Author Topic: Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike  (Read 13912 times)

Offline mombour

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Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« on: 04. April 2010, 11.34 Uhr »
Hallo,

ich beginne mal mit Troja

Es ist doch herrlich, dass wir hier endlich mal erlesen können, wie nebulös die Sache mit dem Trojanischen Krieg, mit Troja ist. Weniger nebulös ist die Ilias selbst, Homer dagegen schon. Also die Ilias, warum man versuchte dieses literarische Werk zu historisieren, weiß ich nicht. Immerhin ist es ein Werk der Literatur und kein Herodot. oder Thukydides, obwohl, dass muss gesagt werden, Herodot so manche Geschichtchen verbreitet hat, die mehr Geschichtchen sind als Historie. Der Bezug von Troja/Illios zu den Hethitern ist mir neu, obwohl geographisch gesehen nicht abwegig.
Ilios hieß im älteren Griechisch Wilios. Im Hethitischen gibt esein „Land Wilusa“ oder „Willisiya“ und schon kundet die Vermutung herum, Wilusa könne Troja sein. Dem hethitischen König Muwatalli II wurde von einem Herrscher namens Alaksandru Bündnispflichten diktiert, und schon war man gedanklich bei Paris, der in der Ilias oft Alexandru genannt wird. Doch es bleibt wieder alles im Nebel, anhand der anderen Namen im Text kann keine Beziehung zu Troja erschlossen werden, und andere Gründe, dass Willios nicht Ilios ist, gibt es ja auch noch. Übrigens, Muwatalli II ist der Gegner Ramses II. in der Schlacht von Kadesch.

Troja gelang durch das Interesse Schliemanns ins historische Interesse, doch ist Troja immer im Dunst der Geschichte geblieben, was sicher nicht nur allein daran lag, weil Schliemann ein grobfahrlässiger Ausgräber war, der viele Spuren getilgt hat, auch spätere Archäologengenerationen bis heute tappen im Dunst weiter. Nicht alles können sie ans Tageslicht fördern, nicht alle Puzzels passen zusammen. So steckt in der Frage nach Troja immer ein „Wunsch nach Wahrheit“.."eine frustrierende Reihe notwendiger Subtraktionen – mit den Göttern angefangen".

Gefallen hat mir im ersten Kapitel diese in der Schwebe gehaltene Ungewissheit – wir können nie alles wissen. Das meint auch Sokrates, wenn er sagt, er wüsste nichts, nur Apollon in Delphi sei mit Weisheit begnadet und so laufen wir schnurstraks ins zweite Kapitel.

Liebe Grüße
mombour
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Offline sandhofer

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #1 on: 04. April 2010, 12.25 Uhr »
Hallo mombour!

Danke fürs Eröffnen von Thread und Leserunde.

"Höhepunkte der Antike" - der Herausgeber nimmt dabei das Wort "Höhepunkt" in doppeltem Sinn, im klassischen Sinn eines unerreichten Features, aber auch wortwörtlich im Sinne eines "hohen Punktes". Und so spielen Berge und Anhöhen eben auch eine grosse Rolle. Während Kriege und grosse Schlachten eher im Hintergrund stehen sollen, so jedenfalls will es des Herausgebers Vorwort.

Brodersen hat verschiedene Autoren zu Beiträgen aufgerufen und deckt mit ihnen die ganze Antike ab, vom sagenhaften Troja bis Corpus iuris civilis. Wir erfahren neben Troja und Römischen Pandekten auch von Delphi, der Entstehung der athenischen Demokratie, der Entstehung der Akademie, von Alexander und Alexandria, der Hügel Golgatha fehlt genausowenig wie die 7 Hügel, auf denen Rom gebaut wurde, auf Hannibal folgt Vercingetorix, auf diesen Augustus, der Vesuv und Konstantin der Grosse.

Der erste Aufsatz über Troja von Jörg Fündling ist ein kleines Meisterwerk essayistischen Schreibens. Gelehrt, amüsant-ironisch führt uns Fündling zugleich in die Geschichte Trojas (oder jener Stadt, die Schliemann als "Troja" zu erkennen beliebte) und in die Geschichte ihrer Ausgrabung von Schliemann bis heute vor. Er schreibt im besten Sinn des Wortes populär-wissenschaftlich: spannend und informativ. Der Fachmann erfährt nichts Neues, wer sich als Amateur schon mit Troja ernsthaft beschäftigt hat, ebensowenig. Es bleibt eine gute Zusammenfassung des aktuellen Wissens.

Weshalb ich mich freue auf den nächsten Aufsatz.

Grüsse

sandhofer
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Offline Anita

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #2 on: 04. April 2010, 13.43 Uhr »
Ein Hallo in die Runde werf,

Der Fachmann erfährt nichts Neues, wer sich als Amateur schon mit Troja ernsthaft beschäftigt hat, ebensowenig. Es bleibt eine gute Zusammenfassung des aktuellen Wissens.

Ich habe auch schon das Orakel von Delphie gelesen, und das Buch bleibt, trotz der verschiedenen Autoren diesem Stil treu, den ich sehr schätze, wohlgemerkt. Allerdings sehe ich bei dieser Sachlichkeit, die sehr angenehm zu lesen ist, wenig Spielraum für Diskussionen. Für mich ist ein wunderbares Konsumieren, einiges schaue ich im Netz nach, betrachte Bilder, bisher ein Buch genau nach meinem Geschmack  :)

LG
Anita

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Offline mombour

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #3 on: 04. April 2010, 15.14 Uhr »
Ich habe auch schon das Orakel von Delphie gelesen, und das Buch bleibt, trotz der verschiedenen Autoren diesem Stil treu, den ich sehr schätze, wohlgemerkt. Allerdings sehe ich bei dieser Sachlichkeit, die sehr angenehm zu lesen ist, wenig Spielraum für Diskussionen.

Hallo Anita,

ich freue mich, dass du mitliest. Natürlich hast du recht. Eine tiefere Diskussion würde sich ergeben, wenn man schon einige Bücher über Troja und Delphi gelesen hat und dieses Wissen auch parat hätte. Dann könnte man mehr über historische Theorien diskutieren und so weiter. Für einen ersten Einstieg ist unser Buch sicher interessant, wenn man einen kleinen Blick in die Antike blicken mag. Hinten im Anhang wird auf weitere Literatur hingewiesen. Auf ein weiterstudieren ist natürlich nicht verzichtbar. Was Griechenkand und z.T. auch für Rom gilt, ist das Buch für mich eine kurzgefasste Wiederholung.


Delphi – das berühmsteste Orakel, auch Sokrates ein Anhänger Apollons, doch das findet in dem Aufsatz von Veit Rosenberger keine Erwähnung. In diesem Ausatz wird versucht, dass Orakel historisch zu erfassen, der Pythia auf dem Dreifuß auf die Schliche zu kommen. Wie funktionierte die Sache mit der Vorsehung? Oder doch keine Vorsehung, denn ich meine mich daran zu erinnern, mal gelesen zu haben, es gebe Orakelsprüche die doppeldeutig sind. Aha, das erinnert mich an manche Horoskope in Zeitschriften, die so allgemein verfasst sind, dass meist irgendetwas passendes darin zu entdecken ist. Raffiniert, und der Astrologiegläubige glaubt, sowie auch der Delphigläubige.

Sehr prekär und es spricht auch für die Macht in Delphi, dass sogar Staatsmänner Orakelbefragungen durchführten, z.B. Krösus. Daraus mögen sich Überlegung entwickeln, wie mächtig die Pythia, vielmehr die Priesterschaft in Delphi wirklich war, wie sie Politik beeinflussen konnte. Diese Fragen werden im Aufsatz nicht debattiert, es wird streng historisch vorgegangen und nicht spekuliert.

Über den Akt der Weissagung gibt kein Autor eine Beschreibung, heißt es. Der Klient sah im Adyton warscheinlich nicht einmal die Pythia, die hinter einem Vorhang saß.  Man ließt ja vieles über Delphi, und manches bleibt Spekulation oder Vermutung. Es ist denkbar, dass der Orakelspruch von Priestern übermittelt wurde,die Pythia nur als Brimborium herum, um das ganze geheimnisvoll zu gestalten. Diese Info mag ich evtl aus dem Buch „Das Geheimnis der Orakel“ von Philip Vandenberg. Auch wenn Vandenberg recht lesefeundlich und spannend schreiben kann ist er allerdings kein Historiker und ist historisch nicht so genau wie ein Historiker. Wir wissen es eben nicht, mit was für rechten (oder) unrechten Dingen es im Tempel zugegangen ist.

Gehen wir mal weg von Spekulation und greifen noch zwei Dinge heraus, von denen Veit Rosenberger berichtet:

1.)Es geht darum, ob die Pythia in Trancezustände gewesen sei, ob sie Dämpfe eingeatmet habe, die sie in solche Zustände entrückten. Rosenberger erzählt von der Entdeckung von Geologen, die in einer Quelle von Delphi Spuren von Äthylen nachgewiesen haben. Damals habe ich Zeitungsberichte gelesen, enthusiastisch, endlich war man einen Schritt näher an die Pythia herangekommen.

Was ich jetzt interessant finde, der Autor geht der Frage nach, ob die Pythia überhaupt in Trance geweissagt haben muss. Es dreht sich förmlich im Kreis und man muss gestehen, die Pythia liegt genauso im Dunst wie Troja.

2.)Bevor ich aber aufgebe und wie Sokrates sage, ich weiß nichts, möchte ich noch einen doppeldeutigen Orakelspruch erwähnen, er gehört zu den Orakelksprüchen, die in der Literatur immer wieder genannt werden.

Quote from: Rosenberger
Wenn die Athener ihr gesamtes Land an die Perser verlören, bleibe alleine eine Mauer aus Holz als Schutz für die Athener.

Doppeldeutig war dieser Spruch insofern, weil die Athener spekulierten, mit „Mauer aus Holz“ könne die Aktopolis gemeint sein oder Schiffe.

Übrigens, die Methode, dass Orakel zweimal zu befragen, wenn einem ein Oralspruch nicht gefällt, ist doch recht möglich. Es hinterlässt auf mich den Eindruck, man wolle Orakelsprüche zurechtbiegen, damit sie passen. Haha, das erschüttert meinen Glauben an Apollon, der Weise aus Delphi. Trotzdem: Der Gott in Delphi hat noch heute seine Bedeutung. Leider wird das im Aufsatz unterlassen. Die philosophische Bedeutung liegt in der Deutung der eingemeißelten Worte am Tempeltor: ERKENNE DICH SELBST – NICHTS IM ÜBERMAß. Wolfgang Schadewaldt hat in seinem Aufsatz „Der Gott von Delphi und die Humanitätsidee“ eine sehr schöne Interpretations dazu abgeliefert (W. Schadewaldt: Der Gott von Delphi, Aufsätze und Vorträge, insel TB 1291, antiquarisch. Vielleicht findet man diesen Aufsatz auch in seinen Tübinger Vorlesungen).

Liebe Grüße
mombour


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Offline sandhofer

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #4 on: 04. April 2010, 16.03 Uhr »
Allerdings sehe ich bei dieser Sachlichkeit, die sehr angenehm zu lesen ist, wenig Spielraum für Diskussionen.

Es ist halt ein Sachbuch ...  8)

Eine tiefere Diskussion würde sich ergeben, wenn man schon einige Bücher über Troja und Delphi gelesen hat und dieses Wissen auch parat hätte.

Dem ist so. Ich vermute, dass bei einigen der folgenden Themen eher Diskussionen entstehen können. Über das real existierende Troja wusste ich ungefähr genau so viel, wie mir der Aufsatz nochmals vermittelte. Also keine Basis für Diskussionen, stimmt. Über Delphi weiss ich sehr wenig, ausser, dass mir die Sache mit dem Lorbeerkauen, um in Ekstase zu geraten, nie glaubhaft schien. Wenn dem so wäre, dürfte ich garantiert keine getrockneten Lorbeerblätter im Supermarkt kaufen und in meine Saucen werfen ...

Wissenschafter haben oft die Tendenz, Dinge zu glauben, die ausserhalb ihres Spezialgebietes liegen. Ihre eigene Köchin hätte ihnen den Quatsch mit dem Lorbeer ausreden können. Andererseits hat man die Berichte von Hexen, die da in der Welt herumgeflogen sein wollten, als pure Phantasie und Unmöglichkeit abgetan, bis Peuckert im Selbstversuch nachweisen konnte, dass die im Vorfeld zubereiteten und auf empfindliche Körperstellen (z.B. die Achselhöhlen) eingeriebenen Hexensalben tatsächlich Halluzinationen dieser Art hervorrufen.

Wie heisst es am Schluss dieses Artikels so schön: Wozu wäre ein Trance der Priesterin zu Delphi nötig gewesen? Die dunklen Antworten stammen praktisch alle aus mythischer Vorzeit oder dienten der Legendenbildung wie diese hölzerne Mauer. In der Praxis hielt man es mit Xenophon. Von Sokrates ans Orakel verwiesen, um herauszufinden, ob er am später als "Zug der 10'000" bekannt gewordenen Unternehmen teilnehmen solle, hat er dem Orakel ja nicht diese Frage gestellt, sondern die, welchen Göttern er opfern solle, um den Zug glücklich vonstatten gehen zu lassen. Ein sehr pragmatischer Umgang mit einem Orakel ...  >:D
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Offline mombour

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #5 on: 05. April 2010, 08.53 Uhr »
Vom Areopag zur Agora: Die Entstehung zur Demokratie von Charlotte Schubert
Akropolis und Akademie: Athen als „Schule von Hellas“ von Raimund Schulz

Da ich in einer früheren Epoche in meinem Leben viel über Griechenland gelesen habe, kommen mir solche Kurzfassungen zur Geschichte der griechischen Polis ziemlich zusammengerafft vor. So wird in diesem Aufsatz Solon komplett ausgelassen, er taucht erst in dem darauffolgenden Essay auf. Drakon (um 650 v. Chr.) taucht überhaupt nicht auf, das gepflügelte Wort der drakonischen Strafen aber immer noch im Bewusstsein der Menschheit verankert ist. Irgendwo bei Platon steht drin, Solon sei in Ägypten gewesen und habe dort Weisheit geschnuppert. Diese Aufsätze zur griechischen Geschichte haben für mich besonders diesen Reiz, dass ich wieder Lust bekomme, über die alten Griechen zu lesen.

Wenn ich mich mit Griechenland beschäftige liegt immer gleich ein Stapel Literatur auf meinem Tisch ( u.a. Hermann Bengston: Griechische Geschichte, C.H. Beck, Verlag; hauptsächlich politische Geschichte – Oswyn Murray: Das frühe Griechenland, dtv; John K. Davies: Das klassische Griechenland und die Demokratie dtv =das sind zwei Bücher aus der Reihe dtv- Geschichte der Antike, in dieser Reihe. Die komplett aus sechs Bänden besteht, wird nicht nur die politische Geschichte erarbeitet, sondern auch spez. die Kulturgeschichte allgemein mit Darlegung der Quellen. Ein Buch , welches noch ungelesen im Regal steht ist „Der Idealstaat“ von Alexander Demandt).
Also, dieses rare Gerüst, sogenannt ein Skelett der griechischen Kulturgeschichte ist mir persönlich zu wenig., obwohl ich auch hier Perlen gefunden habe.

1.)Aristogeiton und Harmodios – Über diese beiden Herren habe ich im privatem Umfeld mal ein Referat gehalten, der Text ist warscheinlich verschollen. Ein Dilemma, aber traurig muss ich deswegen nicht sein, denn die Darstellung im Teil „Griechische Helden“ ist famos dargestellt und deckt sich ungefährt mit dem Inhalt meines verschollenen Referattextes. Also, meine große Zustimmung an die Autorin Charlotte Schubert. Ich möchte hier nur eine kleine Ergänzung anfügen, worauf auch Oswyn Murray hingewiesen hat. Das nun gerade ein homosexuelles Paar den Ruhm der Entstehung der Demokratie erhalten haben, obwohl, wie wir gelesen haben, die Spartaner den letzten Tyrannen verjagt haben, ist natürlich kein Zufall. Nicht nur die Demokratie muss ihre Helden haben, auch die Homosexualität, und dann noch eine tragische Geschichte, die Sache mit dem Tyrannenbruder – also hier passt wirklich alles zusammen. Einfach genial, absolut filmreif.

Literatur: Burkhard Fehr: Die Tyrannentöter, 1984, fischer TB 3914, reihe „Kunststück“


Quote from:  zitiert in Oswyn Murray, Seite 272
Die deren Mut unübertroffen blieb, den Harmodios und den Aristogeiton, hat ihr keuscher und gesetzestreuer erós – oder wie man das nennen will – zu solchen Männern erzogen, daß jedem, der die Tat preisen will, die Worte fehlen, die ihren Taten entsprächen. (Aischines, 1: Gegen Timarchos, 140)

Insgesamt gesehen hat mich der zweite Aufsatz von Raimund Schulz noch mehr beeindruckt.

2.)Athen als geistiger Tauschplatz der Welt“ vermittelt Atmosphäre und versucht in glänzender Manier die Stimmung des alten Athens in unsere Gegenwart zu spiegeln, was auch durchaus gelungen ist. Kurz, prägnant und doch wunderbar.

3.)Sehr erfreulich ist, dass Schulz auf die antike Tragödie eingeht. Mit dem Stichwort „Hybris“ schlage ich nun einen Bogen von Aischylos' Drama „Die Perser“ nach „Delphi“.

Schulz erzählt, worum es in den Persern des Aischylos geht. Der Perserkönig hat die Schlacht bei Salamis verloren. Der Königsmutter Atossa, die auf eine Nachricht um den Ausgang der Schlacht hofft, ihr also erscheint der Geist des Xerxes, der auf die schwierige Versorgungslage des persischen Heeres hinweist usw. Doch das verheerrendste, und damit werden wir in die griechische Philosophie geschwenkt, ist die Hybris des Perserkönigs gewesen und die

Quote from: Raimund Schulz
habe ihm nicht nur die Fähigkeit zum kühlen Abwägen seiner Möglichkeiten genommen, noch viel schlimmer – er habe durch seinen Entschluss, Asien zu verlassen und Europa zu erobern, gegen die von den Göttern festgelegte Weltordnung verstoßen.

Hybris fordert Strafe und wir kommen zurück nach Delphi:

ERKENNE DICH SELBST – NICHTS IM ÜBERMAß.

Erkenne dich selbst, soll heißen, der Mensch solle sich seiner Sterblichkeit bewusst sein. Schadewaldt verweist auf einen Spruch des Sophokles:

Quote from: Sophokles
Laß das Bewußtsein deiner Sterblichkeit zur Regulative all deines Denkens, Fühlens und Handelns werden.

und Pindar in der elften Nemeischen Ode:

Quote from: Pindar
Er denke daran: mit sterblichen Gliedern ist er angetan,
Und am Ende von allen wird Erde ihn umkleiden.

(Zitate Sophokles/Pindar aus Schadewaldt: "Der Gott von Delphi  und die Humanitätsidee").

Nichts im Übermaß, heißt eben, alles in Maßen. Xerxes wollte zu viel und erntete den Tod. Hybris wird bestraft, das ist philosophische Konsequenz. Man darf sich halt nicht gegen die griechischen Götter auflehnen.

Griechenland ohne ein wenig Philosophiererei geht nicht. ;D

Liebe Grüße
mombour
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Offline sandhofer

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #6 on: 05. April 2010, 12.32 Uhr »
Drakon (um 650 v. Chr.) taucht überhaupt nicht auf,

Ich habe ihn, ehrlich gesagt, nicht vermisst. Er liegt ausserhalb des Spektrums, das hier behandelt werden soll. Es handelt sich bei diesem Büchlein ja nicht um eine systematische Darstellung der griechischen Geschichte ab ovo, sondern es werden ein paar Spitzlichter ganz kurz präsentiert. Eher Gedankenstütze als systematische Darstellung.

Insgesamt gesehen hat mich der zweite Aufsatz von Raimund Schulz noch mehr beeindruckt.

Mir gefällt vor allem die Betonung des Nervösen, Selbstzweiflerischen im Athener Charakter als Leitfigur in diesem Aufsatz. Das gibt dem ganzen eine übers Historisch-Chronologische hinausgehende Stringenz. Sicher, persönlich halte ich Sokrates - zumindest in the long run - für wichtiger, als er hier dargestellt ist. Aber auch so fand ich diesen Punkt sehr gut herausgearbeitet.
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Offline mombour

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #7 on: 05. April 2010, 16.51 Uhr »
Es handelt sich bei diesem Büchlein ja nicht um eine systematische Darstellung der griechischen Geschichte ab ovo, sondern es werden ein paar Spitzlichter ganz kurz präsentiert.

Ist schon klar, trotzdem lese ich zu diesem Thema lieber dickausgeweitete Schwarten. ;D

Mir gefällt vor allem die Betonung des Nervösen, Selbstzweiflerischen im Athener Charakter als Leitfigur in diesem Aufsatz.

Ja, auf jedenfall. Hier schimmert was durch, was gerne übersehen wird. Hinzu kommt noch der Hinweis aus dem Essay von Charlotte Schubert, bei vielen griechischen  Helden, ausgerechnet aus der Epoche der Klassik, gibt es Schicksale, die unglücklich endeten. Es spiegelt sich irgendwie etwas Ernstes bei den Griechen heraus. Hieraus wird verständlich, dass sie mit der Fröhlichkeit der Etrusker nichts anzufangen wussten.

Liebe Grüße
mombour

PS: Ich bin vom 07. bis einschl. 10. April auf Reisen. Die Diskussion geht dann natürlich weiter, auch morgen bin ich noch online und habe schon einige Kapitel weitergelesen. Ich befinde mich z.Zt. im Kapitel um Jesus Christus.
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Offline sandhofer

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #8 on: 05. April 2010, 16.56 Uhr »
Ich muss ab morgen wieder arbeiten. Was mein Lesetempo erheblich drosseln wird ...
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Offline mombour

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #9 on: 06. April 2010, 15.28 Uhr »
Hellenismus

Im phrygischen Hochland: Alexander un der Gordische Knoten von Katarina Weggen
Der Leuchtturm von Alexandria und die Kultur des Hellenismus von Manfred Clauss

Im Essay von Katharina Weggen spiegelt sich sehr schön die Arbeitsweise von Historikern.  Studieren und vergleichen und bewerten historischer Quellen. Deutung, Interpretation und Schlussfolgerung. Beispielhaft legt dieses Essay Zeugnis davon ab. Wer sich für ergänzende Lektüre interessiert: 2009 erschien von Alexander Demandt: Alexander der Große. Leben und Legende.

 Die Zeit des Hellenismus ist für mich noch ein relativ dunkles Kapitel der Geschichte. Meines Wisses wurde der Begriff des Hellenismus durch den Historiker Johan Gustav Droysen (1808.1884) geprägt, der auchj die Geschicte dieser Zeit verfasste und eine Monograhie zu Alexander dem Großen. Abgesehen von einigen Gelehrten, die mal hier und dort vernommen werden, Erasthostenes und Euklid, weiß ich nur, dass in meinem Bücherregal Heliodors Roman „um die Abenteuer von Chariklea und Theaganes“ wartet. Wenn ihr mal Lust habt, lesen wir diesen Roman gemeinsam. Manfred Clauss erwähnt, der Helenismus habe die Gattung des Romans erschaffen, na, dann haben wir hier wohl den ersten Roman der Weltliteratur. Das ist doch was. Fasziniert habe ich die Teile um die alexandrinische Bibliothek und die Wissenschaft gelesen. Wirklich interesssant, was für eine Blüte der Kultur. Alle Literatur der Welt sollte in dieser Bibliothek seinen Platz haben. Bemerkenswert, dass sich die Griechen hier vielleicht erstmals auch den Barbaren widmen wollten, also auch fremdländische Literatur in ihre Bibliothek aufnahmen. Das ist schon eine sensationelle Erweiterung des griechischen Bewusstseins, die sonst, abgesehen von der ägyptischen Kultur vielleicht, sich sonst nur für ihre eigene Kultur wirklich interessiert haben. Die anderen waren doch nur Barbaren. Im Hellenismus löste man sich vielleicht von solchen Vorurteilen.

Für mich ein Faszinosum, und schön das er erwähnt wird, ist der Mediziner Herophilos. In der „Geschichte der Hirnforschung“ von Erhard Oeser kann nachgelesen werden, dass eine Hirnsektion  damals  zu Herophilos' Zeiten nur in Ägypten möglich gewesen sei. Der römische Enzyklopädist Celsus schrieb, Herophilos sezierte Vebrecher, als sie noch atmeten. Der Kirchenlehrer Tertullian bezeichnete ihn als „Arzt oder Metzger“, weil er „Tausende von Menschen ausgeweidet hat.“ (vgl. Oeser, Seite 35). Wer den Medicus von Noah Gordon gelesen hat, weiß, der Medicus musste bis in den Iran reisen um vernünftig Medizin studieren zu können. Dort hatte er die Möglichkeit, Leichen zu sezieren. Christen haben sich lange davor gescheut.

LIebe Grüße
mombour
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Offline Anita

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #10 on: 06. April 2010, 20.15 Uhr »
Wenn ich mich mit Griechenland beschäftige liegt immer gleich ein Stapel Literatur auf meinem Tisch ( u.a. Hermann Bengston: Griechische Geschichte, C.H. Beck, Verlag;

Das Buch habe ich mir geordert, und werde dieses hier zunächst mal zurück auf den SuB legen. Ich denke, dass ich so einen besseren Einstieg erhalte  ;)

Wünsche euch noch viel Spaß mit der Leserunde,
Anita, die weiterhin still mit liest  :)
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Offline sandhofer

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #11 on: 06. April 2010, 20.50 Uhr »
Im Essay von Katharina Weggen spiegelt sich sehr schön die Arbeitsweise von Historikern.  Studieren und vergleichen und bewerten historischer Quellen.

Alexander ist auch ein interessantes Thema.  ;)

Heliodors Roman „um die Abenteuer von Chariklea und Theaganes“

Ein netter kleiner Roman. Wahrscheinlich wirklich der erste im heutigen Sinne. Ob daraus eine Leserunde werden könnte? Hm ...

Im übrigen musst Du mich entschuldigen; ich werde sicher noch versuchen, Gehaltvolleres nachzuliefern, nach 9 Stunden Arbeitstag kann ich aber zwar noch aufnehmen, aber nix Gescheites mehr von mir geben.  :hi:

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Offline sandhofer

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #12 on: 11. April 2010, 08.58 Uhr »
Sodele, da bin ich.

Alexander der Grosse: Hier habe ich vor allem vermisst (vielleicht überlesen?), warum denn Alexander als Höhepunkt gehandelt wird. Ja, er hat die Politik bzw. die Staatenwelt seiner Zeit ziemlich aufgemischt. Ja, dank ihm sind einige Zeugnisse griechischer Kultur über die Welt zerstreut worden. Aber: er musste umkehren, lange bevor er verwirklicht hatte, was er sich eigentlich vorgenommen hatte. Aber: Sein Reich hing komplett an seiner Person. Es ist bei seinem Tod kollabiert, und die Diadochen waren m.M.n. für die folgenden Zeitalter weitaus prägender als Alexander selber. Die aber werden aussen vor gelassen.  :(

Alexandria: Die erste grosse Forschungs- und Wissensstätte. Geburtsstätte der Naturwissenschaften im heutigen Sinn. Das fand ich wiederum äusserst interessant. Auch, wie so nebenbei (nämlich durch völliges Nicht-Eintreten aufs Thema) die angebliche Bücherverbrennung negiert wurde.

Jesus: Ich weiss nicht. Die Thematik ist mir fremd. Und sie wirkt auf mich auch so ein bisschen als Fremdkörper in dieser Anthologie. Irgendwie hatte ich eine Darstellung dessen, wie Jesu Lehre (so es denn eine gegeben hat!) durch Plotin & Co. mit antik-hellenischem Denken und weiteren zeitgenössischen Strömungen zur frühen katholischen (= allgemein gültigen! - also die antike Welt transzendierenden!) Lehre geformt wurde, erwartet.

Die sieben Hügel Roms: Eine interessante Ergänzung zum oft sehr unklaren Titus Livius, der davon ausgeht, dass er eigentlich Bekanntes berichtet und deshalb oft "unscharf" ist. Der Artikel schien mir denn auch stark auf Livius zu beruhen.


« Last Edit: 11. April 2010, 09.13 Uhr by sandhofer »
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline mombour

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #13 on: 11. April 2010, 13.56 Uhr »
Hallo sandhofer,

zu Alexander dem Großen:

Ich weiß ja nicht, ob man das als bedeutend oder höhepunktmäßig herausheben kann, dass Alexander der Große der erste war, der die Vision eines Welreiches hatte. Na, ja, na und, was soll daran großartig sein. Für solche Visionen werden Menschen getötet. Unser heute vereintes Europa verwirklichte sich ohne Gewalt. Aber wie lange dieses hält ist auch unsicher: Griechenland pleite, Spanien hochverschuldet, usw. Dass das Reich Alexandes nach seinem Tod verfiehl, bestätigt Sigmund Freuds Theorie in "Massenpsychologie und Ich-Analyse", in der Freud sagt, die Masse habe zum Führer eine libidinöse Verbindung und wenn die libidinöse Verbindung nicht da ist, z.B: der Führer ist tot, dann zerfällt die Masse (ähnliches geschieht mit einer Masse, die in Panik gerät): Ich erspare es mir jetzt aber, in diesem Rahmen der "Höhepunkte" auf Freuds Theorie tiefer einzugehen.




CHRISTUS

Der Berg der Seligpreisungen und der Hügel Golgata. Die Botschaft von der Gottesherrschaft von Wolfgang Kraus

Zur Historizität Jesu

Dieses Kapitel ist von einem Theologen geschrieben worden, es wäre  interessant gewesen, wenn ein Historiker dieses Kapitel verfasst hätte.

Anhand der Schriften des Neuen Testamentes werden die Lebensdaten Jesu ermittelt. Es ist wirklich ein Genuss, der Argumentationskette zu folgen, um der Historizität Jesu näher zu kommen, indem man wenigstens Geburts- und Sterbedatum/ Jahr ermittelt. Trotzdem, hier liegt der Haken: Was ist wirklich historisch am NT. ? Ich habe die letzten Tage meine Mutter besucht und mir dort das Buch „Abermals krähte der Hahn“ des unerbittlichen Kirchenkritikers Karlheinz Deschner eingesackt, weil es dort nur ungelesen herumstand. Demnach, was Deschner behauptet, immerhin belegt er so ziemlich jede Behauptung mit einer historischen Quellenangabe, ist das NT so ziemlich untauglich, was historische Genauigkeit angeht.  Und noch etwas zum Theologen Wolfgang Krauss: In einem Versuch, auf Jesu Spuren zu gelangen, gehört s es sich doch, wirklich alle Quellen zu berücksichtigen, d.h. auch sämtliche Apokryphen. Ich meine, wie das NT von Menschenhand zusammengestückelt wurde, und Texte falsch kopiert oder einfach noch einiges hinzugefügt wurde wie falsche Paulusbriefe, die nicht vom Apostel stammen (man lese hierzu auch Bart D. Ehrmann: Abgeschrieben, falsch zitiert und missverstanden – Wie die Bibel wurde, was sie ist), so muss die Historiozität des NT  äußerst fragwürgig und das Wort Gottes aus der Heiligen Schrift nur ein Ammenmärchen sein.

Zur Chronologisierung der Zeit vom öffentlichen Wirken, die ja nur sehr kurz gewesen ist, wird auf Lukas 3,1 hingewiesen:

Quote
Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Stadthalter in Judäa war und herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Judäa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes*, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.

*Johannes der Täufer

Nun ist es nicht nur seltsam, sondern unverständlich, dass Wolfgang Krauss den Hinweis des Tacitus auf Christus nicht kennt, der den Tod Christi unter der Herrschaft des Kaisers Tiberius bezeugt. (siehe Tacitus, Annalen, 15,44). Dass Tacitus, der sich nie für das Christentum interessiert hat auf Christus verweist, gilt für manche Historiker als Hinweis, dass Jesus existiert haben könnte.

 Weitere Probleme zur Leben-Jesu-Forschung, wie sie sich im Text von Wolfgang Kraus vielleicht ungewollt manifestieren

a) Die Quellen

Kraus sagt, die überwiegende Meinung der Forschung sehe in den Textstellen  wie Matth. 12, 28 und Lukas 17,21 authentische Jesuworte.

Hierzu eine allgemeine kritische Anmerkung aus Carl Schneider, Geistesgeschichte der Antike, gekürzte Sondeausgabe, 1970, C.H. Beck, Seite 18:

Quote
...schwer festzustellen, was Jesus selbst gesagt hat. Es gibt kaum ein synoptisches Wort Jesu, das in der langen Geschichte der überaus mühsamen Evangelienkritik nicht schon für unecht, aber auch keins, das nicht schon für echt erklärt worden wäre.

b) Die Wunder Jesu

Kraus behauptet, ohne begründen zu wollen/können:

Quote
Gleichzeitig ist sich die Forschung einig, dass Jesus Wunder vollbracht, d.h. Menschen geheilt hat.

 Im Klartext heißt es, Jesu habe u.a. nicht nur blinde sehend gemacht (hysterische Blindheit?),  er habe auch Epilepsie (Markus 9, 17-18 ) und Gebärmutterhalskrebs (Markus 5, 25- 34 ) geheilt. Super, wenn ich dass doch nur glauben könnte.

Bei Deschner heißt es:

Quote
Die Forschung weiß längst, daß es in der antiken Literatur zahlreiche Gegenstücke zu den evangelischen Wundergeschichten gibt.
(und bezieht sich hierin auf Bultmann, „Synoptische Tradition“; Klostermann, „Das Markusevangelium“; Dibelius, Die Formgeschichte des Evangeliums u.a.).

c)Golgatha als Höhepunkt der Antike?

Ziemlich ernüchternd wenn wir bel Deschner lesen, der Mythos vom leidenden und sterbenden Gott gehöre zu den charakteristischen Zügen der meisten Mysterienreligionen (Kapitel 15).

Schlussfolgerung

Jesus als ein Höhepunkt, der zur Zeit seines Lebens völlig unbekannt gewesen sein muss, ein Wanderprediger von vielen, ein Wunderheiler von vielen, der in den Evangelien immer mehr vegottet wurde, bis es im Johannesevangelium verkündet wurde: „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes, 10,30).  ;D

Das was als Höhepunkt hingestellt werden könnte, wäre, wie es die alte Kirche geschafft hat, einen völlig unbekannten Mann als eine Grundfeste unserer europäischen Kultur hochzubiegen, aus antken Kulten und Literaturen einen neuen Religionsführer zu schaffen. Das ist das eigentliche Wunder. Karl Jaspers zählt Jesu zu den maßgebenden Menschen.

Kennt irgendjemand von Hans Küng: Das Christentum: Wesen und Geschichte? Mich interessiert seine Sicht der Dinge.

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 11. April 2010, 14.26 Uhr by mombour »
Thomas Hardy: Herzen in Aufruhr
Fernando Pessoa: Buch der Unruhe

Offline sandhofer

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Re:Kai Brodersen (Hrsg.) - Höhepunkte der Antike
« Reply #14 on: 11. April 2010, 17.01 Uhr »
Nun ist es nicht nur seltsam, sondern unverständlich, dass Wolfgang Krauss den Hinweis des Tacitus auf Christus nicht kennt, der den Tod Christi unter der Herrschaft des Kaisers Tiberius bezeugt. (siehe Tacitus, Annalen, 15,44). Dass Tacitus, der sich nie für das Christentum interessiert hat auf Christus verweist, gilt für manche Historiker als Hinweis, dass Jesus existiert haben könnte.

Tacitus ist rund 100 Jahre später als die Geschehnisse in Palästina. Er berichtet also vom Hörensagen. Und wer sagt? Nero? Die Christen? Schon Pilatus' Amtsbezeichnung stimmt ja nicht ... Nein, diese Quelle ist fast so zweifelhaft wie der auch oft angezogene Flavius Josephus.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus