Also doch ein Tippfehler? Mir ging's um den Buchstaben hier: "hermaphrodisischer Atmosphäre", der mir eine interessante Mischung von hermaphroditisch (=zweigeschlechtlich) und aphrodisisch (=luststeigernd) schien. Zu "Uroboro" will ich lieber nichts sagen ... 
Doch ein Schreibfehler. Hermaphrodi
tisch mit
t ist richtig. Da stupst er mich auf meine Nas', und ich erkenne meinen Schreibfehler nicht. Das liegt wohl daran, dass ich bewusstseinsmäßig im Nirmanakaya-Körper gefangen bin.

Kap.14.
Ich und der Vater sind einsKen Wilber benutzt buddhistische Begriffe, und ich weiß nicht, warum er nicht sagt, dass diese Begriffe im Mahayana-Buddhismus gepflegt werden.. Vielleicht deswegen, weil er dieses Buch für westliche Menschen schrieb. Zwar ist der Buddhismus z.Zt. im Westen recht beliebt, aber ich zweifle sogar daran, dass jeder westliche Buddhist den Buddhismus wirklich innerlich durchdringen hat. Vielleicht will Wilber deswegen nicht über den Buddhismus reden, weil der Buddhismus für den westlichen Menschen eine sehr große Herausforderung ist, wenn er es denn wirklich ernst meint. Ken Wilber will mit seinen Büchern viele Menschen erreichen, darum schreibt er nie direkt über den Buddhismus, sondern lieber indirekt.
Es geht um die Begriffe Nirmanakaya, Sambhogakaya, Dharmakaja., um Trikaya, die Lehre der drei Körper des Buddha. Die Wurzeln dieser Lehre sind schon im frühen Buddhismus zu finden. Es geht um die Unterscheidung eines materiellen Leibes (Nirmankaya) mit einem subtilen Leib (Sambhogakaya) und einem reinen geistigen Körper (dharmakaya). Diese Lehre wurde im 4. nachchristlichen Jahrhundert ausgebaut und verfeinert.
Jeder dieser Körper oder >Manifestationsebenen< entspricht bestimmten geistigen Wahrnehmungen und Erscheinungen, Welche Art der Wahrnehmung eintritt, hängt daran, womit (und mit welcher Ebene) sich der Meditierende indentifiziert.
Im Grunde genommen reicht dieses als Hintergrund. Wilber setzt diese Begriffe ein, wenn er von der Evolution der religiösen Erfahrung spricht:
Historisch gesehen beginnt die Große Göttin im Nirmankaya und verschwindet in den Sambhogakaya; Gott der Vater beginnt im Sambhogakaya und verschwindet in den Dharmakaya; die LEERE beginnt im Dharmakaya und verschwindet in den Svabhavikaya (und der Svabhavikaya ist der Urgrund und die Bedingung von ihnen allen).
Die LEERE ist auch ein buddhistischer Begriff, die Auflösung sämtlicher Dualitäten und Individualität. Einfach nur GEIST (was immer man sich darunter vorzustellen mag, es ist unvorstellbar), ist aber, wenn es bewusstseinsmäßig erfasst ist, das Ziel buddhistischer Erfahrung, und Wilber sagt, behauptet, die Evolution des Menschen geht bewusstseinsmäßig eben dorthin.....in zwei Millionen Jahren (diese Zahl fasst er ins Auge).
Nun versucht Wilber, Moses und Christus aus buddhistischer Sicht zu erfassen. Moses stieg vom Berg Sinai herab und brachte das Wissen vom Sambhogakaya mit. Als er nun vom Sinai herabgestiegen war, wurde er mit der Nirmanakaya-Religion (Goldenes Kalb) konfrontiert, diese er bekämpfen und transzendieren musste.
Christus machte einen evolutionsnären Fortschritt, indem er die Offenbarung
„Ich und der Vater sind eins“ verkündete.
Er wurde gekreuzigt, weil er es wagte, vom Sambhogakaya zum Dharmakaya zu evolvieren
d.h., weil er sich selbst zum Gott erhoben hat. Im Dharmakaya werden Subjekt und Objekt identisch.
..der Schöpfer und die Kreatur werden so sehr eins, daß beide als seperate Einheiten verschwinden.
Das hört sich alles sehr schön an....
ABER
wir wissen heute nicht, was Jesus gesagt hat. Am Johannesevangelium, worin dieses steht, „Ich und der Vater sind eins“ , ist bis zur Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts herumgeschrieben und korrigiert worden, damit es theologische Tiefe bekommt. Es war also ein Schreiber aus dem zweiten Jahrhundert, der gesagt hat, „Ich und der Vater sind eins“. Daran ändert sich nichts, wenn Wilber eine Entsprechung aus den Upanishaden findet: „Tat tvam asi“ (Du bist Das).
Für Buddhisten selber ist es kein Problem, wenn buddhistische Texte erst nach Siddharta Gautama Sakyami 's irdischem Dasein erschienen sind, denn, so sagen sie, es gibt viele Buddhas. Jedem Menschen ist es grundsätzlich theoretisch möglich, dass er die drei Körper Buddhas bewusstseinsmäßig erfassen kann. Darum ist jeder Mensch ein Buddha, wenn man so will. Von einem theologischen Schreiber gehe ich aber nicht davon aus, dass er im Sambhogakaya oder Dharmakaya ist, schon deshalb nicht, weil die christliche Kirche ziemlich exoterisch durch ihre Geschichte gegangen ist. Es mag den Schreibern des Johannesevangelium bestenfalls die Sehnsucht nach Transzendenz durch den Kopf gegangen sein, mehr aber nicht. Natürlich hat es christliche Mystiker wie Jakob Böhme gegeben, die der Dharmakaya-Religion, dem Buddhismus, sehr nahe kommen. Über die LEERE schreibt Böhme:
„Wer es findet, findet Nichts und alle Dinge. Aber wie findet er Nichts? Derjenige, der es findet, der findet einen übersinnlichen Abgrund, der keinen Grund hat, auf dem man stehen könnte; und er findet auch, daß nichts ihm gleicht, weshalb man es zu Recht mit Nichts vergleichen kann, denn es ist tiefer als jedes Ding. Und weil es Nichts ist, ist es frei von Allen Dingen und ist es jenes einzige Gut, das ein Mensch weder ausdrücken noch aussprechen kann, weil es Nichts gibt, mit dem man es, um es auszudrücken, vergleichen könnte.“(zitiert in "Halbzeit der Evolution")
Hier erkennt man schon den integralen Wilber. Integration von Buddhismus und christlicher Mystik, und vorher Integration von Tiefenpsychologie und neolithischer Gesellschaft.

Liebe Grüße
mombour