Author Topic: Hermann Burger: Schilten  (Read 17938 times)

Offline sandhofer

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #15 on: 30. November 2009, 07.47 Uhr »
Das elfte Quartheft ist für mein Dafürhalten das bisher schwächste, die langen Ausführungen über die Bahnstrecken waren eher ermüdend: klar ist aber der Zweck der geographischen Verortung Schiltens, illustriert wird dessen Entlegenheit und Abgeschiedenheit. 

Ich hab's genossen - ich mag solche Digressionen. Der Zweck (sofern bei einem künstlerischen Werk von Zweck gesprochen werden kann) ist m.M.n. ein multipler: Neben der geografischen Verortung ist es auch so, dass sich Schildknecht gegen die Vereinnahmung der Schüler durch Geografie bzw. Heimatkunde wehrt - um im selben Kapitel ein prächtiges Stück Heimatkunde abzuliefern. Dann die Auseinandersetzung mit den (zu jener Zeit noch) sakrosankten Institutionen der PTT und der SBB.

Da ich eine Zeitlang in jenem Kanton gelebt habe, sind mir die von Burger unter Decknamen angesprochenen Bahnen natürlich auch "live" ein Begriff. Inklusive jener Kleinststaaterei und jenes Konkurrenzdenkens, die dazu geführt hatte, dass die eine der beiden Bahnen ihre Endstation in Aarau ungefähr 500 m von der andern entfernt hatte, mitten in der Staat auf einem öffentlichen Platz. Von wo aus sie dann tatsächlich wie eine Trambahn sich durch die Strassen Aaraus quälte - im Schritttempo. (Elektrifizierte Busse hingegen gibt's in Aarau nicht, gab es nie. Burgers "Heimatkunde" ist eine faszinierende Mischung aus Dichtung und Wahrheit.)
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Offline orzifar

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #16 on: 30. November 2009, 17.40 Uhr »
Hallo,

ich bin mittlerweile beim 17. Quartheft. Zu Burgers Abschweifungen: Ich empfand diesen verkehrspolitischen, geographischen Exkurs auch als Nichtschweizer als durchaus lesbar, er hielt sich in jenen Grenzen, die einem Verflachen zum Selbstzweck solcher Aufzählungen vorbeugten. (Wir hatten das ja schon in einem anderen Thread: Solches kann m. E. leicht zu einem ermüdenden, wenig geistreichen Spiel ausarten, wenn sich der Autor die Zügel schießen lässt.) - Die Bahnen in Aarau sind nicht elektrifiziert? Das eben ist die Aufgabe des Schriftstellers: Der Wahrheit und Wirklichkeit ein wenig nachzuhelfen, der phantasielosen Realität jene Akzidenzien aufzuoktroyieren, die sie sich vergessen hat zu verordnen. Und so ist es nicht der Fehler Burgers, sondern jener Aaraus, die unverständlicherweise elektrische Bahnen außen vor ließen und nun auf ihr Versehen durch den Autor aufmerksam gemacht werden ;).

Während bei mir also das Verkehrsquartheft Gnade gefunden hat, wurde mit der Nebelparaphrasierung ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass der Sprachspiele mit "Nebel" genug waren, dass man hier ein wenig früher hätte zum Rotstift greifen sollen.

Ein Buch über Depression? Das denn wohl sicher, dieser postlose, im Leben bereits abgestorbene Schulmeister ließe sich als Exempel in einem Werk über endogene Depressionen mit Selbstmordneigung wunderbar gebrauchen.

Im übrigen bin ich nach wie vor begeistert von diesem Schulbericht, von dieser Lebensrechtfertigung, die da ängstlich auf ein Urteil aus Trunz von seiten einer Instanz wartet, die ungreifbar scheint: Es ist das Leben an sich, das Schildknecht den Inspektoren vorlegt, sein Leben - und er erwartet den Spruch über Rehabilitation oder Entlassung wie eine kafkaeske Figur von einem unsichtbaren Gericht, einem Gericht, dem er sich unterwirft, unterwerfen (muss?, will?).

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #17 on: 30. November 2009, 23.15 Uhr »
Die Bahnen in Aarau sind nicht elektrifiziert?

Die Busse nicht. Die Bahnen wohl. Im übrigen tippe ich darauf, dass Burger hier auch andere Kleinstädte mit zurückgebliebenem Hinterland in seine Schilderung einbezieht. Winterthur oder Biel hätten elektrifizierte Busse. Und jede Menge Hinterland.  :D
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Offline Anna

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #18 on: 01. Dezember 2009, 18.22 Uhr »
Ich muss aus privaten Gründen die Leserunden abbrechen und werde auch in nächster Zeit nicht anwesend sein.

Ich grüße Euch
Anna
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Offline orzifar

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #19 on: 01. Dezember 2009, 20.38 Uhr »
Ich muss aus privaten Gründen die Leserunden abbrechen und werde auch in nächster Zeit nicht anwesend sein.

Das klingt nicht gut und tut mir ausnehmend leid  :(

Liebe Grüße

orzifar
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Offline sandhofer

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #20 on: 01. Dezember 2009, 20.41 Uhr »
Ich muss aus privaten Gründen die Leserunden abbrechen und werde auch in nächster Zeit nicht anwesend sein.

Das klingt nicht gut und tut mir ausnehmend leid  :(

Auch mir. Grüsse - sandhofer
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Offline mombour

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #21 on: 02. Dezember 2009, 11.50 Uhr »
Anna, ich wünsche dir alles Gute!!
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Offline sandhofer

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #22 on: 03. Dezember 2009, 08.02 Uhr »
Ich habe jetzt das 13. Quartheft gelesen. Und somit ein sattes Kapitel Friedhofskunde à la Schildknecht hinter mir ...
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Offline Imrahil

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #23 on: 04. Dezember 2009, 20.47 Uhr »
Auch ich wünsche Dir alles Gute Anna und eine baldige Rückkehr in unsere Leserunden.

Ich habe heute den Roman beendet, das 20. Quartheft und den Nachtrag des Inspektors gelesen.
Nachtrag zum Eisenbahn-Heft: auch ich liebe Digressionen à la Sterne, Jean Paul, Thelen oder Burger. Und ich kann die inhaltliche Bedeutung, die Aussage durchaus nachvollziehen, dass sich der Kantönligeist mitunter selbst in den einzelnen Bahnlinien manifestiert. Mir gerieten die diesbezüglichen Ausführungen einfach zu lang, aber vielleicht lese ich das Kapitel nochmals. Die Monologe (im Grunde ist das Buch ja ein(!) Monolog) im 14. Heft zum Harmoniumsstreit (ist der nun recherchiert oder erfunden?) und dem Nebelunterricht mit mythologischer Grundierung fand ich wiederum vorzüglich.

Eines wurde für mich bei der Lektüre klar: Hermann Burger ist ein überaus sprachmächtiger Autor, ein Stilist, der die Worte wägt und um den treffenden Ausdruck (das "mot juste" wie Strässle im Nachwort richtig festhält) bemüht ist, ohne dass aber die Beschreibungen bemüht wirken (mit wenigen Ausnahmen vielleicht). Das sprachliche Feuerwerk ist ein formal-ästhetischer Genuss, der aber keineswegs die Geschichte in den Hintergrund verdrängt. Die existentielle Situation des verzweifelten, manischen Schildknecht einerseits und die digressive, opulente und wortgewaltige Sprache andererseits scheinen einander zu bedingen und gegenseitig noch zu intensivieren.
Burger hat zu einem eigenen Stil gefunden, auch wenn einige literarischer Vorbilder zu erkennen sind, wie wir festgestellt haben: z.B. Jean Paul oder Thomas Bernhard, bzgl. der Schulmeister-Thematik natürlich Gotthelf, aus dessen "Freuden und Leiden eines Schulmeisters" Schildknecht ja sogar eine längere Passage zitiert. In "Schilten" findet aber im Grunde eine Reduktion auf die "Leiden eines Schulmeisters" statt.
Gibt es ihm "verwandte" Schweizer Literaten? In meinen Augen steht er in der Schweizer Literaturlandschaft ziemlich allein dar, ist auch dort ein Solitär. Aber um dies wirklich beurteilen zu können, kenne ich die Schweizer Literatur noch zu wenig (eine Vermutung - Gerold Späth - konntest Du Sandhofer ja nicht bestätigen).

Strässle betont in seinem Nachwort die Macht des Schauplatzes. In der Tat musste ich diesbezüglich an E.Y. Meyers "In Trubschachen" denken. Beide Werke haben überdies ja noch die Gemeinsamkeit des Winters. Die Jahreszeit spielt eine nicht unwesentliche Rolle, symbolisiert vielleicht die geistige und menschliche Kälte, die Erstarrtheit, abgetötete Natur etc.

So viel für den Moment. Die Wigger-Figur würde sicher auch noch eine Diskussion lohnen.

Schöne Wochenendgrüsse,
Imrahil

Offline orzifar

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #24 on: 05. Dezember 2009, 17.54 Uhr »
Hallo!

Zu den Digressionen: Hier, wie bereits erwähnt, fand ich das durchaus im Bereich des Akzeptablen. Manchmal aber verkommt das Ganze zum Selbstzweck, ein Autor berauscht sich an der Idee und walzt dieselbe aus verlgeichbar einem Politiker, dem eine metaphorische Formulierung unterläuft und der sich an derselben nicht genug tun kann, auch wenn die wiederholte Verwendung  einfach nur noch hochgradig peinlich wirkt. Digressiv im übrigen auch der historische Exkurs zur Friedhofkultur: Diesen fand ich ausnehmend informativ und unterhaltend, sozusagen der Inbegriff einer gelungenen Digression.

Ich halte "Schilten" für ein ganz großes Stück Literatur, wert, in jede deutschsprachige Anthologie aufgenommen zu werden. Neben der offensichtlichen Bedeutung als eine depressiv-suizidale Innenansicht fiel mir diesmal - im Gegensatz zur früheren Lektüre - sehr stark Schildknechts Abhängigkeit von der Welt da draußen auf (repräsentiert hauptsächlich durch die Inspektorenkonferenz, welche aber, wie man dem Nachwort entnehmen kann, keine Entsprechung in der Realität hat). Immer wieder weist der Schreiber darauf hin, dass er sich diesem Urteil zu beugen bereit ist, er will seine Sache bloß behandelt wissen. Das wirkt, als ob er Sinn und Unsinn seines Lebens einer höheren (kafkaesk-metaphysischen) Instanz zur Beurteilung vorlegen würde.

Der Friedhofsnarr Wigger als eine Art naiver Gegenentwurf zum Schulmeister? Im letzten Kapitel macht sich Schildknecht auf den Weg zur Schwefelhütte (ist da was Teuflisches im Spiel?), ohne aber Wiggers Heimstatt zu finden. Hingegen verirrt er sich in eine irrwitzige Faschingsgesellschaft, an altrömische Saturnalien erinnernd. Diese bedeuten auch immer ein Umkehr des Gesellschaftsgefüges, Herren verkleideten sich als Diener (und umgekehrt) - und so wird für Schildknecht das Wiggersche Dasein zum letzten Ziel (Wigger ist der einzige, der einen einigermaßen glücklichen Eindruck hinterlässt sowohl während der Musikaufführungen als auch beim "Wiggern" auf dem Engelhof). Auf dass ihr werden solltet wie die Wigger ;)

An einen anderen Autor fühlte ich mich noch erinnert: Alois Brandstetter mit seinen "Briefträgern", die zwar ein gänzlich anderes Stimmungsbild zeichnen, aber auch eine Art Generalabrechnung mit dem dörflichen Gesellschaftsleben beinhalten (ein Buch, für das ich wieder und wieder werbe: Weil es selten zwerchfellerschütternd ist). - Gerold Späths "Unschlecht" steht bei mir (jungfräulich) im Regal, ich kenne auch weiter nichts von diesem Autor, wäre aber einer Leserunde nicht abgeneigt.

Mit dem letzten Kapitel als auch dem Nachwort des Inspektors war ich irgendwie unzufrieden: Hier wird Metaphorik und Realitätseinbettung nachgeliefert - und ich weiß nicht, ob man darauf nicht hätte verzichten können. (Das hat etwas von den unsäglichen Träumen in Romanen, in denen der Autor selbst das Allegorische darbietet: Und nichts schlimmer als ein Schriftsteller, der zuerst 500 Seiten schreibt und dann noch diese vielen Seiten erklären zu müssen glaubt.)

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #25 on: 06. Dezember 2009, 10.22 Uhr »
Ich bin unterdessen mit dem 18. Quartheft durch. Die Szene wird zusehends surreal: Schildknecht, der sich mit einem alten Haus verbündet, um über die Inspektorenkonferenz zu siegen ...

(Übrigens: Auch die Einteilung in Hefte - eine scheinbar rein von aussen bedingte Kapiteleinteilung, fast mechanisch scheinend - ist ein Kunsttrick, den Burger von Jean Paul abgeguckt hat. Bei Swift jedenfalls ist er mir nicht präsent.)

Wigger ist tatsächlich eine Figur, die man gerne überliest. Ich jedenfalls. Ist Wigger dem Teufel vom Karren gefallen?  >:D
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Offline Imrahil

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #26 on: 08. Dezember 2009, 18.28 Uhr »
Die Erwähnung von Gotthelf "Die schwarze Spinne" rücken den Text ja zumindest partiell in die Nähe des Teufelspaktes. Aber Wigger scheint mir nicht im Bund mit dem Teufel zu sein, er ist ja gerade eine positive Figur, die eben einen "zweiten Lösungsweg" anbietet, der zu demjenigen Schildknechts diametral verschieden ist. Schildknechts wortmächtiges und belesenes Anschreiben, Anargumentieren gegen den Tod steht Wiggers unbekümmertes (?) und stummes Gebaren auf dem Friedhof gegenüber. Wigger fühlt sich nicht verpflichtet, sich gegenüber irgendjemandem rechtfertigen zu müssen, er ist in dieser Hinsicht entlastet. Ob er deswegen glücklicher ist als Schildknecht, ob sein Weg der bessere ist? Das ist zumindest zu bezweifeln. Was die beiden letztlich vereint, ist ihre Aussenseiterstellung in der Gesellschaft.

Imrahil

Offline sandhofer

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #27 on: 08. Dezember 2009, 20.16 Uhr »
So. Seit Sonntag Abend bin ich eigentlich auch fertig. Aber ich komme im Moment mal wieder kaum zum Schreiben. Habe gerade im realen Leben einen Wigger getroffen ...   ::)

Mit dem letzten Kapitel als auch dem Nachwort des Inspektors war ich irgendwie unzufrieden:

Auch ich halte Schilten für ein grosses und gutes Stück Literatur, würde allerdings meine Unzufriedenheit sogar auf das vorletzte Kapitel ausdehnen. Es wirkt irgendwie infantil und frauenfeindlich. Und, ehrlich gesagt: Dass sich Schildknecht plötzlich in dem Ausmass um Sexuelles kümmert, zerstört irgendwie seine Figur. Aber ansonsten, wie gesagt: grosse Literatur.
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Offline orzifar

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #28 on: 08. Dezember 2009, 21.20 Uhr »
Hallo,

da habe ich meine Schwefelassoziationen reichlich undifferenziert abgesondert. Wigger ist in jedem Fall eine positive Figur, meine post-schwe(a)feligen Ausführungen weisen glücklicherweise darauf hin. (Beim Beitrag Imrahils wunderte ich mich über die hergestellte Teufelsbeziehung, bis ich plötzlich in mir selbst den Urheber dieses Gedankens erkannte :)).

@sandhofer: Frauenfeindlich? Mag sein, aber diese leicht verklemmte Sexualität, dieses antiquarische Frauenbild scheint mir zur Figur Schildknechts nicht gar so schlecht zu passen. Aber den grundsätzlichen Eindruck, dass die letzten Kapitel ein wenig abfallen, kann ich nur teilen: Als ob Burger einen mehr-weniger sinnfälligen Abschluss gesucht hätte. So etwas sollten sich Schriftsteller immer sparen, das sind, wie ein anderer Schweizer einmal festgestellt hat, Enden für Leihbibliotheken.

In einem hat mich die Lektüre wieder bestärkt: Lieber ein gutes Buch wieder und wieder zu lesen als von einem Autor zum anderen zu hoppeln im Wunsche, eine Art Generalbelesenheit zu erreichen. Könnte ein Wieder-wieder-wieder-wiederlesen der Strudlhofstiege zur Folge haben, ein Buch, das ich definitiv für einen der allerbesten, je geschriebenen Romane halte.

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orzifar
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Offline orzifar

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Re:Hermann Burger: Schilten
« Reply #29 on: 09. Dezember 2009, 20.49 Uhr »
So. Seit Sonntag Abend bin ich eigentlich auch fertig. Aber ich komme im Moment mal wieder kaum zum Schreiben. Habe gerade im realen Leben einen Wigger getroffen ...   ::)

Das muss nicht immer negativ sein und kann - wenigstens bei mir - sogar Anlass zum Schreiben werden. Früher hat es in meiner Umgebung gehörig gewiggert, v. a. habe ich nicht wenige gekannt, die sich diesen Zustand durch jahrelanges Training an diversen Theken hart erarbeitet haben. Eine dieser Bekanntschaften hat Wiederkehrs Profession ausgeübt, eine riesige Gestalt, bebartet bis unter die Augen, tiefe, rauchige, immer um mindestens 70 Dezibel sich bewegende Stimme, der anschaulich von diesem seinem Beruf (und von den zahlreichen, mit seinen Trinkgewohnheiten in Zusammenhang stehenden Scheintoten) zu berichten wusste. Letztere gab er vor, durch einen gezielten Schlag mit einem der Grabwerkzeuge in jenen Zustand zu versetzen, der, einmal in seine Obhut übergeben, der ihnen zustehende und genehme sei. Mit leicht tautologischer Begründung: "Waö: Entweda is ana hi - oder ea is net hi". So seinen korrigierenden Eingriff in eine aus den Fugen geratene, morbide Weltordnung beschreibend.

lg

orzifar

der ein Wiggerbuch ernsthaft in Betracht ziehen sollte ;)
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