Nelson Goodman ist ein amerikanischer Philosoph, der sich in seinem Hauptwerk - den "Sprachen der Kunst" von 1968 - mit dem Entwurf einer allgemeinen Symboltheorie beschäftigt hat. Beeinflusst ist er stark von streng logischen und positivistischen Sprachphilosophen wie Rudolf Carnap.
In den "Sprachen der Kunst" geht es darum, zunächst das Wesen der Repräsentation zu analysieren. Goodman räumt dabei mit dem verbreiteten Vorurteil auf, Repräsentation habe irgendetwas mit Ähnlichkeit zu tun. Vielmehr konzentriert er sich auf die Begriffe der Denotation, d.h. auf die - konventionalisierte - Verweisstruktur einer Repräsentation, und der Exemplifikation, d.h. auf Eigenschaften, die den Symbolen inhärent sind oder mit denen sie konventionalisiert und veränderlich in Verbindung gebracht werden.
In einem weiteren, terminologisch sehr ausufernden, Schritt geht er dann auf die Erfordernisse von Symbolsystemen und Symbolschemata ein. Ein Symbolschema ist etwa das Alphabet, während ein Symbolsystem z.B. die deutsche Sprache darstellt. Um als Notationssystem (wie z.B. die Notenschrift eines ist) gelten zu können, müssen die Schemata bestimmte syntaktische Regeln erfüllen, also Regeln, die sich auf die interne Kombination der einzelnen Charaktere (z.B. Buchstaben) beziehen. Für das Symbolsystem gilt Analoges auf der semantischen Ebene, also auf der Ebene, die die Symbole mit ihren Referenzgegenständen verbindet. Das ist alles ziemlich komplex, manchmal erscheint es mir auch übertrieben komplex. Goodman hat außerdem die Marotte, sich ständig in alle Richtungen abzusichern und durch seine Tausende von Beispielen auch geneigte Leser irgendwann ganz schummrig im Kopf zu machen.
Ganz simplifiziert ausgedrückt, müssen Notationssysteme vor allem eindeutig sein, es darf keine Überschneidungen geben, weder in der Bedeutung, noch in den Kombinationsregeln. Die Eindeutigkeit unterteilt Goodman in fünf Teilaspekte, die ich bei Bedarf hier gern aufzähle und diskutiere.
Interessant ist, dass er mit Hilfe dieses Instrumentariums am Ende des Buches versucht, Ästhetik neu zu definieren. Er macht für sie vier Merkmale aus, die nicht alle gemeinsam auftreten müssen (was die Nachvollziehbarkeit und interne Gewichtung seiner Theorie ziemlich erschwert), aber dennoch einen Gegenstand umso ästhetischer werden lassen, je stärker sie vorhanden sind. Zum einen geht es um syntaktische und semantische Dichte, das heißt fließende Übergänge zwischen Charakteren. Es geht darum, dass, je klarer der Bezugsrahmen für ein bestimmtes Symbol ist, er desto weniger ästhetisch ist (Merkmal der syntaktischen Fülle). Schließlich neigt die Kunst symbolisch gesehen eher zur Exemplifikation als zur Denotation.
Die strikte Logik, mit der Goodman ans Werk geht, ist manchmal etwas ermüdend und wirkt leider sehr häufig auch ungeordnet. Außerdem geht er fast nur analytisch und kein bisschen synthetisch vor. Die Merkmale für Notationssysteme auf einen Begriff heruntergebrochen, habe z.B. ich selbst, nicht Goodman. Er selbst lässt den Leser mit einer Fülle von Begriffen, die leider auch durch das Stichwortverzeichnis nicht handhabbarer werden, ein bisschen im Regen stehen. Zusammenführende Passagen oder gar Kapitel fehlen vollständig.
Mir persönlich ist das große Ganze während der Lektüre ein bisschen aus dem Blick geraten. Nichtsdestoweniger kann man seine analytisch gewonnenen Kriterien sicherlich gut als Arbeitshypothesen verwenden, wenn sie auch dazu tendieren, ineinander zu fließen. Aber Sprache ist eben kein Notationssystem.