Ich habe letztens "Jedermann" von Philip Roth gelesen, in dem der Protagonist bereits zu Beginn des Buches tot ist und zu Grabe getragen wird. Erst danach wird die Geschichte seines Lebens erzählt, das bereits früh von Krankheit und körperlichen Gebrechen geprägt ist, von sexuellen Obsessionen, vom Scheitern als Ehemann und Vater, und schließlich vom Älterwerden und der Trostlosigkeit, der Trauer und der Einsamkeit im Alter, wenn der körperliche Verfall einsetzt, Freunde und ehemalige Kollegen sterben und ihm bewusst wird, dass auch er bald sterben wird.
"Jedermann" hat mir schon ein wenig Angst vorm Älterwerden gemacht. Was man hier zu lesen bekommt, ist kein optimistischer Ausblick aufs Alter, auf einen möglichen "zweiten Frühling" unter dem Motto "Aktiv im Alter", sondern die Schilderung eines Mannes, der im Laufe seines Lebens einiges erreicht hat, jedoch am Ende erkennen muss, dass er gescheitert ist, seine Ehen zerstört hat, seine Söhne, die keinen Kontakt zu ihm haben wollen, verloren hat und schließlich einsam, alt und krank auf seinen Tod zusteuert. So heißt es treffend im Buch: "Das Alter ist kein Kampf, das Alter ist ein Massaker."
Auch wenn sich das alles sehr bedrückend anhören mag - das Buch hat mir sehr gut gefallen.

Viele Grüße
Stefan