Hallo!
Ich denke, da sind zwei Dinge. Wenn ein ansonsten angesehener und rechtschaffener Physiker in seinem andern Leben stockkatholisch ist, dann kann ich das - wenn auch mit grosser Mühe, so doch - nachvollziehen. Und so lange er den Papst und den lieben Gott nicht unter seine Quarks mixt, interessiert mich seine private Meinung so wenig wie die Frage, ob denn nun Foucault Dark-Rooms besucht hat oder nicht.
Ein anderes ist die sog. Tiefenpsychologie, bei der ein nur lose auf Fakten basierendes Gedankengebäude, das in anderm Kontext auch als Religion hätte verkauft werden können, als Wissenschaft verkauft wird. Ich gebe zu, dass auch in der Schul-Medizin noch viele andere Verfahren auch nicht streng wissenschaftlich abgesichert sind. Wenn ich 3'000 Patienten die Substanz Z spritze, und 3'000 Patienten sterben dabei, dann ist es auch wissenschaftlich erhärtet, dass die Substanz Z ein hochwirksames, tödliches Gift darstellt. Wenn ich 3'000 Patienten die Substanz P spritze, und 1'500 davon geht es nachher besser, während die andern 1'500 keine Veränderung ihres Zustands spüren, dann ist wissenschaftlich erhärtet, dass ich genausogut eine Kochsalzlösung hätte spritzen können. Und das ist das Problem der Psychoanalyse: Sie hilft, aber nicht immer. Und ich kann nicht vorhersagen, wann oder wem sie hilft. Ich könnte also genausogut Kochsalz ... äh ... den bereits zitierten Friseur anwenden.
Grüsse
sandhofer