Hallo!
Es hat sich nicht wirklich viel geändert bis zum Schluss des Buches. Eine relativ ungeordnete Faktensammlung wie die Rückseite eines Teppichs, allüberall Fäden, aber kein Gesamtbild, wenig Struktur, viel zu viele Detailinformationen; jeder Besuch im Ritz wird genau dokumentiert, die Teilnehmer gelistet, Trinkgelder und Speisenfolge vermerkt, aber das Beispielhafte solcher Beschreibungen verliert sich in den Aufzählungen.
Es gibt Biographien (zugegeben wenige), die zu fesseln verstehen, die aus dem Wust von Daten ein Ganzes zu machen verstehen. Diese gehört keinesfalls dazu, das ist bestenfalls ein Nachschlagewerk - nicht mehr. Ich hatte den Eindruck, als ob Hayman recht wenig mit dem Werk Prousts anfangen könne, dort, wo er sich auf die Recherche einlässt, bleiben seine Interpretationen seltsam steril, wie abgeschrieben, die Genauigkeit der sprachlichen Bilder, die psychologische Genauigkeit, mit der alle kleinen und kleinsten Bewegungen des Geistes beschrieben werden, scheinen ihm verborgen zu bleiben. Obschon es in einer Biographie nur eingeschränkt notwendig ist, das Werk zu interpretieren - dies ist eine andere Aufgabe denn die bloße Lebensbeschreibung. Aber alles, was Hayman anfasst, bleibt eben Stückwerk, einige Seiten interessant, dann wieder Aufzählungen, die ihre Berechtigung einzig aus der zeitlichen Abfolge des Lebens herleiten, ansonsten aber von beachtlicher Bedeutungslosigkeit sind.
Eine gute Proust-Biographie zu schreiben bleibt also der Zukunft vorbehalten, Tadie verfährt in seinem Buch ähnlich, wobei dieser noch sich psychoanalytischer Deutungsmuster bedient, die hochgradig lächerlich erscheinen. Wieder auf Painter zurückgreifen, dem aber nachweislich einige wichtige Quellen nicht zur Verfügung standen? Mal sehen ...
lg
orzifar