Author Topic: Stanislaw Lem: Summa technologiae  (Read 15578 times)

Offline sandhofer

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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #30 on: 15. August 2010, 00.32 Uhr »
Ich bin nun fast durch, werde das Buch wohl morgen abschließen. Wie weit bist du, Sandhofer?

Irgendwo in derselben Region.  :hi: Mehr später; jetzt gehe ich erst mal schlafen.
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Offline orzifar

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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #31 on: 15. August 2010, 17.35 Uhr »
Im letzten Abschnitt noch einmal Kurioses: Lems Ausführungen bezüglich der Anthropophagie (dass dieselbe zu einer Auslese der Klügsten geführt habe, weil die Jagd einiges an Intelligenz erfordere) sind - vorsichtig ausgedrückt - abenteuerlich. Denn selbstredend ließe sich auch die gegenteilige These aufstellen, dass Pflanzenfresser deshalb im Vorteil sind, weil sie auf ihre Ernährung sehr viel weniger Zeit aufwenden müssen (da Pflanzen fast überall zur Verfügung stehen und außerdem beim Gefressenwerden brav stillhalten). Das sind so Theorien, die ich gar nicht liebe, sie haben Beliebigkeitscharakter, entspringen einer spontanen Idee, die keiner weiteren Kritik mehr unterzogen wird. Auch das, was er dann zu "guten" und "bösen" Absichten des Menschen von sich gibt, verdient keinerlei Beachtung. - Anderes hingegen mutet längst nicht mehr futuristisch an: Etwa die Überlegungen zur computerisierten Partnerwahl (einzig die genetische Vorauswahl lässt noch auf sich warten).

Man muss Lem zugestehen, dass er in diesem 1964 erschienenen Buch vieles recht gut prognostiziert hat (etwa im Bereich der Genetik), auch seine Spekulationen geistreich und anregend sind, wenn sie auch - aber das ist bei einem solchen Unternehmen unvermeidlich - teilweise durch die Wirklichkeit Lügen gestraft wurden. Zum Teil atmet das Buch den Geist der 60iger: V. a. in Bezug auf die euphorische Aufbruchstimmung, was die Weltraumfahrt und mit ihr zusammenhängende Themen (etwa die Frage nach außerirdischer Intelligenz) betrifft. Auch die Frage nach der KI, ihren Möglichkeiten, ihrer Realisierung hat vorläufig noch keine Antwort im Sinne Lems gefunden, dass solche selbstregulierenden Systeme (nebst Blackbox und dgl.) möglich geworden wären. Bislang wurden die entsprechenden Ergebnisse (z. B. bei Schachprogrammen) durch die unglaublich verbesserte Verarbeitungsgeschwindigkeit erzielt, nicht aber durch eine Art selbstregulierender Intelligenz.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Lems prägnanteste Vorhersagen aus dem Bereich der Biologie bzw. Medizin kommen, da er selbst eine entsprechende Ausbildung genossen hat. Vielleicht aber liegt es auch daran, dass zur Zeit des Erscheinens der "Summa" die für diese Bereiche entscheidenden Entdeckungen bereits gemacht worden waren: V. a. jene von Watson und Crick. Davon ausgehend konnte sinnvoller über mögliche genetische Manipulationen gesprochen werden als über viele andere von ihm behandelte Themen (z. B. seine Überschätzung der kybernetischen Möglichkeiten bezüglich des Soziallebens).

Auch auf die Lösung des Energieproblems wartet die Menschheit bislang vergebens - im Gegenteil: Hier scheint sich eine Verschärfung der Situation abzuzeichnen. Die Kernfusion ist weiterhin Zukunftsvision - aber selbst wenn dieses Energieproblem (und damit auch das Umweltproblem) gelöst werden sollten, teile ich nicht die - implizit spürbare - optimistische Auffassung Lems, dass sich damit auch die sozialen Probleme lösen lassen. Die grundsätzlichen Probleme des Zusammenlebens werden fortbestehen - sowohl auf individueller als auch kollektiver Ebene. Wenigstens kann ich bislang in jenen Teilen der Welt (etwa hier in Europa) kein größeres Maß an Vernunft, Bescheidenheit, Altruismus feststellen, nur weil die allermeisten diese ihre Grundbedürfnisse (Wohnen, Essen, Gesundheitsvorsorge) befriedigen können. Insofern scheint der Mensch, seine - evolutionäre - Ausstattung ein größeres Problem zu sein als die durch den technischen Fortschritt erreichbaren Wohlfahrtsergebnisse. Die Entdeckung eines Bescheidenheits- oder Altruismusgens (nebst Implementierung) dürfte also mindestens so sehr geboten sein wie die Herstellung materieller Sicherheiten.

lg

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Offline sandhofer

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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #32 on: 15. August 2010, 19.36 Uhr »
Hallo

Ich bin unterdessen auch fertig. Wenn ich das richtig verstanden habe, will Lem auf so etwas wie eine vom Menschen selbst regulierte Evolution des Menschen hin zum genetisch-mechanisch-technisch perfektionierten Menschen. Was ich für äusserst problematisch halte, vor allem den selbst regulierenden Teil.

Dass der Mensch sich so entwickelt hätte, wie er sich entwickelt hat, weil er Jagd auf seinesgleichen gemacht hat, halte ich für - 'scuse my French - absoluten Schwachsinn. Ich halte es schon mal für viel wahrscheinlicher, dass der Homo sapiens, schon durch seine evolutionäre Abstammung aus dem Haus der Affen, ursprünglich und im Grunde genommen Vegetarier ist. Dann durch die Notwendigkeit des Überlebens sich zum Allesfresser und somit zum Jäger entwickelt hat. Ich kenne mich ein wenig aus bei Wölfen und Hunden, und dort ist es so, dass weder innerhalb eines Rudels noch zwischen Rudeln untereinander so etwas wie ein ständiger Kampf aller gegen alle stattfindet1). Die darauf verschleuderten Ressourcen wären viel zu gross, das Individuum, das Rudel, die Art würden viel zu schnell vom Erdboden verschwinden. Warum sollte das beim Menschen anders sein? Lem geht hier wieder von einer evolutionären Sonderstellung des Menschen aus, die einem Biologen im Grunde genommen nicht unterlaufen dürfte. Menschen mögen sich untereinander bekriegen und auch schon mal fressen, aber das sind wohl eher sekundäre und tertiäre Phänomene.

Grüsse

sandhofer

1) Dieser ständige Kampf aller gegen alle, den das vulgärdarwinistische Verständnis so gerne im Munde führt, wurde ja auch von Darwin nie so in die Welt gesetzt ...  :(
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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #33 on: 15. August 2010, 19.54 Uhr »

Dass der Mensch sich so entwickelt hätte, wie er sich entwickelt hat, weil er Jagd auf seinesgleichen gemacht hat, halte ich für - 'scuse my French - absoluten Schwachsinn.

Ja, schwer eine andere Terminologie zu finden. Sind zwar nur drei Seiten (wenn überhaupt), aber diesen Gedanken kann man wirklich nur mit Kopfschütteln quittieren.

Was er will? Schwer zu sagen, eigentlich spricht er ja zumeist davon, was möglich ist. Was denn nun von den "Segnungen" der Technik wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt und müsste wohl von Fall zu Fall diskutiert werden. Mich beschleicht manchmal die Vermutung, dass die Möglichkeiten der Technik den Sozialverstand des homo sapiens übersteigen. Wir sollten uns dessen bewusst sein, dass die Erde ohne Menschen auch ganz gut auskommt - und dass nirgendwo jemand auch nur mit dem außerterrestrischen Ohr schlackert, wenn wir uns als Irrläufer der Evolution erweisen sollten.

lg

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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #34 on: 16. August 2010, 19.23 Uhr »
Was ich mir auch noch notiert hatte: Wie Lem meiner Meinung nach in seine eigene Falle tappt. Wo es da um Aussersinnliches geht, und mein alter Freund Rhine auftaucht, versucht Lem, dessen "wissenschaftliche" Ergebnisse mit dem Hinweis zu entkräften, dass die Wahrscheinlichkeit es eben doch erlaubt, eine beliebig lange Serie von Sechsen zu würfeln. Damit sind aber seine Argumente für die Existenz extraterrestrischen Lebens - sozusagen ex contradictione - hinfällig, weil es ja auch umgekehrt sein kann, dass wir die einzige Sechs sind, die im Universum gewürfelt worden ist. Es ist eben schon so: Mit jedem Würfeln fängt im Grunde genommen die Wahrscheinlichkeitsrechnung von vorn an. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass Rhine zu jener Zeit noch ein Hühnerauge im grossen Zeh eines Wissenschaftlers gewesen sein muss. Es war ja Randi vorbehalten, nachzuweisen, dass bei den angeblich so scharf und wissenschaftlich kontrollierten Experimenten die Kontrollen in Tat und Wahrheit äusserst lasch waren von jedem begabten Amateurzauberkünstler ausgehebelt werden konnten - wenn nicht gleich Rhines Assistenten betrogen, indem sie nur "gute" Serien notierten u.ä.
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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #35 on: 17. August 2010, 00.08 Uhr »
Noch mal die Sechsen  ;D: Ich glaub, dass Lem hier auf was anderes hinauswill. Diese scheinbar nicht zufälligen Serien sind eben der Zufall selbst, denn tatsächlich werden solch "abnorme" Folgen von "echten" Zufallsgeneratoren erzeugt. Ein Wiener Universitätsprofessor für Mathematik (Name fällt mir grad nicht ein) machte mit seinen neuen Studenten oft ein Experiment: Sie sollten ihm zwei Zufallsfolgen von Nullen und Einsen vorlegen, wobei sie eine selbst generierten (also die Studenten im Seminar diese bloß aufschrieben), eine andere durch einen Zufallsgenerator erstellten. Und er erriet praktisch immer, welche der Folgen "menschlich" war. Dies deshalb, weil eine "echte" Zufallsfolge von 200 solcher Zahlen zumeist 7 oder 8 aufeinanderfolgende Einsen oder Nullen enthält, etwas, was sich die Studenten zu erfinden nicht getrauten.

Mich hat's auch befremdet, dass er sich überhaupt damit auseinandersetzt. Aber du hast natürlich Recht: Das ist höchst zeitspezifisch. Mir persönlich sind diese Dinge eher suspekt, also die "wissenschaftliche" Auseinandersetzung mit "außersinnlichen" Phänomenen. Ich halte es für ziemlich überflüssig, jemandem zu beweisen, dass ihm die Jungfrau Maria nebst verstorbener Großtante nicht erschienen ist, sondern er bloß des Abends zu viel fetten Schweinsbraten inhaliert und dann nach dem sechsten Humpen Wein unruhig geschlafen hat. Wenn mir privatim derlei Erkenntnisse offenbart werden, pflege ich diese Menschen nur zu bestärken und allenthalben auch meine eigenen diesbezüglichen Erfahrungen ins Feld zu führen: Von rosaplüschausstaffierten Yetis, die bei mir über den Kartoffelacker hoppeln (mit Reinhold Messner im Arm) und dem mir kürzlich erschienenen Saddam Hussein, der von seiner nekrophilen Liebe zur Mutter Theresa berichtet hat. Das wird dann selbst Wundergläubigen zu viel ...

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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #36 on: 17. August 2010, 20.29 Uhr »
Hallo!

Noch mal die Sechsen  ;D:

Ja. Ich bin der Statistik gegenüber ungeheuer skeptisch. Sie kann keine Voraussagen treffen, die Zukunft ist in ihr allenfalls Extrapolation der Vergangenheit, wenn's um viele Ereignisse geht, wenn's um einzelne (Ereignisse oder Personen) geht, kann sie gar nichts aussagen.

Grüsse

sandhofer
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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #37 on: 18. August 2010, 00.00 Uhr »
Bei allem Verständnis für diese deine Skepsis: Aber die Wahrscheinlichkeitsrechnung macht sehr präzise Vorhersagen, wenn es sich um "gleichförmige" Ereignisse (wie etwa das Würfelspiel) handelt. Selbstverständlich können einzelne Ereignisse nicht prognostiziert werden (wobei diese für die Wissenschaft ohnehin keine Relevanz haben), aber das wird auch nirgendwo behauptet. Bei einer entsprechend großen Anzahl von Ereignissen können aber sehr exakte Vorhersagen getroffen werden (wobei auch die Schwankungsbreite abhängig von der Anzahl der Versuche bestimmt werden kann).

Wenn es nun um die Prognose "nichtidealer" Ereignisse geht, so werden selbstverständlich Daten aus der Vergangenheit herangezogen und extrapoliert. Je mehr solcher Daten zur Verfügung stehen, je mehr Parameter Berücksichtigung finden, desto genauer die Prognosen. Ich verstehe das "Ehrenrührige" dieses Vergangenheitsbezuges nicht. Natürlich bedeutet das nicht, dass nicht mittels Statistiken manipuliert werden könnte, dass auch die Wahrscheinlichkeitsrechnung (bei bewusster Berücksichtigung bzw. Weglassung bestimmter Parameter) als ein Instrument zur Manipulation eingesetzt werden kann (und wird). Das aber hat nichts mit ihrer Zuverlässigkeit zu tun.

Gerade wenn es sich um "weiche" Daten handelt (etwa Bevölkerungsmerkmale, Erhebungen zur Wirksamkeit von Medikamenten - oder Testreihen, bei denen die Grundbedingung der "großen Zahl" verletzt wird), ist eine willkürliche Interpretation möglich. Das hat aber nichts mit der Stochastik zu tun, sondern ist menschengemacht. Andererseits funktioniert aber auch die statistische Auswertung von Bevölkerungsdaten ausgezeichnet, etwa dort, wo es um die Sterbetafeln von Versicherungen geht, weil diese aufgrund rein ökonomischer Überlegungen an größtmöglicher Genauigkeit interessiert sind.

Natürlich: Mit Statistiken kann wunderbar manipuliert werden; Zahlen aller Art eignen sich schon deshalb für ein solches Vorhaben ganz ausgezeichnet, weil die meisten Menschen ein ehrfürchtiger Schauer befällt bei der Nennung derselben. Sie gelten als Inbegriff des Exakten und werden deshalb in manipulativer Weise von Politikern, Geschäftemachern ständig eingesetzt. (Solcherart lassen sich dann Pandemien herbeireden, Medikamentenkäufe rationalisieren oder Federvieharten dämonisieren - etc.) Einer Überprüfung hält das Zahlenmaterial oft nicht stand, sehr viele wären aber ohnehin überfordert: Im Buch von G. Gigerenzer: "Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken." kann man Erstaunliches nachlesen: So konnten etwa nur zwei von 24 Fachärzten die bedingte Wahrscheinlichkeit eines Krebsrisikos richtig angeben. Gerade diese Hilflosigkeit gegenüber Zahlen führt dann zum Wahnsinn von überflüssigen Vorsorgeuntersuchungen, die einzig den Pharmakonzernen - und nicht den Patienten - dienen. Oder eine Emnid-Umfrage: Was bedeutet 40 %? a) Ein Viertel, b) 4 von 10, c) jeder Vierzigste. Ein Drittel der Befragten gaben eine falsche Antwort.

Dass also manipuliert wird, liegt zum einen an einer blinden Statistik- bzw. Zahlengläubigkeit als auch daran, dass viele mit selbst ganz einfachen Rechenbeispielen überfordert sind. Aber die Stochastik selbst kann für diesen ihren Missbrauch nichts, sie ist - auch und v. a. im wissenschaftlichen Bereich - ein unerlässliches Hilfsmittel.

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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #38 on: 18. August 2010, 15.57 Uhr »
Ich seh' schon: Bei der Statistik werden wir uns nicht einig  ;). Es ist ja nicht schlimm, dass die Statistik aus der Vergangenheit die Zukunft hochrechnet, wenn es um die durchschnittliche Lebenserwartung geht. Auch Versicherungen müssen ja leben. Aber statistisch nachzuweisen, dass "da draussen" Hunderte, Tausende oder gar Abermillionen von Alien-Zivilisationen herumlungern - das geht mir zu weit. Dafür fehlen uns schlicht die Daten.
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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #39 on: 18. August 2010, 16.29 Uhr »
 ;D - da sind wir doch ganz einer Meinung. Diese Rechnungen sind mit einem Maß an Unsicherheit behaftet, das kaum Aussagen zulässt.

Wobei man schon ein wenig spekulieren kann: Anzahl sonnenählicher Sterne, Häufigkeit von Planeten, stabilisierender Faktoren (wie in unserem Falle der Mond bzw. der Jupiter es sind etc.). Aber natürlich: Je nach Annahme wimmelt's da draußen von Aliens oder aber wir sind mutterseelenallein.

Ich gehe von der Annahme aus, dass wir so ganz allein nicht sind, mir scheint eine solche "Außer-uns-gibts-nichts-Hypothese" das vielleicht letzte Relikt des Anthropozentrismus. Über Häufigkeiten lässt sich nur - mehr-weniger geistreich - spekulieren. Aber nachdem wir ein Beweis dafür sind, dass Materie sich zu eigenartigen Gebilden zusammenfügt und ich von einer weitgehenden Gleichförmigkeit des nicht ganz kleinen Universums ausgehe, liegt die Vermutung nahe, dass ein "homöostatisches" Prinzip auch anderswo verwirklicht wurde (oder wird).

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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #40 on: 18. August 2010, 19.57 Uhr »
Ich weiss nicht, ob das Anthropozentrismus ist. Die Einsicht, dass der Menschheit keine Kameraden im Erleiden der Unsinnigkeit des Universums gegeben sein könnten, kann auch deprimieren. Wenn Anthropozentrismus, dann kein glorreicher, wie ihn die Bibel mal vor-geschrieben hat.
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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #41 on: 21. August 2010, 12.35 Uhr »
Ich weiss nicht, ob das Anthropozentrismus ist. Die Einsicht, dass der Menschheit keine Kameraden im Erleiden der Unsinnigkeit des Universums gegeben sein könnten, kann auch deprimieren. Wenn Anthropozentrismus, dann kein glorreicher, wie ihn die Bibel mal vor-geschrieben hat.

Als "glorreich" gedacht? Diese Art des Mittelpunktwahns ist wohl eher konstituierend für diese Form der Religion, die da im Menschen das Ebenbild Gottes sieht, die letzte Stufe, bevor man in die ewigen Gefilde mit Harfenspiel und Engelschören aufgenommen wird. Wenn aber dort noch Borgs oder die Denobulaner aus dem Alpha-Quadranten sich tummeln, so müssen AT und NT wieder mal neu interpretiert werden (und das wird diesfalls ein schwierigeres Unternehmen als annodazumal, da man mit einigem Bauchweh die Erde aus dem Mittelpunkt des Sonnensystems entfernen musste).

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« Last Edit: 21. August 2010, 13.05 Uhr by orzifar »
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Re:Stanislaw Lem: Summa technologiae
« Reply #42 on: 26. August 2010, 12.55 Uhr »
Andererseits liegt der Annahme, dass es ausser der Menschheit weiteres - eventuell sogar intelligentes - Leben auf andern Planeten gibt, nicht derselbe Drang zur Flucht aus einer metaphysischen Einsamkeit zu Grunde, der auch zur Bildung der Göttermythen geführt hat und der den monotheistischen Himmel mit Engeln angefüllt hat? Vielleicht kann bzw. will der Mensch einfach nicht nur alleine sein?
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