Author Topic: Sándor Márai: Schule der Armen (Essay)  (Read 8865 times)

Offline mombour

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Re:Sándor Márai: Schule der Armen (Essay)
« Reply #15 on: 25. Januar 2010, 19.45 Uhr »
Vieles von Millers Lebensart und Philosophie kann man auch in "Big Sur" erlesen.

Ist jetzt OT, entschuldige, aber: "Big Sur" ist für mich ein Werk von Jack Kerouac; von Miller kenne ich nur "Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch". Meinst Du dieses?

Oh sorry, ja ich meinte "Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch", ich hatte keine Ahnung, dass es von Jack Kerouac ein "Big Sur" gibt und man evtl. Verwechslungen erlegen sein könnte.

Hallo Anita,

ja, so sehe ich das auch. Das Gefasel (anders kann ich das nicht nennen) über die Armen und die Frauen, über die Menschen, die keine Arbeit haben, ist maßlos klischeehaft, trivial und das Vorurteil, die Armen seien faul, eine maßlose Beleidigung. Mit diesen Kapiteln sumpft Márai total ab. Bisher vermisse ich immer noch eine Definition, was Armut sei (wird wohl nicht mehr kommen, das Buch ist gleich aus). Die Ansätze einer Kapitalismuskritik waren gut, er hat dieses Thema aber schnell wieder fallengelassen.

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 25. Januar 2010, 22.05 Uhr by mombour »
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Offline sandhofer

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Re:Sándor Márai: Schule der Armen (Essay)
« Reply #16 on: 25. Januar 2010, 22.59 Uhr »
ich hatte keine Ahnung, dass es von Jack Kerouac ein "Big Sur" gibt

Immer noch OT, scusi, aber: Dem müsstest Du unbedingt abhelfen ...  O0
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline mombour

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Re:Sándor Márai: Schule der Armen (Essay)
« Reply #17 on: 27. Januar 2010, 13.43 Uhr »
Dem müsstest Du unbedingt abhelfen ...  O0

Ich merke mir das.

Hallo Anita,

Das Buch führt dorthin, wo ich nicht hinwill. Ein frömmelnder Geist mag das schick finden, aber für mich persönlich wäre das ein völliger Rückschritt in Dumpfheit. Im Grunde genommen plädiert  Márai eine Lebensverneinung, wenn er im letzten Absatz des Buches dem Armen, der in Not geraten ist „den einzigen praktischen Rat“ gibt, sich in schwierigen Situationen an Gott zu wenden.  Vorher wird gesagt, dass jeder Arme irgendwann auf Gott trifft. Wie soll das gehen? Gott als eine Instanz für Menschen, die in ihrer elendigen Armut mit dem Leben eigentlich schon abgeschlossen haben, weil das Leben Scheiße ist und als Rettungsanker hilfesuchend nach der Hand Gottes suchen, der sie ins Paradies zieht. Für den Heiligen Franz von Assisi, den Márai erwähnt, war der Gang in die Armut freiwillig, für ihn war die Armut noch eine Tugend und kein Leid. Márai hat „diese Herrlichkeit der Armut“ nie erfahren, darum er in seiner Armut gelitten hat, nur noch im Leid  den Anker Gottes findet. Damit wird Gott zum Fluchtweg aus dem Leben. Diese Lebensverneinung der Armut im Geiste Márais zeigt sich auch darin, wenn gesagt wird, „die Reichen...konsumieren Alkohol in größeren Mengen nur, wenn sie unglücklich sind. Die Armen dagegen trinken sozusagen ununterbrochen. Kein Wunder, wenn Gott zum Opium wird.

Liebe Grüße
mombour
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Offline Anita

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Re:Sándor Márai: Schule der Armen (Essay)
« Reply #18 on: 27. Januar 2010, 17.21 Uhr »
Hallo Mombour.

So wie Márai anfängt so hört er auch auf, schrecklich  ;)

Diesen Gott, der helfend den Armen seine Hände entgegen hält, sie ins Paradies holt und beschützt, den möchte ich gerne erleben. Aber das ist der gleiche Gott, der den Menschen die Verantwortung nimmt, den man blindlings hinterherläuft. Das passt alles nicht zusammen, eher stellt man mit Entsetzen fest, was alles auf der Welt geschieht, und zweifelt ...

Für mich ist ja Gott so eine Art "Ordnung", eine harmonische Energie durch und durch, "Liebe"?, manchmal sage ich auch "Licht", auf jedem Fall tut sie der Seele so gut. Dahin kommt man aus der Freiheit hin, und Márai hatte so gute Ansätze. UND ich denke mir, um so "ärmer" man wird um so intensiver ist dieses Gefühl.

Apropos "die Reichen", es gibt Statistiken, da saufen die Reichen weitaus mehr als arme  ;D Aber man weiß ja nie wo Márai letztendlich steht, meint er mit reich die Unfreien, könnte man es in ein anderes Licht rücken. Dann würde er aber mit arm die Freien meinen, die dann auch ihre Freiheit begießen. Ne, mir ist das ganze Werk zu lauh, nicht so mein (unser) Ding.  :)

LG
Anita

Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.  Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"