Author Topic: Johann Wilhelm Ludwig Gleim  (Read 1895 times)

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim
« on: 23. August 2011, 11.36 Uhr »
Hallo zusammen!

Vor mir liegt, in zwei dünnen Bändchen zusammengefasst, ein Ausgabe der Werke von Gleim. Witziges, weniger Witziges ... Seine Preußischen Kriegslieder in den Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier gelten als Vorläufer der politischen Dichtung, indem sie den damaligen preussischen König über jede und alle stellen. Für heutige Leser allenfalls literatursoziologisch und -historisch interessant - für mich also nicht so sehr. Seine Schäfergedichte ... nun ja - auch nicht mein Geschmack. Seine versifizierten Fabeln triefen von platt-aufklärerischem Pathos, aber doch nicht uninteressant.

Mehr folgt.

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sandhofer
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Offline sandhofer

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Re: Johann Wilhelm Ludwig Gleim
« Reply #1 on: 28. August 2011, 20.12 Uhr »
Hallo zusammen!

Gleim, der Schwätzer: Er hat Klopstocks Der Tod Adams versifiziert. Nun ist Klopstocks Stück schon im Original alles andere als ein bühnentaugliches Trauerspiel. Aber es wird doch von der Sprache gewissermassen getragen. Bei Gleims Überarbeitung entpuppen sich all' die Figuren sehr rasch als die Schwätzer, die sie im Grunde genommen sind. Kein Wunder, dass Klopstock Gleims Versifizierung gar nicht schätzte.

Gleim, der Anarchist: Neben den Preussischen Kriegsliedern hat Gleim ja vor allem in der Gattung der anakreontischen Gesänge brilliert. Ich habe bisher um dieses Genre immer einen kleinen Bogen beschrieben und bin jetzt von der anarchischen (oder anarchistischen?) Sprengkraft überrascht, die in diesen Gedichten bei Gleim immer mal wieder hervorblitzt. In etwa nach dem Motto: Andere mögen in den Krieg ziehen, ich ziehe Wein, Weib und Gesang (vor allem die ersten beiden) vor; denn: das richtige Leben hat man(n) nicht als Kriegsheld gelebt, sondern als Liebling von Bacchus und Venus. Gleim als der Urvater der Flower Power Bewegung: Make love, not war.  O0

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sandhofer
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