Blödheit glauben kann, auch wenn sie mit Verve und Beredsamkeit vorgetragen werden. Hier unterstelle ich einfach Opportunismus, das Ausspähen des eigenen (meist irgendwie ökonomischen) Vorteils. Andererseits bezweifle ich auch, dass mein nachbarlicher Guru tatsächlich an Engelwesen und die Wirksamkeit seiner ökologisch-natürlichen Kopulationsstimulanzien glaubt, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass bei aller Skepsis es allüberall Menschen gibt, an deren Überzeugung ich in dieser Hinsicht nicht zu zweifeln berechtigt bin. Offenbar mangelt es mir an Phantasie, die Dumm- bzw. Menschheit zu begreifen.
lg
orzifar