Hallo!
Anhand vieler Einzelporträts und kurzer Kapitel versucht Nicolson ein Bild der Aufklärung zu entwerfen, wobei auf knapp 500 Seiten natürlich nur Teilaspekte behandelt werden können. Und während Nicholson die Darstellung der Herrschergestalten sehr gut gelingt, kann man das für die Philosophen nicht immer behaupten; nicht nur fehlt der Platz, um diese eingehend darzustellen, auch scheint der Autor selbst nicht immer sicher zu sein, was er vom Betreffenden halten soll. Das ist etwa beim (anderswo) erwähnten Johnson der Fall, aber auch bei Wesley oder Paine. Bedeutet: Die Beschreibung widerspricht der eingangs oder ausgangs erwähnten Einschätzung.
Diese manchmal inhomogene, oft sehr persönliche Schreibweise ist aber gleichzeitig ein Positivum. So ist das nicht nur eine gelehrte Abhandlung, sondern auch ein Buch mit witzigen und originellen Beiträgen zu Rousseau oder den Enzyklopädisten, mit Abschweifungen, die englische oder französische Gärten in Beziehung zur Intellekutalität oder auch der Schwärmerei des Jahrhunderts setzt oder auch die irrationale Gegenbewegung zur Vernunft eines Cagliostro oder St. Germain beleuchtet. Das ist alles sehr lesenswert und kenntnisreich, auch wenn man dabei über Inkonsistenzen und Seltsamkeiten hinweglesen muss wie etwa dort, wo Nicolson mit einigem Abscheu sich über Wesleys Erziehungsmaximen, dass der Willen von Kindern durch Gewalt gebrochen werden muss, ergeht und ihn gleich anschließend als großen Geist und bedeutend im Sinne der moralischen Entwicklung des Jahrhunderts bezeichnet.
Insgesamt aber eine erfrischende Lektüre, keine profunde Analyse der philosophischen Strömungen, aber einiges an Hintergrundinformation mit Witz und Esprit geschrieben.
lg
orzifar