Hallo!
Seit ein paar Tagen bin ich nun mit dem schönen Buch fertig. Auch der Schluss ist trickreich gemacht. Ebenso wie die Hörspielsoaps episodenhaft bleiben, gibt es für Mario und Tante Julia nur ein vorläufiges Happy End, und der einst berühmte Hörspielschreiber Pedro Camacho fristet nun sein armseliges Leben als Bote bei einer Boulevardzeitung. Mit dem Schreiben ist es vorbei, selbst für das drittklassige Schmierenblatt sind seine Geschichten zu kitschig. Allzu melancholisch stimmt einen das traurige Geschick des Kunstschreibers nicht, dafür sind das Wiedersehen Marios mit seinen ehemaligen Kollegen und deren Tratscherei über die abgetakelte Stripteasetänzerin, mit der Camacho verheiratet ist, einfach wieder zu schön beschrieben. Den letzten Auftritt im Roman hat Vargas Llosa seiner zweiten Frau überlassen, was auch geraten scheint, nachdem er ihre Vorgängerin so hinreißend verewigt hat.
Ich habe den Roman mit großem Vergnügen gelesen. Er liefert mal wieder den Beweis dafür, dass die besten Geschichten eben nicht das Leben schreibt. Vargas Llosa erzählt mit viel Humor und noch mehr Erfindungsreichtum von der peruanischen Mentalität, von Liebe und von Lebenslust, karikiert auf sehr amüsante Weise die immer kommerzieller und platter werdende Unterhaltungskultur und vermengt geschickt die eigene Autobiographie mit dem fiktivem Romangeschehen. Vor allem erzählt er vom Schreiben, von der Liebe dazu und dass sie vergeblich bleibt, wenn die Gabe des Talents fehlt. Und er macht uns sehr unterhaltsam vor, wie ein begabter Autor noch aus den trivialsten Stoffen gute Literatur machen kann.
So, morgen werde ich mit Lars Gustafssons „Tod eines Bienenzüchters“ beginnen. Nach lateinamerikanischem Feuer skandinavische Schwerblütigkeit. Aber man kann schließlich nicht immer lachen.
Gruß
Anna