Hallo zusammen!
Dass es Leute gibt, die im ÖV lesen, weiss wohl jeder, der denselben benutzt. Auch ich weiss es, obwohl ich ihn selten benutze. Neulich aber musste ich wieder mal. Ein paar Stationen später steigt eine junge Frau ein (früher hätte man gesagt, ein Mädchen, aber heute sind die schon ab ca. 12 "junge Frauen" und man wundert sich über eine Zunahme der Pädophilie - aber die hier war zwischen 19 und 23) - eine junge Frau also, die sogleich ein Buch aus ihrer Tasche nimmt, sorgfältigst in Plastik eingewickelt, damit es nicht durch einen eventuellen Unfall mit der Thermoskanne Schaden nehmen kann, die in derselben Handtasche (Frauen-Handtaschen ... unergründlich) transportiert wird. Nichts Ungewöhnliches, wenn da nicht zwei Dinge gewesen wären. Erstens war die junge Frau vom Typ Nubierin (ich stelle mir Kleopatra so ähnlich vor - die Zeichner von Asterix übrigens auch, den voll-lippigen Mund mal abgerechnet), sehr hübsch also, und mit einem Kopftuch, das den ziemlich konservativen mohammedanischen Papa verraten hat. Zweitens das Buch: Ein Lyrikband, betitelt "Gedichte", darauf ein Autorenporträt, das ich zuerst für eines von E.T.A. Hoffmann gehalten habe, das aber ein anderes gewesen sein muss. (Welcher Verlag gibt diese Bände heraus: Hardcover mit (Pseudo-?)Leinen - ich habe auch schon eine Goethe-Ausgabe davon gesehen.) Ich sass zu weit entfernt, um Autor und Verlag identifizieren zu können, nahe genug, um zu sehen, dass die junge Frau tatsächlich Lyrik las.
Nicht, dass ich die Lektüre von Gedichten in der morgendlichen S-Bahn empfehlen würde. Aber witzig war's schon ...
Grüsse
sandhofer