Hallo!
Die Leserunde ist leider ein Torso geblieben, das Buch habe ich allerdings abgeschlossen. Insgesamt hinterließ es einen recht zwiespältigen Eindruck bei mir, keinesfalls ein ungetrübtes Lesevergnügen.
Am besten gefiel mir der Mittelteil, die Beschreibung, in der die Protagonistin immer mehr an sich, ihrer Umwelt (ver-)zweifelt, sie die Sinnhaftigkeit ihres Tuns und Lebens gar nicht mehr zu begreifen vermag. Dieses langsame Versinken in Trübsinn, Antriebslosigkeit, die deprimierende Darstellung eines in Staub und seltsamen Aufbauwahn versinkenden Jerusalems ist gut gelungen.
Seltsam an der Ich-Erzählerin: Dass man keine Innenansicht der Person erhält, dass sie sich darstellt, als würde sie von außen, ihrer Umgebung beschrieben. Die Geschichte einer Verzweiflung, einer Depression, eines Leidens an den gesellschaftlichen Zwängen von einer Person, die "ich" sagt, die aber diesem "ich" keinen emotionalen Ausdruck verleiht. (Vielleicht ein typisches Symptom einer Depression, die nur durch das Einnehmen einer Metaposition ihre Lage betrachten kann.) Wie sie die Biographien ihrer Umgebung schildert, so auch ihr eigenes Schicksal, die Verzweiflung eine mittelbare.
Hannah als der Prototyp einer eigentlich starken, intelligenten Frau mit eigenen Plänen, die - sich selbst kaum bewusst - all dies einer plötzlichen Liebe opfert (die so groß gar nicht ist). So stellt sich dem Leser die Frage nach dem Warum ihrer Verbindung mit dem etwas farblosen, netten und zuverlässigen Michael - und man erwartet, dass sie selbst sich diese Frage auch vorlegen würde. Dies bleibt unausgesprochen, nur durch die Umstände bedingt erfährt man, dass diese ihre Entscheidung (für sie) falsch war, sie in eine völlig unbefriedigende Lebenssituation geführt hat.
Das Buch hat gelungene Passagen (etwa dort, wo das Leben der jungen, verheirateten Mutter geschildert wird, die in Hilflosigkeit, Aussichtslosigkeit versinkt, ohne sich über die wirklichen Gründe Rechenschaft geben zu können), dann wieder diese stupend aufdringlichen Tagtraumpassagen, betulich-belehrend und aufgesetzt wirkend, welche die Befindlichkeit Hannahs genauer zu akzentuieren vorgeben, aber doch nur geschwätzig sind. Ebenfalls gelungen die Darstellung des politischen Lebens im Israel der 50iger, wenngleich mir diese Stellen zu kurz und ein bisschen zu schablonenhaft geraten sind. (Der einzig ausführlichere Teil der Einberufung Michaels zu einem kurzen Feldzug hat mir ausgezeichnet gefallen.)
lg
orzifar
der dem Buch aufgrund seiner eigenen mediokren Körperlichkeit und der damit verbundenen Stimmungslage ein wenig Unrecht getan hat und sich deshalb vornimmt, in solchem Zustand seine Meinung über Gelesenes für sich zu behalten (da die Schriftsteller nun wirklich nichts für diese Stimmungsschwankungen können).