Eine weitere Perle ist der Essay über Konstantin der Große, prägnant verständlich dargestellt.
Die Sieben Hügel am Goldenen Horn: Konstantin der Große von Karen PiepenbrinkKonstantin, so lässt sich aus dem Essay schließen, war nicht der Vollender in Sachen Religion als Staatsreligion. Nein, erließ andere Kulte, die im römischen Reich akzeptiert wurden, weiter laufen. Das
„der Sieg an der Milvischen Brücke“ der Auslöser für Christentum als Staatsreligion gewesen sein soll, ist wohl dem Bereich der Legende zuzuordnen, soll ja auch nur ein Traum/Vision gewesen sein, die Konstantin veranlasst haben sollen, seine Soldaten unter dem Christogramm Chi/Rho hat kämpfen lassen. Im Rom ließ man neben der Staatsreligion immer nochandere Kulte laufen, die aus anderen Ländern importiert worden waren. So war schon Alexander Severus (208-235) gegenüber den Christen tolerant (Marc Aurel übrigens auch), Alexanders Mutter Mamamea stand in Kontakt mit dem großen Kirchenvater Origenes. Im allgemein pflegte man damals Synkretismus. Spätere christliche Autoren aus dem 4. Jahrhundert haben Alexander Severus (warscheinlich nur) angedichtet, er habe in seiner privaten Kultstätte neben den römischen Göttern auch Christus, Abraham u.a. verehrt. Offenbar war es aber so, im Volk gabe es auch eine Zunahme von Christen, aber die Theologie des Christentums sich noch nicht festgesetzt hatte, die Leute Christus mit Jupiter (dem Sonnengott) verwechselte, diesem Irrtum, sowie man im Essay lesen kann, auch noch.Konstantin der Große unterlag. Das mag mehrere Gründe gehabt haben. Sicher ist, die christliche Theologie war zu damaliger Zeit noch nicht ausgereift. Es gab Auseinandersetzungen in der Christologie. Besonders die im Essay erwähnte Auseinandersetzung mit der Trinitätslehre zeigt, dass diese Lehre von Menschen gemacht worden ist, nachdem Christus schon 300 Jahre gestorben war.
So kommen wir zum Konzil von Nicäa (325), zum Arianismusstreit:
Arius von Alexandrien, ein Presbyter, vertrat die Ansicht, Jesus sei der Sohn Gottes,
„ein Geschöpf und ein Geschaffenes“, also Jesus sei nicht gottgleich, er sein sein nicht der Logos (sieh Joh. 1,1). Auf dem Konzil wurde festgelegt, und Konstantin soll daran beteiligt gesensein, das Gott und Christus wesensgleich seien. Seltsam, dass sich die Kirche darauf nicht hatte früher einigen können. Im Johannesevangelium, das erst um 100 n.Chr. enstanden ist und nachweislich nicht vom Apostel Johannes verfasst worden ist, und um Mitte des 2. Jahrhunderts nochmals von Kirchenleuten überarbeitet worden ist, kann die Trinitätslehre schon erschlossen werden, obwohl der Schreiber dieses (recht extravaganten) Evangeliums sich offenbar einmal geirrt hat, denn es steht geschrieben:
"Ich gehe zum Vater, denn der Vater ist größer als ich." (Joh. 14,28). In Konstantins Bestreben, in dieser Angelegenheit, eine Einigung in der Kirche zu bewegen, liegt nicht begründet
„an der Durchsetzung einer bestimmten theologischen Position“, so heißt es im Essay, sondern als pontifex maximus war Konstantin verantwortlich für den Kult. In Konstantin nur den Christenkaiser zu sehen, ist überzogen, in erster Linie war er ein Staatsmann, trotzdem hat er, wie andere vor ihm einen Großen Beitrag geleistet, dass das Christentum zur Staatsreligion wurde.
Übrigens, wen es interessiert: Origenes (185- 254)
hielt Jesus für einen zweiten geringeren Gott, der >>nicht mächtiger sei als der Vater, sondern geringer an Macht. Wir lehren dies, indem wir seinen eigenen Worten glauben, wo er sagt: >Der Vater, der mich gesandt hat, ist größer als ich.< <<
(zit. Aus K. Deschner, „Abermals krähte der Hahn, btb, 72025, Seite 437).
Origenes glaubte nur, was andere zu seiner Zeit auch geglaubt haben.
Liebe Grüße
mombour