Author Topic: Platon: Apologie des Sokrates - Kriton  (Read 9674 times)

Offline sandhofer

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Re: Platon: Apologie des Sokrates - Kriton
« Reply #15 on: 22. Juli 2011, 19.15 Uhr »
Der aktuelle Fall des entführten Bankierssohnes zeigt das für unsere Zeit - und diese Argumentation kann man auch der sokratischen zugrunde legen.

Ich bin äusserst unaktuell - worum geht es?  ???
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

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Re: Platon: Apologie des Sokrates - Kriton
« Reply #16 on: 22. Juli 2011, 23.53 Uhr »
Der aktuelle Fall des entführten Bankierssohnes zeigt das für unsere Zeit - und diese Argumentation kann man auch der sokratischen zugrunde legen.

Ich bin äusserst unaktuell - worum geht es?  ???

Ist unaktuell (falsche Wortwahl meinerseits), glaubte den Fall aber allgemein bekannt. 2003 wurde der Bankierssohn Jakob Metzler entführt, der mutmassliche Entführer bald darauf gefasst. Ein Polizeibeamter versuchte ihm unter Androhung von Gewalt (in der Hoffnung, den Jungen lebend zu finden) den Ort abzupressen, an dem dieser versteckt sei (er war aber zu diesem Zeitpunkt bereits tot).

Der Polizist wurde später verurteilt, des Täters Einspruch am Europäischen Menschrechtsgerichtshof abgewiesen.

lg

orzifar
« Last Edit: 23. Juli 2011, 00.00 Uhr by orzifar »
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

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Re: Platon: Apologie des Sokrates - Kriton
« Reply #17 on: 23. Juli 2011, 07.27 Uhr »
Hallo!

Ach so - jetzt erinnere ich mich. Wohl wahr. Die feinen graduellen Unterschiede. In grösserem Massstab die Frage, ob die USA in ihren Gefängnissen vermeintliche oder echte Terroristen foltern dürfen, um an Informationen zu kommen. Wo dann aber sofort die weitere Dimension allgemeiner Menschenrechte hinzukommt, die m.W. erst die Aufklärung entdeckt hat: Selbst nach den Gesetzen eines Landes erlaubte Praktiken verstossen u.U. gegen übergeordnete Grundsätze. Noch einen Schritt weiter, wo wir dann wieder auf Sokrates ethische Ansprüche stossen: Darf eine Regierungschefin eines demokratischen Landes (und dann noch mit den Wurzeln in einer Partei, die das "C" in ihrem Namen führt) sich über den Tod eines Menschen freuen? Selbst wenn der der ärgste und aktivste Gegner all dessen war, wofür sich diese Regierungschefin und ihr Land im übrigen einsetzen?

Sokrates hätte all diese Fragen wohl verneint.

Grüsse

sandhofer
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