Author Topic: Nelson Goodman, Sprachen der Kunst  (Read 8933 times)

Offline Bartlebooth

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Nelson Goodman, Sprachen der Kunst
« on: 15. Juli 2009, 09.00 Uhr »
Nelson Goodman ist ein amerikanischer Philosoph, der sich in seinem Hauptwerk - den "Sprachen der Kunst" von 1968 - mit dem Entwurf einer allgemeinen Symboltheorie beschäftigt hat. Beeinflusst ist er stark von streng logischen und positivistischen Sprachphilosophen wie Rudolf Carnap.

In den "Sprachen der Kunst" geht es darum, zunächst das Wesen der Repräsentation zu analysieren. Goodman räumt dabei mit dem verbreiteten Vorurteil auf, Repräsentation habe irgendetwas mit Ähnlichkeit zu tun. Vielmehr konzentriert er sich auf die Begriffe der Denotation, d.h. auf die - konventionalisierte - Verweisstruktur einer Repräsentation, und der Exemplifikation, d.h. auf Eigenschaften, die den Symbolen inhärent sind oder mit denen sie konventionalisiert und veränderlich in Verbindung gebracht werden.

In einem weiteren, terminologisch sehr ausufernden, Schritt geht er dann auf die Erfordernisse von Symbolsystemen und Symbolschemata ein. Ein Symbolschema ist etwa das Alphabet, während ein Symbolsystem z.B. die deutsche Sprache darstellt. Um als Notationssystem (wie z.B. die Notenschrift eines ist) gelten zu können, müssen die Schemata bestimmte syntaktische Regeln erfüllen, also Regeln, die sich auf die interne Kombination der einzelnen Charaktere (z.B. Buchstaben) beziehen. Für das Symbolsystem gilt Analoges auf der semantischen Ebene, also auf der Ebene, die die Symbole mit ihren Referenzgegenständen verbindet. Das ist alles ziemlich komplex, manchmal erscheint es mir auch übertrieben komplex. Goodman hat außerdem die Marotte, sich ständig in alle Richtungen abzusichern und durch seine Tausende von Beispielen auch geneigte Leser irgendwann ganz schummrig im Kopf zu machen.

Ganz simplifiziert ausgedrückt, müssen Notationssysteme vor allem eindeutig sein, es darf keine Überschneidungen geben, weder in der Bedeutung, noch in den Kombinationsregeln. Die Eindeutigkeit unterteilt Goodman in fünf Teilaspekte, die ich bei Bedarf hier gern aufzähle und diskutiere.

Interessant ist, dass er mit Hilfe dieses Instrumentariums am Ende des Buches versucht, Ästhetik neu zu definieren. Er macht für sie vier Merkmale aus, die nicht alle gemeinsam auftreten müssen (was die Nachvollziehbarkeit und interne Gewichtung seiner Theorie ziemlich erschwert), aber dennoch einen Gegenstand umso ästhetischer werden lassen, je stärker sie vorhanden sind. Zum einen geht es um syntaktische und semantische Dichte, das heißt fließende Übergänge zwischen Charakteren. Es geht darum, dass, je klarer der Bezugsrahmen für ein bestimmtes Symbol ist, er desto weniger ästhetisch ist (Merkmal der syntaktischen Fülle). Schließlich neigt die Kunst symbolisch gesehen eher zur Exemplifikation als zur Denotation.

Die strikte Logik, mit der Goodman ans Werk geht, ist manchmal etwas ermüdend und wirkt leider sehr häufig auch ungeordnet. Außerdem geht er fast nur analytisch und kein bisschen synthetisch vor. Die Merkmale für Notationssysteme auf einen Begriff heruntergebrochen, habe z.B. ich selbst, nicht Goodman. Er selbst lässt den Leser mit einer Fülle von Begriffen, die leider auch durch das Stichwortverzeichnis nicht handhabbarer werden, ein bisschen im Regen stehen. Zusammenführende Passagen oder gar Kapitel fehlen vollständig.

Mir persönlich ist das große Ganze während der Lektüre ein bisschen aus dem Blick geraten. Nichtsdestoweniger kann man seine analytisch gewonnenen Kriterien sicherlich gut als Arbeitshypothesen verwenden, wenn sie auch dazu tendieren, ineinander zu fließen. Aber Sprache ist eben kein Notationssystem.
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Offline sandhofer

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Re:Nelson Goodman, Sprachen der Kunst
« Reply #1 on: 15. Juli 2009, 09.46 Uhr »
Wenn ich das richtig verstehe, definiert oder beschreibt Goodman hier etwas (Symbol oder Notation, das ist mir noch nicht ganz so klar), um dann festzuhalten, dass Ästhetik bewusst darauf verzichtet bzw. bewusst das Gegenteil von dem tut, war für eine Kommunikation wichtig ist?

Es geht darum, dass, je klarer der Bezugsrahmen für ein bestimmtes Symbol ist, er desto weniger ästhetisch ist (Merkmal der syntaktischen Fülle).

Ich neige zu bösartigen Exemplifikationen: "Mein Schreibtisch!" wäre demnach recht wenig ästhetisch - "Mein lieber Gott!" hingegen ein äusserst ästhetischer Ausruf, oder?
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Offline Bartlebooth

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Re:Nelson Goodman, Sprachen der Kunst
« Reply #2 on: 15. Juli 2009, 09.58 Uhr »
Naja, dein Beispiel ist natürlich ein trickreiches und wird so von Goodman natürlich auch nicht verwendet. Denn ob der Bezugsrahmen bei "Gott" klar oder unklar ist, ist eine heikle Ansichtssache. Aber die Tendenz, die du auszudrücken versuchst, verstehe ich und das ist ganz klar so. Ob man dem folgen will und kann? "Ich liebe dich" ist vielleicht der Satz mit dem unklarsten bezug, durch seine häufige Verwendung ist er aber irgendwie wenig poetisch, seine Semantik ist nicht tief, sondern einfach nur verwaschen. Da Goodmans Thema die Ästhetik aber nur streift, kann man ihm (schlauer Fuchs, der er ist) auch hieraus keinen wirklichen Vorwurf machen. Das wäre aber sicher bei einem Ausbau seiner Methode für die Ästhetik zu leisten: Eine Abgrenzung von ästhetischer Reichhaltigkeit und Exemplifikation.

Der Produktionsprozess (Bewusstsein, wie du sagst) spielt bei ihm übrigens keine Rolle, soweit ich mich erinnere. Aber implizit stimmt es schon, dass sich eine ästhetische Äußerung nicht aus klarer Denotation ergibt.
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Offline orzifar

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Re:Nelson Goodman, Sprachen der Kunst
« Reply #3 on: 15. Juli 2009, 14.05 Uhr »
Hallo Bartlebooth,

Quote from: Bartlebooth
In einem weiteren, terminologisch sehr ausufernden, Schritt geht er dann auf die Erfordernisse von Symbolsystemen und Symbolschemata ein. Ein Symbolschema ist etwa das Alphabet, während ein Symbolsystem z.B. die deutsche Sprache darstellt. Um als Notationssystem (wie z.B. die Notenschrift eines ist) gelten zu können, müssen die Schemata bestimmte syntaktische Regeln erfüllen, also Regeln, die sich auf die interne Kombination der einzelnen Charaktere (z.B. Buchstaben) beziehen. Für das Symbolsystem gilt Analoges auf der semantischen Ebene, also auf der Ebene, die die Symbole mit ihren Referenzgegenständen verbindet. Das ist alles ziemlich komplex, manchmal erscheint es mir auch übertrieben komplex. Goodman hat außerdem die Marotte, sich ständig in alle Richtungen abzusichern und durch seine Tausende von Beispielen auch geneigte Leser irgendwann ganz schummrig im Kopf zu machen.

Aus Symbolsystemen bzw. -schemata werden also aufgrund von semantischen bzw. syntaktischen Regeln Notationssysteme, wobei diese Regeln irgendwie "ausschließenden" Charakter besitzen müssen, um die Eindeutigkeit zu gewährleisten. Das würde bedeuten, dass Notationssystem zur Denotation neigen (und nebenher die Frage, ob Goodman zwischen Exemplifikation und Konnotation unterscheidet oder beide synonym verwendet?).

Quote from: Bartlebooth
Es geht darum, dass, je klarer der Bezugsrahmen für ein bestimmtes Symbol ist, er desto weniger ästhetisch ist (Merkmal der syntaktischen Fülle). Schließlich neigt die Kunst symbolisch gesehen eher zur Exemplifikation als zur Denotation.

Kann man daraus schließen, dass ein "ideales" Notationssystem Kunst unmöglich machen würde? Kunst also würde umso ästhetischer, desto mehr Interpretationsmöglichkeiten sich anhand eines Kunstwerkes eröffnen (wobei ich das persönlich für eine zumindest ein wenig gefährliche These hielte, da damit einer ausufernden Metaphorik und Verschwommenheit das Wort geredet würde), außerdem schiene der Wert eines Kunstwerkes von der Kreativität seiner Beurteiler abhängig.

Mein Problem mit solchen Theorien, Büchern besteht meist darin, dass Begriffe wie Denotation zur Exemplifikation neigen, also einer klaren Definition ermangeln. (Unter Denotation versteht man ja die Beziehung eines Begriffes bzw. die Subsumption unter eine intensional umschriebene Einheit; wenn etwa x eine Eigenschaft y besitzt, die sie zur Gruppe aller A zählen lässt ---> A denotiert x. Zum anderen ist - meines Wissens - Denotation einfach nur eine möglichst klare Grundbedeutung eines Begriffes). Möglicherweise verwendet Goodman ja intern eine ganz eindeutige Begrifflichkeit (definieren Carnap und Frege gleich?; im übrigen verstehe ich das Schummrigwerden bei solchen Büchern nur allzu gut ...), aber in meinem Wunsch nach Klarheit steigt meine Verzweiflung meist mit zunehmender Seitenzahl.

lg

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Offline Bartlebooth

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Re:Nelson Goodman, Sprachen der Kunst
« Reply #4 on: 15. Juli 2009, 14.16 Uhr »
Aus Symbolsystemen bzw. -schemata werden also aufgrund von semantischen bzw. syntaktischen Regeln Notationssysteme, wobei diese Regeln irgendwie "ausschließenden" Charakter besitzen müssen, um die Eindeutigkeit zu gewährleisten. Das würde bedeuten, dass Notationssystem zur Denotation neigen (und nebenher die Frage, ob Goodman zwischen Exemplifikation und Konnotation unterscheidet oder beide synonym verwendet?).

Goodman verwendet den Begriff "Konnotation" überhaupt nicht, aber was man landläufig unter Konnotation versteht, fällt meines Erachtens sehr wohl unter den Begriff der Exemplifikation.
Deine erste Bemerkung ist ganz genau richtig. Disjunktheit ist Zuordenbarkeit zu einem bestimmten Charakter und Differenzierung ist eine Abgrenzung ohne fließende Übergänge (diese bezeichnet Goodman als "dicht").

Kann man daraus schließen, dass ein "ideales" Notationssystem Kunst unmöglich machen würde? Kunst also würde umso ästhetischer, desto mehr Interpretationsmöglichkeiten sich anhand eines Kunstwerkes eröffnen (wobei ich das persönlich für eine zumindest ein wenig gefährliche These hielte, da damit einer ausufernden Metaphorik und Verschwommenheit das Wort geredet würde), außerdem schiene der Wert eines Kunstwerkes von der Kreativität seiner Beurteiler abhängig.

Man müsste für Goodman wohl eher umgekehrt argumentieren. Er unterscheidet ja zwischen autographischen und allographischen Künsten. Autographische Künste, die ihrem Charakter nach langlebig und von einer einzelnen Person hergestellt sind, eignen sich nicht für Notationen, allographische Künste schon, da sie dafür gemacht sind, von anderen Personen als dem Schöpfersubjekt immer wieder neu aufgeführt zu werden. Beispiele für allographische Künste sind bei Goodman z.B. die Musik oder das Drama.
Goodman verbindet mit seiner Definition des Ästhetischen ausdrücklich keine Kategorie des Wertes. Dass etwas ästhetisch ist, heißt noch nicht automatisch, dass es wertvoll ist. Goodman ist rein analytisch und umreist die Sphäre dessen, was grundsätzlich als künstlerisch betrachtet wird.

Mein Problem mit solchen Theorien, Büchern besteht meist darin, dass Begriffe wie Denotation zur Exemplifikation neigen, also einer klaren Definition ermangeln. (Unter Denotation versteht man ja die Beziehung eines Begriffes bzw. die Subsumption unter eine intensional umschriebene Einheit; wenn etwa x eine Eigenschaft y besitzt, die sie zur Gruppe aller A zählen lässt ---> A denotiert x. Zum anderen ist - meines Wissens - Denotation einfach nur eine möglichst klare Grundbedeutung eines Begriffes).

Für Goodman ganz klar zweiteres. Deine erste Definition sieht wie Exemplifikation aus. Hier geht es um Eigenschaften und Ähnlichkeiten. Doch Denotation hat nichts mit "Ähnlichkeit" zu tun. Denotieren können sich auch einander vollkommen unähnliche Symbole.

Möglicherweise verwendet Goodman ja intern eine ganz eindeutige Begrifflichkeit (definieren Carnap und Frege gleich?; im übrigen verstehe ich das Schummrigwerden bei solchen Büchern nur allzu gut ...), aber in meinem Wunsch nach Klarheit steigt meine Verzweiflung meist mit zunehmender Seitenzahl.

Möglicherweise. Da sie mir ein bisschen zu kleinteilig ist, und ich daher ein bisschen den Überblick verloren habe, kann ich das nicht mit Bestimmtheit sagen.
Und auch bei Frege, den ich nie gelesen habe, muss ich leider passen.
« Last Edit: 15. Juli 2009, 17.18 Uhr by Bartlebooth »
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Offline orzifar

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Re:Nelson Goodman, Sprachen der Kunst
« Reply #5 on: 15. Juli 2009, 14.38 Uhr »
Hallo Bartlebooth,

nur kurz, offensichtlich haben wir alle im Moment viel zu wenig Lesezeit :-(.

Quote from: Bartlebooth
Goodman verbindet mit seiner Definition des Ästhetischen ausdrücklich keine Kategorie des Wertes. Dass etwas ästhetisch ist, heißt noch nicht automatisch, dass es wertvoll ist. Goodman ist rein analytisch und umreist die Sphäre dessen, was grundsätzlich als künstlerisch betrachtet wird.

Das Außenvorlassen jeglicher Wertung (ich bin ja immer schnell beim Klassifizieren in gut und schlecht) macht das Ganze für mich nun verständlicher, ist auch ein sehr interessanter Ansatz. Die Ästhetik also als bloße Potenz eines Notationssystems, eine Potenz, die umso größer ist, je weniger eindeutig die Beziehung zwischen Symbol und Referenzgegenstand ist. Je genauer in einem Notationssystem die Zuordnungen erfolgen, desto unmöglicher wird Kunst (Ästhetik)?

Dein Beispiel der Notenschrift: Die Noten selbst als Symbolschema, das übergeordnete Symbolsystem die Harmonielehre(?). Je starrer die Regeln des letzteren, desto geringer die ästhetische Potenz. - Erwähnt Goodman auch die Mathematik bzw. deren Symbole als Symbolschema? Die Kombinationsmöglichkeit der verschiedenen math. Symbole aufgrund weniger Axiome wären dann das Symbolsystem, wobei es mit der Ästhetik allerdings aufgrund der weitgehenden Eindeutigkeit nicht weit her wäre. (Obschon ich eindeutig zu denjenigen gehöre, die der Mathematik ein großes ästh. Potential zubilligen, ich empfinde so manche Formeln als auch Auflösungen als "schön").

Quote from: orzifar
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Quote from: Bartlebooth
Für Goodman ganz klar zweiteres. Deine erste Definition sieht wie Exemplifikation aus. Hier geht es um Eigenschaften und Ähnlichkeiten. Doch Denotation hat nichts mit "Ähnlichkeit" zu tun. Denotieren können sich auch einander vollkomen unähnliche Symbole.

Hm, nachgeschlagen, die Metzlerdefinition behauptet ersteres: "In der semantischen Theorie der Namen wird der Terminus D. gleichbedeutend mit "extensionaler Bedeutung" gebraucht. Unter der D. versteht man das Verhältnis eines Begriffes zur Entität, worauf dieser Ausdruck referiert. Bei prädikativen Ausdrücken besteht die D. aus den einzelnen Gegenständen, denen der Ausdruck zukommt." Und die Extension eines Begriffes ist ja hinwiederum die Menge aller Elemente, die unter dem Begriff subsummiert werden können.

Wie erwähnt: Gerade weil Begriffe einen starken Hang zur Exemplifikation besitzen, fällt es (mir) oft schwer, die Gedankengänge solcher Theorien exakt nachvollziehen zu können.

Liebe Grüße und eine ruhige, leseintensive Zeit

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Offline sandhofer

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Re:Nelson Goodman, Sprachen der Kunst
« Reply #6 on: 15. Juli 2009, 16.43 Uhr »
Je genauer in einem Notationssystem die Zuordnungen erfolgen, desto unmöglicher wird Kunst (Ästhetik)?

Das ist der eine Pol. Der andere aber wäre doch, dass, je ungenauer die Zuordnung, desto ästhetischer das Resultat. Sprich: Mehr Wischi-Waschi = mehr Ästhetik. Da wird mir Goodmans Modell doch zu eindimensional.

Frege, so weit ich mich erinnere, definiert prinzipiell ähnlich wie Goodman. Nur dass ihm die Ästhetik kein Problem war. Allerdings wird, wenn man Frege auf Ästhetik / Kunst anwendet, so was ähnliches wie Goodman herauskommen müssen.
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Offline orzifar

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Re:Nelson Goodman, Sprachen der Kunst
« Reply #7 on: 16. Juli 2009, 01.15 Uhr »
Je genauer in einem Notationssystem die Zuordnungen erfolgen, desto unmöglicher wird Kunst (Ästhetik)?

Das ist der eine Pol. Der andere aber wäre doch, dass, je ungenauer die Zuordnung, desto ästhetischer das Resultat. Sprich: Mehr Wischi-Waschi = mehr Ästhetik. Da wird mir Goodmans Modell doch zu eindimensional.

Ja, halte ich auch für problematisch. Deshalb schrieb ich oben "Kann man daraus schließen, dass ein "ideales" Notationssystem Kunst unmöglich machen würde? Kunst also würde umso ästhetischer, desto mehr Interpretationsmöglichkeiten sich anhand eines Kunstwerkes eröffnen (wobei ich das persönlich für eine zumindest ein wenig gefährliche These hielte, da damit einer ausufernden Metaphorik und Verschwommenheit das Wort geredet würde), außerdem schiene der Wert eines Kunstwerkes von der Kreativität seiner Beurteiler abhängig." Ich stehe solchen Theorien wegen der Schwierigkeiten bei den Begriffsdefinitionen sehr skeptisch gegenüber.

lg

orzifar
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