Author Topic: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens  (Read 7066 times)

Offline Anita

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Re: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens
« Reply #15 on: 11. Oktober 2011, 22.23 Uhr »
Und das ist das Problem der Psychoanalyse: Sie hilft, aber nicht immer. Und ich kann nicht vorhersagen, wann oder wem sie hilft.

Übertragbar auf viele Teilgebiete der gesamte Medizin, ist das jetzt gleichzusetzen damit, dass Medizin auch Hokuspokus ist? Bei lebendiger Materie kommt eben immer noch der individuelle Faktor hinzu, das hast du bei toter Materie natürlich nicht, deshalb wählt man als Wissenschaft meist nur die Physik, oder Mathematik, die ja im Grunde nur abstrakt ist. Sobald es aber lebendig wird, wird es eben schwieriger, und wenn man erst einmal Schwärme/Massen oder das Verhalten des DAX untersuchen möchte, dann strauchelt jede Wissenschaft und auch die meisten Rechner. Zurück zur Psychoanalyse, hier hat jeder seine eigenen Erfahrungen und Erinnerung, wie soll mir das helfen was dir hilft  ???

Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.  Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline sandhofer

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Re: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens
« Reply #16 on: 12. Oktober 2011, 20.04 Uhr »
Und das ist das Problem der Psychoanalyse: Sie hilft, aber nicht immer. Und ich kann nicht vorhersagen, wann oder wem sie hilft.

Übertragbar auf viele Teilgebiete der gesamte Medizin, ist das jetzt gleichzusetzen damit, dass Medizin auch Hokuspokus ist?

Ersteres habe ich irgendwo hier früher auch schon gesagt. Letzeres ist eine gute Frage ... im Grunde genommen ist ja noch immer jeder Arzt ein Medizinmann und macht Hokuspokus mit seinen Patienten, ja.  :angel:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Gontscharow

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Re: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens
« Reply #17 on: 12. Oktober 2011, 22.39 Uhr »
Quote from:  sandhofer, heute
Ich lese gerade mal wieder den guten alten Goethe.

Was? Schon Schluss mit Freud? Schade, denn ich wollte, nachdem du den Vorlesungen einen „Unterhaltungswert = 0“ bescheinigt hattest, gerade die Lektüre von Der Witz in seiner Beziehung zum Unbewussten und Totem und Tabu, zwei Texte von vor dem ersten Weltkrieg, anempfehlen, die ähnlich, wenn nicht gar unterhaltsamer sind als die Psychopathologie des Alltagslebens! Schade, denn orzifar läuft immer so zu rhetorischer Höchstform, einem wahren furor rhetoricus, auf, wenn Esoterik- und Humbugverdacht besteht! ;D Und gerade wollte ich Mombours und Anitas Hinweis auf die Neurobiologie unterstützen, einer exakten Wissenschaft, von der Freud ursprünglich herkommt, die er dann aber verlassen hat, weil sie damals noch nicht so weit war, und die nun schon seit einigen Jahren Erkenntnisse Freuds als physiologisch quantifizierbar bestätigt.  :teufel:
« Last Edit: 12. Oktober 2011, 23.18 Uhr by Gontscharow »

Offline orzifar

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Re: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens
« Reply #18 on: 13. Oktober 2011, 00.24 Uhr »
Hallo!

Der furor rhetoricus lässt sich doch nie nicht provozieren :) ... aber mal im Ernst: In der Geschichte der Hirnforschung (z. B. in dieser recht guten Zusammenstellung: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Hirnforschung), der Neurowissenschaften & Co suchst du den Namen Freud vergebens (Fußnoten nicht ausgeschlossen). Warum sollte er auch dort vermerkt sein? (Wiewohl ich mir recht sicher bin, dass mombour einige diesbezügliche Publikationen in petto hat ;.) (Ich habe ihn auf der Wiki auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Neurobiologie nicht gefunden, aber die Wiki ist zur Beweisführung natürlich auch nur bedingt tauglich.)

Und wenn ich schon wieder am Schreiben bin: Ganz so schlimm steht's um die Medizin nicht wie von Sandhofer beschrieben. Blinddarmoperationen sind ohne Ansehung der psychischen Verfasstheit der Person meist recht erfolgreich, ebenfalls arthroskopische Eingriffe im Kniebereich, bei Schweißfüßen und Hodenbruch ist's schon schwieriger und die friseurtechnischen Empfehlungen wirken je nach Beschaffenheit (oder Vorhandensein) des Haupthaares.

lg

orzifar

Aber nun nehm ich mir wirklich vor, auch den noch so eloquent und reizend vorgebrachten Aufforderungen nach einer Beitragsspende in diesem Thread nicht mehr Folge zu leisten ;) und vermute, dass ich damit der Hälfte der hier Mitlesenden einen Gefallen tun werde (@Gontscharow: Dir hat die Lektüre des "Witzes nebst Beziehungen ..." tatsächlich gefallen? - ich hab mich ausnehmend gelangweilt dabei).
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline mombour

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Re: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens
« Reply #19 on: 13. Oktober 2011, 03.55 Uhr »
Und gerade wollte ich Mombours und Anitas Hinweis auf die Neurobiologie unterstützen, einer exakten Wissenschaft, von der Freud ursprünglich herkommt, die er dann aber verlassen hat, weil sie damals noch nicht so weit war, und die nun schon seit einigen Jahren Erkenntnisse Freuds als physiologisch quantifizierbar bestätigt.  :teufel:


Hallo,

genau das sagt auch Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth, Freud habe aufgehört, sich damit zu beschäftigen, weil das Fach Neurobiologie noch nicht so weit wahr. Roth schildert die historischen Vorgänge um Freud und redet über Bewusstes und Unbewusstes, und was das mit dem Gehirn zu tun hat, Roth sagt sogar, wo man das Über-Ich im Gehirn findet. Wer sich durch das neurobiologische Fachvokabular nicht lesen will, der scrolle ganz hinunter zur Schlussbemerkung, in der Roth zusammenfasst, das Neurowissenschaft und Freud nicht mehr auf dem Kriegsfuß stehen  wie früher.

Hier der Vortrag von Gerhard Roth: Wie das Gehirn die Seele macht

Wir können es gerne so machen, dass ich zu diesem Thema ein Sachbuch vorstelle (im Winter). Vielleicht besteht ja jetzt Interesse.  ;D

Liebe Grüße
mombour,  der nicht im esoterischen rumwuselt ;D

« Last Edit: 13. Oktober 2011, 05.49 Uhr by mombour »
Thomas Hardy: Herzen in Aufruhr
Fernando Pessoa: Buch der Unruhe

Offline sandhofer

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Re: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens
« Reply #20 on: 13. Oktober 2011, 08.54 Uhr »
Hallo!

Quote from:  sandhofer, heute
Ich lese gerade mal wieder den guten alten Goethe.

Was? Schon Schluss mit Freud? Schade, denn ich wollte, nachdem du den Vorlesungen einen „Unterhaltungswert = 0“ bescheinigt hattest, gerade die Lektüre von Der Witz in seiner Beziehung zum Unbewussten und Totem und Tabu, zwei Texte von vor dem ersten Weltkrieg, anempfehlen, [...]

Keine Angst, ist im Moment nur eine Pause. Die beiden Texte, die Du nennst sollten im zweiten Band ebenfalls vorhanden sein. Ich habe sie allerdings vor Jahren schon mal gelesen. Im ersten sind sind ein paar gute antisemitische Witze, daran erinnere ich mich noch ...  >:D

Ganz so schlimm steht's um die Medizin nicht wie von Sandhofer beschrieben.

Natürlich habe ich übertrieben. Aber nur ein bisschen ...  >:D

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus